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Konzert-Bericht
 
Schöne Narben

Maria Taylor
Louis Schefano

Köln, artheater
19.02.2017

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Maria Taylor
Eine Auszeit von über drei Jahren hatte sich die zur Zeit hauptamtliche Mama Maria Taylor genommen, bevor sie nun mit ihrem aktuellen Album "In The Next Life" auch wieder auf unseren Bühnen aufschlug. Freilich war alles, was aus dem Hause Taylor kam, immer schon ein Familienunternehmen - und das hat sich mit der neuen Generation nun lediglich noch verstärkt. Das galt auch für den Auftritt im artheater. Während ihr Gatte Ryan Dwyer sich im Backstagebereich um die Kids kümmerte, spielte z.B. ihr Bruder Macy wieder in ihrer Band. "Er ist nämlich der beste Bassist der Welt", verkündete Maria stolz, "und er hat auch fast alle Instrumente auf 'In The Next Life' gespielt". Und dann war da noch Drummer Louis Schefano, der - zusammen mit Ryan Dwyer - auch als Support den Abend eröffnete.
"Fun fact", erklärte Maria vor der Show, "Louis ist mein ehemaliger Highschool-Boyfriend." Inzwischen scheint man sich zumindest insofern arrangiert zu haben, als dass Louis und Ryan versöhnlich auf der Bühne nebeneinander stehen. Nicht unbedingt, um in derselben Tonlage zu spielen - aber immerhin. Irgendwie schafften es Louis und Ryan jedenfalls nicht, musikalisch zu einer gemeinsamen Marschrichtung zu finden, so dass das Material, das Louis auf der akustischen und Ryan auf der elektrischen Gitarre präsentierten, immer ein wenig unegal und auch ungelenk rüber kam. Schefano, der rein optisch als Bruder von Ryan Adams durchgehen könnte, sang dazu mit einer eher unsicheren Stimme in Tonlagen, die zum Beispiel Matthew Caws von Nada Surf favorisiert. Leider ist sein Songmaterial nicht so stark, wie jenes des erwähnten Kollegen - und auch nicht wie jenes von Conor Oberst, den er stilistisch wohl anzustreben scheint, so dass die Sache am Ende eher suboptimal verlief. Zumal zum Schluss auch noch technische Schwierigkeiten hinzu kamen. Dennoch erwägt Maria, das nächste Album des Kollegen auf ihrem eigenen, nach dem entsprechenden Song benannten, neu gegründeten Label "Flower Moon Records" herauszubringen.
Auf dem aktuellen Album Marias "In The Next Life" geht es nicht wirklich um das Leben nach dem Tod (denn sie ist sich nicht sicher, ob sie an so etwas glauben soll), sondern eher um das Konzept, das eigene Leben aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und so das Ganze quasi sozusagen kapitelweise vielleicht sogar neu zu bewerten. Das bedeutet unter dem Strich, dass dieses Marias bislang vielleicht persönlichstes Album geworden ist, was dann wiederum dazu führte, dass die Songs, die sie alleine mit ihrer Gitarre vortrug, vielleicht sogar noch emotionaler und intensiver rüberkamen, als das sonst schon der Fall gewesen wäre. Das galt auch für den zum Abschluss gegebenen, autobiographischen Titel "Pretty Scars", Marias bislang wohl intimstes Stück, in dem sie erstmals konkret auf den Tod ihres damaligen Freundes eingeht - und in dem sie sich in Köln gleich mehrfach lyrisch und instrumental verzettelte, weil sie sich da offensichtlich sehr reinsteigerte. Das machte aber rein gar nix, denn so war so ja deutlich zu spüren, dass Maria ihre Songs keineswegs egal sind.

Wenn Maria dann nicht alleine ihre Gitarre streichelte (was sie kann wie kaum eine zweite), zeigte sich die Band dieses Mal von einer angenehmen musikalischen Ausgelassenheit und Spielfreude. Das galt dann für alte Gassenhauer wie den - mit Macy vorgetragenen - "Song Beneath The Song", wie auch für neue Tracks wie zum Beispiel den "Free Song". Dieser von Nik Freitas geschriebene Titel (der übrigens aus einem nicht verwendeten Werbe-Jingle entstanden ist) entwickelte sich zu einem echten Live-Highlight - einfach deswegen, weil dieser im Kern simple Pop-Song spielfreudig zu einer echten Live-Nummer ausgewalzt wurde, an der alle ihren Spaß hatte - wie zum Beispiel auch Maria selbst, die gleich mehrere Soli beisteuerte. Diese überließ Maria freilich ansonsten auch gerne Gitarrist Marko Kurtović, der - anders als Ryan Dwyer - sehr exakt, virtuos und effektiv das Sounddesign aus dem Hintergrund steuerte. Ryan Dwyer kam indes auch noch mal zum Einsatz, als er für einige Stücke - darunter das Duett "Happenstace" - noch mal auf die Bühne kam und hier dann - anders als zuvor - fast erleichtert sofort in den Band-Groove fand. Auch den aktuellen Top-Titel des Albums, das auf der CD mit Conor Oberst präsentierte "If Only" (dem auch das Konzept des "Next Life" zu verdanken ist) fand den Weg auf die (übrigens nicht existierende) Setlist. Die Überraschung des Abends war aber vielleicht die psychedelisch rockende Version von "Just Once", bei der Maria gar ihre heimlichen Hardrock-Vorlieben auszuleben schien. (Dafür gibt's auf der CD-Version dann halt Streicher-Arrangements.) Insgesamt präsentierte sich Maria Taylor an diesem Abend eigentlich sehr viel lockerer und nahbarer, als das bislang zuweilen der Fall gewesen war. Eines steht fest: Das Familienleben auf und jenseits der Bühne ist ihr gut bekommen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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