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Rattle & Hum

Howe Gelb

Köln, Gebäude 9
30.11.2009

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Howe Gelb
Also, was hat Herr Gelb im Laufe seiner Karriere nicht schon alles an Sperenzchen auf Tasche gehabt, um die Erwartungshaltung seiner Klientel auszuhebeln?!? So wurde er z.B. zuletzt bei einem Auftritt der Willard Grant Conspiracy mit einem Hirsch-Geweih auf dem Kopf gesichtet und irritierte dann, indem er unbeteiligte Musiker nötigte, mit ihm zusammen ungeprobte Stücke zu spielen - weil man so was ein Mal am Tag machen müsse. Da kommt es dann quasi wie ein Schock, wenn der Master of Chaos auf ein Mal sortiert und aufgeräumt vor sein Publikum tritt. So auch auf dieser von Gaesteliste.de präsentierten Tour.
Zu erahnen, dass dies ein eher außergewöhnliches Howe-Konzert werden würde, war schon daran zu erkennen, dass vor der Show selbstgemachte Jazz-Musik vom Band lief. Dabei blieb es auch zunächst, als sich Howe erst mal wortlos hinter den Flügel setzte - begleitet nur von Bassist Thøger T. Lund (der sein Instrument gar selbst gebaut hatte) - und dann einige Songs von Tom Waits spielte. Genau genommen tat er das natürlich nicht - es hörte sich aber so an. Howe Gelb als grummelnder, raunender Lounge-Crooner mit Aschenbecher-Stimme zwischen Jazz und Blues - daran musste man sich erst ein Mal gewöhnen. Das war auch dem Künstler selbst klar, der sich im Anschluss an diese Eskapade dann doch mit der Gitarre bewaffnet grinsend auf einen Stuhl setzte und die Anwesenden fixierte. "Wir brauchen mehr Licht im Auditorium", grummelte Howe, "ich möchte den Schock auf den euren Gesichtern sehen." Na ja, ganz so schlimm war es ja nun auch wieder nicht - einfach deswegen, weil man von Howe Gelb so ziemlich alles erwarten darf. Aber dennoch war das hier etwas anders als sonst. Das Auditorium war nämlich bestuhlt - mit einem bemerkenswert großen Abstand zum Meister, was diesem gar nicht so sehr behagte, da sich so quasi gar keine Kommunikation mit dem Publikum aufbauen ließ. Was dann auch eher ungewöhnlich war, war der Umstand, dass sich Howe hier als ungewohnt lichtscheu präsentierte. So trug er die meiste Zeit einen tief in die Stirn gezogenen Hut und tat alles, um die Lightshow auf ein minimal notwendiges Maß zurückzufahren. So kennt man den Mann ansonsten gar nicht.

Dann gab es technische Probleme: Ein stetes Brummen bei den ersten Nummern ließ sich - nach einigen vergeblichen Versuchen von Thøger - dann zwar durch einen beherzten Tritt des Meisters gegen das Effektgerät beheben, dann aber schlug der "Rassler" zu. Es gibt da im Gedärm des Gebäude 9 irgendwelche Unpässlichkeiten, die dazu führen dass - traditionellerweise bei akustischen Konzerten in den leisen Passagen - irgendeine Art Klappercrescendo in der Belüftungsanlage losbricht. Howe und sein Bassist schauten sich irritiert an und dann schlug der Meister vor, zum Rhythmus dieses Geklappers zu spielen. Das war dann wieder ganz der alte Howe, der die Komik so nutzt, wie sie ihm die Situation gerade hinwirft. "I am not afraid of the rattler", improvisierte er dann vor sich hin, "because I can outrattle him." Apropos improvisieren: Früher war Howe ja dafür bekannt, seine Stücke eher fragmentarisch anzutesten - übrigens mit dem Argument: Zu viele Stücke, zu wenig Zeit. Wie sich so etwas anhört, zeigte einen Tag später ein großteils desorientierter Evan Dando einen Club weiter, im Underground. Heutzutage ist bei Howe Gelb eher das Gegenteil der Fall: Da werden die Nummern geradezu ausgewalzt - in diesem Falle eben ziemlich jazzig, was an Thøgers Fähigkeit lag, seinem Meister auch bei den unberechenbarsten Schlenkern mühelos folgen zu können. Meist war er auch schon bereits da, wo Howe erst noch hinwollte. Dass hier der Mann saß, der eigentlich als Mastermind von Giant Sand sein Geld verdient, war dann nur an einigen Hardrock-Soli zu erahnen, die Howe scheinbar unmotiviert ins Geschehen warf - so wie früher auch.

Und ganz ist seine Manie, das Ungeprobte auszuloten immer noch nicht verflogen. "He, ich arbeite gerade an einem neuen Stück - wollt ihr es hören?", grummelte er zum Beispiel und spielte dann ein halb fertiges Weihnachtslied. Überhaupt "neue Stücke". Wenn Howe die Wahl hat (und die hat er bei Solo-Konzerten nun mal), entscheidet er sich stets für neues Material zu Ungunsten des Bekannten, das dann auch eher im letzten Teil der Show (und nach einer zweiten Piano-Cocktail-Jazz-Passage) zu finden war. Aber alles was recht ist: Die lieb gewonnenen "Shivers" deliverte der Mann auch in diesem Setting auf ansprechende Weise. Abgerundet durch spontane Coverversionen, darunter auch "Can't Help Falling In" (ganz Recht: Das fehlende "Love" gab's nur in der letzten Strophe) in einer neuen, freischwingenden Blues-Version. "Riders On The Storm" musste auch irgendwie dran glauben, weil Howe es sich in den Sinn gesetzt hatte, unbedingt den deutschen Regen herbeisingen zu müssen. Als das Konzert dann ebenso unspektakulär und beiläufig zu Ende ging, wie es begonnen hatte, ließ Howe letztlich weniger geschockte als ziemlich zufriedene Fans zurück. Denn ein Howe Gelb, der sich ein wenig zurücknimmt UND eine bestimmte musikalische Idee verfolgt, ist keine schlechte Sache, wie an diesem Abend zu erfahren war.

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Surfempfehlung:
www.howegelb.com
www.myspace.com/howegelb
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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