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Konzert-Bericht
 
Liquid Blues

Roland van Campenhout

Köln, Theater Der Keller
21.03.2017

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Roland van Campenhout
Die alten Blueser sind ja mittlerweile so gut wie alle weggestorben. Noch bestens dabei ist allerdings der Belgier Roland van Campenhout, der als Vertreter der Nachgeborenen-Generation fast noch als Jungspund gelten muss - auch wenn er berechtigterweise gerne Witze über sein fortgeschrittenes Lebensalter macht, wie etwa: "Nils de Caster (sein langjähriger, multiinstrumentaler Begleiter, der ihn natürlich auch auf seinem Kölner Konzert zur Seite stand) und ich kennen uns schon seit vielen Jahrhunderten" oder indem er seinen Kölner Gaststar vorstellte: "Das ist mein junger Freund Richard Bargel. Das ist sogar mein Neil Young Friend Richard Bargel." Amy Antin, die den Abend moderierte und selbst im zweiten Teil der Show einen neuen Titel namens "Healed" beisteuerte, blieb von dieser Problematik natürlich unberührt - denn zum einen ist sie als Dame natürlich zeitlos jung und zum anderen ist sie keine Blues-Musikerin. Wohl aber ist die nach wie vor in Köln beheimatete Amerikanerin eine genau beobachtende Musik-Kennerin, der es immer wieder gelingt, im Banalen poetische Nuancen zu entdecken. Zum Beispiel die, dass der Blues als solches kein enges Genre sei, sondern ein Füllhorn an Möglichkeiten biete, von denen sich Roland an diesem Abend zum Beispiel das Thema "More Songs 'bout the Sea" ausgesucht hatte.
Sie ließ sich dann auch dazu hinreißen, Roland, Nils de Caster und Richard Bargel als Juwelen in der See des Blues zu beschreiben, die es zu entdecken gäbe. Roland brachte die Sache dann aber ganz pragmatisch wieder auf das angedachte Thema zurück. In dem von ihm an diesem Abend ausgewählten Themenkomplex tummelten sich in der Tat flirtende Meerjungfrauen, Aale, Gewitterwolken und hohe Wellen, Nordlichter, Leichtmatrosen, Kapitäne, Katzenwelse und Thunfische (wenngleich nur als Wortspiel, wenn es um das Stimmen der Gitarren ging (tune fish - wink, wink)). Auf die ansonsten in der von ihm gewählten Sub-Nische des Blues oft anzutreffenden weltmusikalischen Eskapaden verzichtete er an diesem Abend weitestgehend - sah man mal von ein paar unwirklichen Gitarreneffekten, wie zum Beispiel einer Sitar-Emulation bei dem Track "Northern Star" ab. Dafür sorgte Nils de Caster mit seinen Beiträgen an der Fidel oder der Mandoline eher für ein folkiges Blues-Flair. Nils sang auch einige der Songs - wie zum Beispiel jenen über den bereits angesprochenen "Catfish" (der allerdings tatsächlich ein Ballspieler ist) oder - im zweiten Teil der Show, bei dem sich die Meeres-Referenzen wegen der Landratte Richard Bargel in Grenzen hielten - den Wüsten-Blues "San Diego".
Im ersten Teil des Sets dominierte indes das Wasser - in jeglicher Form: Sogar den alten Gassenhauer "Wade In The Water" grub der alte Blues-Pirat Roland de Campenhout (der auch optisch in dieser Richtung tendierte) aus seinem Repertoire hervor. Wie gesagt, ging es im zweiten Teil der Show dann bodenständiger zu. Es stellte sich hier allerdings ein Problem, das im Vorfeld gar nicht so recht deutlich wurde: Richard Bargel ist nämlich ungefähr drei Mal so groß wie seine Kollegen. Da war es dann gut, dass alle saßen - denn ansonsten hätte das fast komisch ausgesehen. Richard brachte mit seinen Beiträgen richtig Schwung in die Sache und so wurde ordentlich drauflos gejammt. Wie angedeutet, hat es Richard nicht so mit dem Wasser und somit Mühe, passendes Material zu finden. Immerhin spielte er den Song Harry Belafonte-Song "Venezuela", den Roland und Nils im ersten Teil bereits in einer anderen Version gespielt hatten - weil dieser eben (wegen seiner Seemann-Thematik) auch Assoziationen zum Wasser im weitesten Sinne zuließ. Roland blieb dem Ozean-Thema bis zum Schluss treu und spielte als Zugabe "Sloop John B." - denn was man sich als Beach Boys-Fan selten klar macht: Auch das ist ein Seefahrer-Song. Richard rundete das Ganze dann noch mit Leadbellys "Goodnight Irene" ab - immer ein guter Song, um eine Show wie diese zu beenden. Fazit: Insbesondere für Blues-Gourmets war dieser Abend eine durchaus unterhaltsame Angelegenheit mit einem in dieser Sparte eher ungewöhnlichen Ausrichtung. Schade nur, dass Richard und Roland ihren Gassenhauer "Two Old Mules" nicht erneut zum Vortrag brachten...

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Surfempfehlung:
www.rolandvancampenhout.be
www.facebook.com/Roland-Van-Campenhout-159921587501898/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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