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Konzert-Bericht
 
Skinny Tiger Soul

Izzy Bizu
Dom McAllister

Köln, Clubbahnhof Ehrenfeld
20.02.2017

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Izzy Bizu
Als Isobel Bradshaw alias Izzy Bizu sich auf dem Haldern Pop Festival erstmals dem deutschen Konzertpublikum mit einer eigenen Show präsentierte, nachdem sie zuvor schon mit Sam Smith unterwegs gewesen war, fiel ihre Band durch den wohl kürzesten Soundcheck in der Geschichte des Festivals (der nach dem Motto: "Spielt mal gerade was" ablief) besonders auf. Auf dem Reeperbahn Festival spielte sie - neben ihrem eigentlichen Club-Gig - noch eine spontane Akustik-Session, auf der sich - die gleiche Band - dann als wandlungsfähige Akustik-Jazz-Combo präsentierte. Fazit: Die können also was. Insofern stand einem gelungenen Konzertabend auf Izzys erster Headliner-Tour in Deutschland also kaum etwas im Wege - außer vielleicht des Umstandes, dass man sich als Zuschauer relativ lange gedulden musste, bis die Protagonistin die Bühne bestieg.
Zunächst mal gab es Club-kompatible Unterhaltung in Form eines Live-DJ, der sich große Mühe gab, möglichst viele verschiedene R'n'B-Tracks möglichst elegant in einem endlosen Flow aneinander anzugleichen. Das gelang dem Herrn ganz gut - denn das Publikum ging tatsächlich auf seine diesbezüglichen Animationsversuche ein. Izzy hatte derweil zur Begrüßung der Fans in der ersten Reihe personalisierte Polaroids am Bühnenrand aufhängen lassen, die ihren Tour-Alltag dokumentierten. Nach ungefähr einer halben Stunde folgte dann der eigentliche Support Act, Dom McAllister - ein junger Londoner mit asiatischen Wurzeln, der auf dieser Tour seine ersten musikalischen Gehversuche in Form seiner Single "Waiting" und diverser Tracks einer noch namenlosen EP, die er demnächst herauszubringen gedenkt, vorführte. McAllister bewegt sich in einem gepflegten R'n'B-Setting, das sich größtenteils auf einer elektronischen Ebene abspielt, wobei er jedoch auch gelegentlich zur akustischen Gitarre greift. Wie dem auch sei: Das ist ein Setting, in dem es nicht so sehr um erkennbare Songs, sondern um satte Grooves und vor allen Dingen exaltierten Gesang geht. Dass letzterer ohne ordentlichen Song ins leere läuft, liegt dabei auf der Hand. Weswegen McAllisters Bemühungen das im Prinzip dann auch taten. Jedenfalls auf musikalischer Ebene: Wohl aufgrund seines Aussehens kam der Mann beim großteils jugendlich/weiblichen Publikum gut an.
Izzy und ihrer Band konnte man einen solchen Vorwurf bezüglich des Gesangs dann natürlich nicht mehr machen. Zum einen, weil Izzy von exaltiertem Gesang so rein gar nichts zu halten scheint und ganz ohne die in dem angestrebten, poppigen Soul-Setting ansonsten (gerade auch bei amerikanischen Kolleg(inn)en so beliebte) Vokalakrobatik mit vielen Ooh und Ahhs auskommt. Und dann natürlich auch, weil sich Izzy stilistisch überhaupt nicht festlegen möchte. Sicher: Sie mag Soul - aber auch hier keinen US-amerikanisch geprägten, sondern eher jene Sorte, die in den 70s als Northern Soul in England für Furore sorgte. Aber außer dem Soul ist so ziemlich alles möglich, das sich in irgend einer Form in ansehnliche Pop-Songs verpacken lässt. Und dann ist da noch der Jazz. Denn auch bei dem eigentlich voll orchestrierten Pop-Set nahm sie sich Zeit, Stücke wie den "Confession Song" oder den EP-Titel "Floating Lamps" in sparsamen, akustischen Solo-Nummern zu verpacken. Auf der anderen Seite der Skala standen dann Momente, in denen die Band zeigte, was sie drauf hatte - und dabei zuweilen sogar in so etwas wie Rock'n'Roll-Gefilde abdrehte - jedenfalls was die Power der Performance betraf. So begann zum Beispiel "Give Me Love" mit einem Drumroll, der manchen Rock'n'Roller alt aussehen hätte lassen. Auch andere Up-Tempo Nummern wie etwa "Talking To You" kamen mit einem unerhörten Drive daher - wenn auch auf eine ganz andere Art. Und dann gab es da ja auch noch die souligen Songs, die Izzy besonders am Herzen liegen - "Diamond In The Rough", "White Tiger" oder "Skinny" - da wurde nichts ausgelassen. (Es hat halt seine Vorteile, wenn die Debüt-CD gleich 18 Tracks enthält.) Die Songs wurden dabei - wie oben ausgeführt - durchaus in echten Live-Versionen dargeboten - aber nicht etwa, indem sie aufgebohrt wurden, sondern indem sie mit den dem Setting angepassten Arrangements knackig und tight auf den Punkt gebracht wurden. In dem Punkt ist Izzy eine konsequente Pop-Künstlerin. Ein kleines Problem gab es dabei: Die Band war ohne eigenen Bassisten unterwegs. Izzys Gitarrist (und ehemaliger Boyfriend) Mika Barroux war zwar durchaus in der Lage, sowohl die Gitarre wie auch den Bass virtuos und stets passend zum jeweiligen Setting zu bedienen. Wenn er aber seiner Hautaufgabe als Gitarrist nachging, kamen die Bass-Sounds von einem Keyboard, das im Verhältnis zu den anderen Instrumenten dann einfach zu laut war. Das war aber sicher etwas, das nur Fachidioten wahrnahmen...

Abgerundet wurde das Programm durch einige Nicht-LP-Titel wie "Confession Song", "Floating Lamp" und insbesondere "Open To You" - ein Track von dem es nicht mal eine Studioversion gibt, der Izzy aber besonders am Herzen liege, wie sie sagte. Die Performance beschränkte sich dabei auf die notwendigen Essentials - ein paar Hüftschwünge, ein paar Dance-Moves und ein paar ausholende Gesten - das war es dann auch schon. Theatralisches Posen liegt Izzy also nicht besonders - und das ist eigentlich auch ganz gut so. Die Idee freilich, sich zu den akustischen Tracks im Zugabenblock auf den Boden zu setzen, war dann vielleicht nicht so gut, denn dadurch war die Protagonistin am Ende gar nicht mehr zu sehen (außer für die Fans in der ersten Reihe). Besonders gut zu sehen war übrigens sowieso kaum etwas, denn die Präsentation der Show erfolgte nach dem Ehrenfelder Beleuchtungs-Dogma - das zu besagen scheint, dass alle Clubs im Stadtteil Ehrenfeld mit viel Kunstnebel und wenig Licht die Künstler im Zwielicht zu halten haben. Mal ehrlich, Leute: Wo ist denn der Sinn darin, dass man als Zuschauer bei Live-Konzerten die Künstler nur mit Nachtsichtgeräten eindeutig identifizieren könnte? Die Musik wird doch nicht dadurch besser, dass man nicht sehen kann, wer sie spielt. Das - und die bauartbedingte Schlauchform des Clubs - sorgte dann zudem dafür, dass sich bei dem eigentlich adäquat lauten Konzert trotzdem ein unangenehm lauter Plapperfaktor im hinteren Teil des Clubs störend bemerkbar machte. An der Attraktivität des Dargebotenen nagte das natürlich nicht, aber es beeinträchtigte doch das eigentliche Konzerterlebnis ganz gehörig.

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Surfempfehlung:
www.izzybizu.com
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www.facebook.com/dommcallistermusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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