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Konzert-Bericht
 
Das innere Biest

Sarah Ferri

Köln, Studio 672
18.02.2017

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Sarah Ferri
Eigentlich ist Sarah Ferri ja eine typische belgische Musikerin. Und zwar in dem Sinne, dass sie - mangels eines klassischen belgischen Musikstiles - so lange allerlei verschiedene, zum Teil auch gegensätzliche bzw. nicht miteinander vereinbare Elemente miteinander verquickt, bis am Ende doch eine recht eigene Note dabei herauskommt. Das machen viele belgische Acts - mit zum Teil recht erstaunlichen Ergebnissen. Das Interessante im Falle Ferri ist nun, wie sie das anstellt: Mit zwei extrem unterschiedlichen LPs nämlich. Die erste, "Ferritales", ist ein Konglomerat aus klassischem Swing, ein wenig Samba, Ragtime, Kook Pop und Vaudeville-Elementen, das Sarah im Vergleich betont Dur-lastig präsentiert. Ganz anders die zweite LP "Displeasure". Hier gibt es eine Art monumentaler, dramatischer aber auch eleganter Darkwave-Popmusik mit orchestralen Ambitionen, die viele dazu hinreißen lässt, die Sache mit Film-Soundtracks zu vergleichen, die vor allen Dingen aber äußerst Moll-lastig dargeboten wird.
Die spannende Frage war nun, wie Sarah diese Sachen im Live-Kontext zusammenführen würde. Kurze Antwort: Gar nicht. Das Programm bestand zum überwiegenden Teil aus den Songs von "Displeasure", die erst nach der Hälfte der Spielzeit sporadisch - und zum Ende hin häufiger - mit den Songs von "Ferritales" aufgeheitert wurden, bis dann im Zugabenblock Tracks wie "On My Own" das Publikum auch zum Mitmachen anregten. Um Stile freilich, geht es bei einem Sarah Ferri-Konzert auch weniger. Betrüblich dürften dieses allerdings nur jene distinguierten älteren Herrschaften gefunden haben, die wohl in der Erwartung eines Jazz-Konzertes ins Studio 672 verirrt hatten (Sarahs Tonträger erscheinen auf einem Label namens Jazzhaus-Records), denn Jazz - selbst in der Form der angesprochenen Swing-Elemente - spielte tatsächlich nur eine untergeordnete, homöopathische Rolle. Stattdessen überraschte die extrem tighte dreiköpfige Band dann mit einem zum Teil überraschend druckvollen Sound bei dem es Gitarrist Jo Mathieu sogar gelang, mit einer Höfner-Jazzgitarre und jeder Menge Effekten eine echte Rockstar-Stimmung zu verbreiten.
In einigen von Sarahs Songs (wie z.B. in dem Stück "She's On Fire") geht es um das "innere Biest". Das ist wohl jene Art von animalischer Urkraft aus dem Stammhirn, die sich - gerne unter Zuhilfenahme des Mondlichtes, das in Sarahs Songs ebenfalls eine tragende Rolle spielt - Bahn zu brechen sucht. Im übertragenen Sinne und in Bezug auf ihre Performance könnte behauptet werden, dass Sarah dieser Kraft im Live-Kontext freien Lauf lässt, denn Sarah entpuppt sich auf der Bühne als - zwar meist hinter dem Piano sitzende - Rampensau, die ihr Material tatsächlich mit einer gewissen Begeisterung, Inbrunst und Dramatik zu präsentieren versteht. Dabei scheinen denn auch Sarahs Wurzeln eine gewisse Rolle zu spielen - denn die Dame aus Gent hat schließlich auch einen italienischen Vater und kann ihre mit belgischer Nachdenklichkeit gepaarte mediterrane Lebenslust auf der Bühne effektiv einsetzen; was dann auch wieder zu dem o.a. Stilmix passt. Sarah ist auch ohne weiteres bereit, auszuführen, worum es in ihren Stücken eigentlich geht. Dass das neue Album "Displeasure" dabei so düster ausgefallen ist, liegt an den zum Teil apokalyptischen Themen, die Sarah verarbeitet. In "When Giants Play Poker" geht es um Götter, die um unser Schicksal Karten spielen, in "God Gave Us A Rainbow" muss der Allmächtige selbst eingreifen, um uns ein wenig Hoffnung zu vermitteln und der Titeltrack selbst ist ja nun wirklich selbsterklärend. Beabsichtigt sei das alles so nicht gewesen, aber diese Grundstimmung passe ja nun hervorragend zur allgemeinen politischen Weltlage, erklärte Sarah.

Das soll am Ende übrigens keineswegs heißen, dass das Konzert selbst nun düster, dräuend oder gar depressiv geraten wäre. Stattdessen vermittelte der Auftritt von Sarah und Band einen Eindruck kontrollierter Power und (im Falle der Protagonistin) auch kanalisierter Lebensfreude. Musikalisch waren die Arrangements für das eingeschränkte Live-Format (Sarah erzählte, dass sie die Live-Streicher und Backing-Sänger zu Hause habe lassen müssen) umformatiert worden, wobei Sarah und ihren Musikern insbesondere die Emulation der grandiosen Chor-Partituren auf "Displeasure" recht gut gelang. Einige Orchester-Passagen und Sound-Effekte wurden eingespielt - den Rest leisteten Sarah am Klavier und die Band dann schon alleine. Zum Schluss des Konzertes stand Sarah dann für den autobiographischen Song "Where Home Was" und die folgenden Zugaben dann auch endlich auf, so dass auch die Leute im hinteren Teil des engen Clubs sie ein mal sehen konnten - was übrigens nicht unattraktiv aussah, denn denn Sarah nutzte ihr Glamrock-Goldlamé-Outfit effektvoll für diverse expressive Gesten. Was am Ende blieb, war ein furioses, kompaktes Konzerterlebnis mit einem erstaunlichen Konzept und einer gutgelaunten Protagonistin, die sich ehrlich an ihrem eigenen Tun zu erfreuen schien. Was will man mehr?

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Surfempfehlung:
www.sarahferri.be
www.facebook.com/sarahferrimusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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