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Konzert-Bericht
 
Eine altmodische gute Zeit

Shovels & Rope
Matthew Logan Vasquez

Düsseldorf, Pitcher
31.01.2017

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Shovels & Rope
"Wir sind so froh, hier in einer echten Rock'n'Roll-Bar spielen zu dürfen", ruft Cary Ann Hearst, die weibliche Hälfte von Shovels & Rope, ihrem Publikum in Düsseldorf zu. Denn auch wenn so mancher Kaschemmen wie den Pitcher auf den ersten Blick nicht für ein ideales Konzertvenue halten mag - für das Americana-infizierte US-Duo, das derzeit sein aktuelles Album "Little Seeds" in Europa live auf der Bühne präsentiert, passt der Laden wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Nur der Supportact Matthew Logan Vasquez muss bei seinem kurzen Auftritt an diesem Abend gute Miene zum bösen Spiel machen - und das nicht nur, weil er der Nachbarn wegen schon Punkt 19.00 Uhr anfangen muss.
Eigentlich hat sich Matthew Logan Vasquez gerade ein bisschen von Folk und Country verabschiedet. Auf seinem im April erscheinenden zweiten Soloalbum, prophetisch "Does What He Wants" betitelt, bemüht der Delta Spirit-Sänger "jeden modernen Trick, den es gibt", wie er uns vor dem Konzert verrät. In Düsseldorf aber tritt er solo auf und muss, spürbar etwas widerwillig, den Folkie geben. Dabei macht er auch im Troubadour-Modus eine gute Figur, wenn er Leonard Cohens "The Old Revolution" als Anti-Trump-Hymne intoniert, sich mit der Delta Spirit-Nummer "9/11" fast schon wehmütig an den "zweitschlechtesten US-Präsidenten" George W. Bush zurückerinnert ("Ich mag seine Bilder - und ich folge ihm auf Instagram", gibt er augenzwinkernd zu) und ganz zum Schluss mit Jack-Daniel's-geölter Stimme das grungige "Everything I Do Is Out" herausbrüllt und zwischen den Zeilen immer wieder kurze Erklärungen einstreut, warum die Full-Band-Version des Songs viel besser ist als seine Solo-Akustik-Fassung. Obwohl ihm eigentlich vierzig Minuten zustehen, verabschiedet er sich schon nach einer knappen halben Stunde wieder, und das ist ein wenig symptomatisch für seinen Auftritt, mit dem sich der Mann aus Austin ein bisschen unter Wert verkauft hat.
Shovels & Rope haben danach leichtes Spiel im inzwischen rappelvollen Pitcher. Cary Ann Hearst und ihr Ehemann Michael Trent wechseln bei ihrem rund 75-minütigen Auftritt die Instrumente fast ebenso schnell wie die Spielarten innerhalb des Americana-Kosmos. Gerade noch begleitet Michael seine Gattin - bisweilen gleichzeitig! - mit Schlagzeug, Mundharmonika und Keyboard bei einer herzergreifenden Südstaaten Country-Ballade wie "Birmingham", dann greift er selbst zur Stromgitarre, während Cary Ann in bester Meg-White-Manier auf die Drums eindrischt, und prügelt herrlich rohen Garagenrock heraus. Obwohl bisweilen ein wenig zu klischeebeladen sorgen Shovels & Rope dafür, dass die Zuschauer eine altmodische gute Zeit haben und all das bekommen, was sie von einem mitreißenden Kneipenkonzert erwarten. Sogar der Satz "So viel Spaß hatten wir schon lange nicht mehr" kommt Cary Ann ohne rot zu werden über die Lippen. Dazu wettern die beiden gegen den neuen US-Präsidenten, zollen Garth Hudson von The Band mit "The Last Hawk" Tribut und sorgen musikalisch nicht nur für viel Abwechslung, sondern immer wieder auch für echte Emotionen. Das eigentlich simple Konzept zeigt Wirkung: Irgendwie fühlt sich alles wirklich wie Nashville spät an einem Samstagabend an, nicht wie Düsseldorf an einem Dienstag kurz nach halb neun.

Am Ende erfüllen die zwei mit dem melancholischen Frühwerk "Carnival" ("Das haben wir schon seit Jahren nicht mehr gespielt", verrät Cary Ann) sogar noch den Songwunsch einiger etwas übermotivierter Hipster in der ersten Reihe, und auch wenn es ein wenig dauert, bis Tonart und Intro stehen, ist die Nummer das unerwartete Highlight des ganzen Abends. Am Ende geht es mit "Hail, Hail" zurück zu den Ursprüngen des Rock'n'Roll, und die beiden gehen dabei so in ihrem rauen Sound auf, dass Cary Ann am Ende das Schlagzeug in Einzelteilen über die ganze Bühne kickt. Eine Zugabe gibt es danach nicht mehr.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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