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Konzert-Bericht
 
Mit sich selbst im Reinen

Bernd Begemann

Essen, Grend
16.03.2014

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Bernd Begemann
Um es gleich vorwegzunehmen: Es war ein wirklich schöner Abend mit Bernd Begemann im Grend. Nicht, dass wir uns bei unseren vielen, vielen Begegnungen mit Hamburgs elektrischem Liedermacher nicht zumeist köstlich amüsiert hätten, aber nachdem man in den letzten Jahren manchmal ein wenig das Gefühl haben durfte, dass der Mann mit der roten Stromgitarre für seine Miete und den Unterhalt für seine kleine Tochter auftritt, schien er in Essen wirklich Spaß daran zu haben, auf der Bühne zu stehen. Hatten groteske Grimassen und viel Zynismus in der jüngeren Vergangenheit des Öfteren auf einen nicht gerade überglücklichen Musiker hingedeutet, wirkte Bernd dieses Mal deutlich gelassener, lachte viel und schien deutlich mehr mit sich im Reinen zu sein. Dass er den Abend mit dem neuen Song "Ich habe meinen Frieden gemacht" eröffnete, war ganz sicher kein Zufall.
Dennoch war es keine echte Rückkehr zum "alten" Bernd. Bei aller Spontaneität hatte das Konzert deutlich mehr Aufführungscharakter als frühere. Doch nicht nur einige Gags waren inzwischen altbekannt. Wenn er sonst das Publikum nach Songwünschen fragte, erfüllte er sie praktisch alle - und wenn das Konzert deshalb fast vier Stunden dauern musste, dann war das eben so. Inzwischen sind seine Auftritte spürbar ökonomischer. Auch im Grend fragte er zwar nach Wünschen, doch "erfüllt" wurden davon praktisch eh nur die unausweichlichen, die allabendlich im Programm sind, wie "Oh, St. Pauli" oder "Zweimal 2. Wahl". So dauerte das Konzert dann dieses Mal "nur" drei Stunden (inklusive Pause), dennoch war sicherlich die Tatsache, dass Bernd einfach die Songs spielte, die ihm wirklich am Herzen lagen, anstatt für das Publikum die ollen Kamellen auszupacken, mit ein Grund dafür, dass Bernd auf der Bühne so zufrieden mit sich und der Welt wirkte. Sogar über seine "groteske Figur" kann er inzwischen Witze machen. Dass er die Schwangerschaftspfunde nach der Geburt seiner Tochter nie weder richtig runtergekriegt hat, ist zwar schon länger ein offenes Geheimnis, aber dass er sein Aussehen gleich zu Beginn mit "Ich komme gerade aus einem All-inclusive-Urlaub" entschuldigte, war neu. Zerknirscht wegen des Hüftgolds war er übrigens nicht: "Ich mag mein neues Aussehen. Es gibt so viel mehr zum Anfassen!" Sorgen machte er sich eher darüber, dass im Grend die Männer bei "Kelly Family Feeling" besser mitsangen als die Frauen. "Seitdem ich angefangen habe, wie mein Vater auszusehen, habe ich mein schwules Kernpublikum verloren. Wenn jetzt auch noch die Frauen wegbleiben, weiß ich nicht, was ich tun soll!", sagte er mit gespielter Verzweiflung.
Allerdings waren durchaus viele Erstkontaktler im Raum, die Bernd vermutlich durch seinen Auftritt bei "Circus Halligalli" und durch "Verhaftet wegen sexy", den ersten Top-Ten-Hit seiner Karriere (Download Charts, drei Tage), kennengelernt hatten, den er in Essen natürlich auch ohne Duettpartner Olli Schulz genüsslich zelebrierte. Bei "Fernsehen mit deiner Schwester" outete er sich einmal mehr als Fernseh-Junkie, der eine ganze Staffel vom "Bachelor" in zwei amüsanten Minuten zusammenfassen und spontan und auf Zuschauerzuruf über "Ausgerechnet Alaska" monologisieren konnte, und mit dem neuen "Rialto" arbeitete er nicht nur deutsche Kinogeschichte auf, sondern brachte die zuletzt höchstens noch unterschwellig vorhandene politische Note zurück in sein Programm. Überhaupt gab es eine ganze Reihe brandneuer Stücke zu hören, die das komplette übliche Begemann'sche Emotionsspektrum von eher albern ("Lila Twingo" mit feinem "Peggy Sue Got Married"-Outro) über sentimental ("Es klappt gerade nicht mit dem Fahrrad") bis emotional ("Ich brauch dich so") abdeckten und durchaus Lust auf die nächste LP machten. Auch die inzwischen traditionelle Spitzen-Coverversion mit iPod-Bandbegleitung gab es dieses Mal wieder, wenngleich Bernd selbst "This Guys's In Love" von den Temptations für keinen guten Schlusssong hielt und unverständlicherweise noch ein dahingeworfenes "Dein Trottelfreund meint" als Rausschmeißer dranhängte. Es war der einzige wirkliche Faux-pas an einem ansonsten wirklich runden, ja, harmonischen Abend.

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Surfempfehlung:
www.bernd-begemann.de
www.facebook.com/BerndBegemann
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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