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Konzert-Bericht
 
Fehlfarben

Findlay
Rikas

Köln, Studio 672
31.03.2017

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Findlay
Schon klar: Fehlfarben sind eigentlich eine Zigarrensorte zweiter Wahl oder eine deutschsprachige Rockband aus den seligen 80en. Was aber mit diesem Titel hier gemeint ist, ist das vollkommen falsche Farbdesign, das beim Headliner-Debüt von Natalie Findlay und Band im Kölner Studio 672 im Zentrum der Betrachtungen stand. Denn während sich der Support-Act - die Band Rikas aus Stuttgart - sich zuvor noch beleuchtungstechnisch einem wechselvollen Farbspiel ausgesetzt sah, wurde beim Konzert von Findlay dann gnadenlos auf rote Puffbeleuchtung umgeschaltet - und das passte dann irgendwie gar nicht, denn anstelle einer lasziven Schummerlicht-Veranstaltung gab es im Folgenden eine zwar nicht distanzierte, aber ziemlich coole Rock-Show zu bewundern, der ein Lichtdesign aus Blau und Weiß wesentlich besser zu Gesicht gestanden hätte. Zumal das Studio bis auf den letzten Platz ausverkauft war und die Leutchen im hinteren Bereich eh schon Schwierigkeiten hatten, überhaupt etwas sehen zu können.
Aber der Reihe nach: Die Rikas aus Stuttgart sind eine jener Jungspund-Bands, die offenbar noch dabei sind, sich die musikalischen Hörner abzustoßen. Anders ist die überschwängliche Energie kaum zu erklären, mit der sich die Jungs in ihr Tun stürzen. Das ist dann fast schon ein wenig überdreht, denn musikalisch haben die Rikas kein besonders spannendes Konzept. Es gibt eine Art von Gitarrenpop, wie man sie zum Beispiel in den 80ern von dem legendären Postcard-Label gewohnt war (auf dem Edwyn Collins mit seiner Band Orange Juice für den Haussound sorgte). Das ist dann ein Mix aus New Wave-Pop, Fake-Funk und angedeuteten Disco-Grooves - die freilich mangels Song-Potential öfters einfach nur ins Leere laufen. Dafür mühen sich die Jungs dann aber auch ordentlich ab, unterhalten mit Percussion- und Keyboard-Einlagen und sorgen zumindest auf der Bühne für Begeisterung. Immerhin war das dann am Ende dann nicht langweilig. Und Natalie Findlay, die sich das Set vom Bühnenrand aus anschaute, schien es zu gefallen.
Mit ihrer CD "Forgotten Pleasures" landete die junge Dame aus Manchester insofern einen echten Überraschungshit, als dass sie sich von gängigen Trends und Moden erfreulich fern hielt und mit einem eigenständigen Mix aus Rock- und Elektronik-Elementen einen urbanen Gegenentwurf zum gefälligen Wegwerf-Pop ablieferte. Im Live-Ambiente wurde dann einfach noch mal eins draufgelegt: In einer für diese Location überraschenden Lautstärke gab es dann nämlich eine bemerkenswert konsequente Rock-Show, in der Glam-, Grunge-, und Hardrock-Elemente dominierten und die auf der EP noch deutlich vorhandenen Elektronik-Elemente lediglich zur Verzierung herangezogen wurden (und ab und an als Bass-Ersatz herhalten mussten). Findlay selbst präsentierte sich dabei als souveräne No-Nonsense-Rampensau-Performerin, die genau wusste, wo der Hase im Pfeffer zu liegen hat und das Geschehen - mal mit und mal ohne Gitarre - jederzeit im Griff hatte. Damit ist gemeint, dass sie sich mit Gesten und Effekten angenehm zurück hielt und stattdessen lieber der Musik Raum gab sich zu entwickeln. Leider bedeutete das nicht, dass es dabei dann etwa um Jam-Sessions ging, denn die komplex arrangierten Tracks waren offensichtlich vom Ablauf her vorher genauestens abgesprochen worden. Ein wenig mehr Spontaneität hätte da nicht geschadet, denn wenn die Band mal loslassen durfte - wie z.B. bei dem abschließenden "On & Off" im Verlaufe dessen Findlay schon mal von der Bühne lief, während sich die Band noch in Extase spielte, dann groovte das ganz gut.

Mit Balladen hat es Findlay nicht so - auch wenn sie scherzhaft meinte, dass man ja schon mal die Feuerzeuge rausholen könne, als etwas zurückhaltendere Nummern wie "Monomania" anstanden (weil zuvor ein einzelner Fan während "Stoned & Alone" sein Feuerzeug gezückt hatte). Obwohl die Songs im Live-Kontext durch den liberalen Gitarreneinsatz deutlich mehr Punch besaßen als bei den Studio-Versionen, ging der poppig-hymnische Faktor keineswegs verloren, denn Findlay hatte keine Mühe, sich als Sängerin gegenüber des allgemeinen Wall Of Sound durchzusetzen. Es stellte sich unweigerlich die Frage, wo die gewaltige Stimme in dem schmächtigen Findlay-Körper wohl Platz gefunden haben mochte. Das Programm bestand im wesentlich aus den Songs von "Forgotten Pleasures" und dem EP-Track "My Sister" (der dergestalt von David Bowie beeinflusst ist, dass man auch gleich "Gene Genie" hätte spielen können). Ein unspezifisches Gospel-Feeling bei einigen Songs und eine spontan als ungeplante Zugabe gegebene A-Cappella-Blues-Nummer rundeten das Set dann noch ab. Insgesamt präsentierte sich Findlay bei ihrem Live-Debüt als Headliner mit einer Konsequenz in Sachen Rock-Sound, die nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Der Erfolg gibt ihr aber dann auch definitiv recht, denn das funktionierte hervorragend.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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