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Konzert-Bericht
 
Höre auf den Affen

Lesley Kernochan
Kay Rosenbach

Köln, Die Lichtung
08.02.2017

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Lesley Kernochan
Kay Rosenbach ist ein junger, zum Glück ernster Mann aus Köln und Hamburg, der mit seinem Projekt "& Kollegen" sowieso ein offenes Format für seine Darbietungen gewählt hat. Lesley Kernochan und er hatten sich eher zufällig getroffen und schätzen gelernt - deswegen machte es also gar nix, dass Kay den Support für das Konzert von Lesley und ihrem Trio in der Kölner Lichtung bestritt - auch wenn es musikalisch nur marginale Verbindungspunkte gab. Denn anders als Lesley - die im Folgenden zwischen Jazz, Swing, Blues, Vaudeville, Soul, Ragtime und Country so ziemlich keine Spielarten ihrer Kunst unangetastet ließ - beschränkte sich Kay Rosenbach darauf, deutschsprachige, meist balladeske Songs im Folk-Solo-Setting vorzutragen. Damit sind wir auch wieder bei der Formulierung "zum Glück" in Bezug auf seine Ernsthaftigkeit, denn - anders als viele seiner Kollegen - versteht sich Rosenbach nicht als singender Comedian und obwohl seine Ansagen durchaus launigen Charakters sind, sind es seine Songs eben nicht - die somit durch die angesprochene Ernsthaftigkeit auch wenig von der Belanglosigkeit des allgemeinen Deutschpop haben.
Das mit der Ernsthaftigkeit sieht Lesley Kernochan ein wenig anders. Nicht unbedingt auf die Qualität ihres Songmaterials oder die technischen Fähigkeiten als Musikerin bezogen, sondern vielmehr in Bezug auf die überbordend lebenslustige Art, in der sie ihre Songs darbietet. Da bleibt wirklich kein Auge trocken. Weder, wenn die Dame aus Colorado, die jetzt in Santa Monica bei L.A. lebt und arbeitet mit ihren Bandmates witzelt, noch, wenn sie auf - durchaus passablem und verständlichen Deutsch - die kulturellen Unterschiede von Land, Leuten und Musik herausarbeitet und schon gar nicht angesichts der Art, in der Lesley hyperaktiv ihr eigenes Material verbiegt und jede Gelegenheit ausnutzt, durch quieken, schreien, grölen und vor allen Dingen die vokale Emulation aller möglichen Instrumente wie Saxophon, Gitarre und Beat Box Leben in die Bude zu bringen. Teilweise hatte das auch einen technischen Hintergrund, denn nach einigen Tracks, bei denen Lesley ziemlich ungezogen hinter ihrem Keyboard herumgezappelt hatte, fiel dieses zunächst mal aus und war auch durch gutes Zureden und Umstöpseln nicht zum Weitermachen zu bewegen. Kurzerhand legte Lesley einen DJ-Break ein und scratchte - alleine mit dem Mund - den auf dem Keyboard begonnenen Song zu Ende.
Das Programm des Abends war vergleichsweise überraschend sortiert und angeordnet. Denn obwohl es sich offiziell um die Tour für Lesleys vor kurzem erschienenen neuen Album "A Calm Sun" - immerhin einem fast lupenreinen Country-Album - ging, machte die Gute zunächst mal deutlich, dass sie eben nicht aus der Americana-Ecke kommt, sondern überraschte mit einer ganzen Menge älterer Nummern ihrer independent aufgelegten Alben wie "The Pickle Jar". Und hier zeigten Lesley & Co. dann eine andere Seite, denn die Songs mit so malerischen Titeln wie "Uh-Oh", "Ouch" oder "Yes" kommen mit einem eher jazzigen Grundfeeling daher und räubern eher bei Blues und Soul als bei Folk und Country. Das macht aber auch Sinn, denn schließlich hat Lesley jahrelang als Jazz-Saxophonistin gearbeitet, bevor sie sich als Solo-Songwriterin einen Namen machte. Das tut sie also heute auch noch - nur halt (ganz nach dem Motto: "Instrumente sind überbewertet") ohne Saxophon. Schließlich aber - und wegen des Keyboard-Ausfalles notgedrungen - griff Lesley dann doch zur Gitarre und nun folgte tatsächlich so etwas wie eine gewisse Country-Stimmung. Vor allen Dingen aber gefiel die lockere Art, mit der die Tracks des neuen Albums - "Chocolate Tree", "Tumbleweed", "Les Petits Mondes Sont Partout" oder "Country In The City" (ein Song, der erklärt, wie Lesley ausgerechnet in New York auf die Country-Schiene geraten ist) im Trio-Setting entschlackt und auf ihre melodischen Basics eingedampft wurden. Eine hippiemäßige Coverversion des Harry Nilsson-Tracks "Echoes Of My Mind" rundete das Programm dann noch ab.

Lesley führte auch aus, wie ihre Songs zuweilen entstehen: Beim Meditieren nämlich. Wenn man den ganzen Tag meditiere - so sagte sie - und dem kleinen Affen zugehöre, der in ihrem Kopf säße, dann ginge alles irgendwie besser. Sei es drum: Als die Show sich dann dem Ende näherte, ließ es sich Lesley nicht nehmen, mit dem Publikum einen Shimmy-Tanz einzustudieren (der tatsächlich auch befolgt wurde) und die letzte Zugabe - wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit - unplugged im Auditorium zu performen. Kein Zweifel: Das war kein Konzert von der Stange, sondern eines, an das man sich als Zuhörer gerne noch längere Zeit mit einem Schmunzeln erinnern wird. Dass man ein klein wenig verrückt sein muss, um so etwas glaubwürdig durchziehen zu können, darf dabei durchaus als Lob für Lesley Kernochan aufgefasst werden.



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www.lesleykernochan.com
www.facebook.com/pages/Lesley-Kernochan/58308972882
www.facebook.com/kayrosenbach
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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