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Chris Brokaw

Venlo, Sounds
18.02.2017

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Chris Brokaw
Chris Brokaw ist ein Musiker, der viele Rollen ausfüllen kann. Einst war er Schlagzeuger bei den Slowcore-Pionieren Codeine, dann Sänger und Gitarrist bei den Blues-getränkten Indierockern Come, er machte Solo-Platten in allen erdenklichen Schattierungen, widmete sich im Duo mit Geoff Farina dem Blues der Vorkriegszeit, ist in Chicago mit The New Year aktiv und in seiner langjährigen Heimat Boston mit den Martha's Vineyard Ferries und spielt daneben mit so unterschiedlichen Künstlern wie Evan Dando, Thurston Moore, Steve Wynn oder der Willard Grant Conspiracy. Jetzt sitzt der 51-jährige Amerikaner mit einer Akustikgitarre in den Händen auf der kleinen Showbühne des Plattenladens Sounds in Venlo und lässt die jüngste Vergangenheit Revue passieren. Das schlichte Ambiente passt dabei ausgezeichnet zu seinen an diesem kalten Samstagnachmittag auf das Nötigste reduzierten Liedern.
Das vergangene Jahr war kein einfaches für den (noch) in Seattle lebenden Tausendsassa. Private Probleme, die vielen Todesnachrichten aus der Musikwelt und dann noch die Wahl eines ungeliebten US-Präsidenten - Brokaw hat derzeit viel zu verarbeiten, und er tut es, wie könnte es anders sein, mit seiner Musik. "Hallo, mein Name ist Chris Brokaw, danke, dass ihr bei Sounds einkauft", begrüßt er augenzwinkernd das Publikum, doch musikalisch geht es dann spürbar ernster weiter. Er eröffnet das Konzert mit drei Instrumentalnummern, bei denen er gleich seinen betont eigenen Stil unter Beweis stellen kann, denn auch wenn die Stücke all die Markenzeichen tragen, die seine wortlosen Lieder der Vergangenheit ausgezeichnet haben, offenbaren sie sich doch langsam, ja fast zaghaft, als Coverversionen. Sie stammen von Brokaws kommendem Album "The Hand That Wrote The Letter", auf dem er den verstorbenen Helden Prince und David Bowie Tribut zollt. In Venlo schließen sich deshalb "The Man Who Sold The World" und "Letter To Hermione" an "I Would Die 4 U" an.

Bei den sanften Instrumental-Covers, bei denen sich die Melodien der großen Songwriter fast beiläufig herausschälen, bleibt es natürlich nicht. Das ein wenig an "Danny Borracho" aus Brokaws letztem Vokal-Album "Gambler's Ecstasy" erinnernde "BF James" kommt selbst in der Unplugged-Version mit punkiger Wucht daher und erzählt in weniger als einer Minute die Geschichte eines New Yorker Delinquenten, während "Chalk It Up" ein Uptempo-Song zwischen Folk und New Wave ist, in dem Brokaw mit passend rauer Stimme seine privaten Schwierigkeiten der letzten Monate thematisiert. Mit der Martha's Vineyard Ferries-Nummer "She's A Fucking Angel" und dem bereits von Evan Dando gecoverten "My Idea" sind auch zwei seiner eingängigsten Popsongs im Programm, bevor er sich nach einem betont langsam gespielten und dadurch besonders intensiven "Blues For The Moon" mit "Yours/Mine" so verabschiedet, wie er begonnen hat: Sanft, leise, ja, fast zerbrechlich.

Die Stromgitarre, mit der Brokaw bei anderen Konzerten auch noch seine biestige Seite präsentiert und das Publikum bisweilen durchaus gefordert hat, bleibt in Venlo im Koffer, trotzdem ist es ihm in gerade einmal 45 Minuten gelungen, einmal mehr spielend unter Beweis zu stellen, welch ein universeller, formvollendeter Musiker er ist.

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Surfempfehlung:
www.chrisbrokaw.com
jellyfant.jimdo.com/artist/chris-brokaw
chrisbrokaw.bandcamp.com
en.wikipedia.org/wiki/Chris_Brokaw
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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