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Konzert-Bericht
 
The Drama King

Einar Stray Orchestra
Therese Aune

Köln, artheater
18.04.2017

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Einar Stray Orchestra
Eine "Drama Queen" ist im englischen Sprachgebrauch eine (meist jüngere) Dame, die emotional alle Proportionen außer Acht lässt und demzufolge alles immer mit einer gewissen, übertriebenen, theatralischen Grandezza aufbläht. Im übertragenen und musikalischen Sinne gilt das gewiss auch für den Norweger Einar Stray und sein Orchester - denn auf seinem neuen Album "Dear Bigotry" (das bei der Show in Köln tatsächlich in Gänze gegeben wurde) hat er zweifelsohne seinen Shtick perfektioniert, Folk-Pop und Prog-Rock zu einer eindrucksvollen und eben ungemein dramatischen Melange zu verquicken. Das Interessante dabei ist dann, dass Einar und seine (mittlerweile blind aufeinander eingespielten) Musikanten dabei den in diesem Genre oft üblichen, bierernsten Pathos durch eine gewisse unschuldige Naivität und den daraus erwachsenen Stray-typischen Humor ersetzt haben, der sich durch die charmante Verdrehung der englischen Sprache ergibt. Songtitel wie "Somersaulting", "Politricks", "Glossolalia" oder eben der Titeltrack des neuen Albums künden davon.
Inwieweit sich eine solche Gesinnung auch bei dem Support-Act, Therese Aune, Anwednung findet, konnte alleine durch deren Vortrag an zwei elektronischen Keyboards nicht ermittelt werden. Immerhin scheint da aber doch eine Art von Verbindung zu bestehen, denn Therese war bereits zum zweiten Mal als Support des Einar Stray Orchesters als Support unterwegs. Die junge Dame aus Oslo lässt sich für gewöhnlich bei ihren Live-Auftritten auch von einem kleinen Orchester begleiten und legt Wert darauf, dass es auch auf ihren bislang erschienenen Veröffentlichungen deutlich organischer zugeht, als bei dem Support Slot ersichtlich schien. Die elektronische Umsetzung ist dabei wohl eher als Notlösung zu sehen - was es schwierig machte, die eigentlichen Songs zu goutieren. Dabei unterschied Therese zwischen alten und neuen Songs - wobei sie durchaus zu der Einsicht kam, dass für die meisten im Publikum ja wohl alles neu sei. Im Wesentlichen schrauben sich Thereses Songs dann um sirenenartige Gesangslinien in sphärische Höhen - ohne dabei allerdings die epischen Qualitäten etwa der Stücke des ESO zu erreichen. Stattdessen bleiben Thereses Tracks eher im E-Pop-Format bei ca. drei Minuten. Das macht aber Sinn, denn aufgrund des ähnlichen klanglichen Settings ihres Equipments war nur so Abwechslung zu erzeugen. Insgesamt kam Therese Aune als gutgelaunte, lockere Performerin rüber, die sich erstens über den Zuspruch des früh erschienenen Publikums und zweitens über die elaborierte Science-Fiction-Beleuchtung des artheater freute.
Diese Beleuchtung wurde dann allerdings beim Auftritt des ESO - natürlich auch in dramatischer Hinsicht - auf eine Art Schattenspiel reduziert, in dem die Protagonisten zuweilen nur schemenhaft zu sehen waren. Wenn Einar Stray zum Beispiel von der performerischen Muse übermannt wurde und seinen Platz hinter dem Piano verließ, um am Bühnenrand Ausdruck zu tanzen, war das dann gar nicht mehr zu sehen. Aber es ging ja auch eher um die Musik - und das Drama natürlich. Wie gesagt haben Einar & Co. ihr Konzept für "Dear Bigotry" meisterlich verfeinert. Denn wo früher die epischen Kompositionen Strays auch schon mal gerne im Gedaddel und ständigen Stop & Go-Gewirr versandeten, kommt man heutzutage betont dynamisch (und dramatisch) auf den Punkt. Waren früher die wenigen "Hits" wie "Pocket Full Of Holes" eher die Ausnahme, so ist "Dear Bigotry" voll von solchen - wie zum Beispiel die aktuelle Single "Penny For Your Thoughts" eindrucksvoll belegt. ESO-Songs sind heute einfach nur etwas länger als die Songs von Kollegen - aber nicht mehr unbedingt anstrengender. Einige der neuen Tracks - wie z.B. die Ode an den VW Caravelle (den alle Bandmitglieder außer Geigerin Maja Graermon Ossum bereits besessen haben) - kannte man schon von vorangegangenen Shows, in denen diese offensichtlich noch feingetunt wurden. Es wird heutzutage auch mehr auf Abwechslung geachtet. So griff Einar spätestens zu dem Song "Somersaulting" (in dem es um das Gefühl geht, dass man auf dem Höhepunkt eines Purzelbaumes hat) zur Gitarre. Dann setzte sich die Cellistin Ofelia Østrum Ossum ans Piano und sang zusammen mit Einar den Klassiker "Politricks" und zur Zugabe gab es die Quasi-A-Cappella-Nummer "Seen You Sin". Einar bemühte sich derweil, die zuweilen rätselhaften Titel seiner Songs zu erklären: So erfuhr man zum Beispiel, dass es sich bei "Glossolalia" um eine Hommage an Oslo handele - und davon, dass Oslo wie in Trance zu ihm spreche. Die Musiker zeigten sich entweder konzentriert (wie die Rhythmus-Gruppe) oder inspiriert (wie die Damen und Einar). Das mag übrigens zum Teil damit zusammenhängen, dass Maja und Ofelia barfuß bzw. in Strümpfen musizieren, weil - so Maja - man so erstens die Effektpedale bedienen könne und sich zweitens sehr viel freier beim Spiel fühle (und drittens auch nicht so schwitze). Wie dem auch sei: Mit dieser Show bewiesen Einar Stray und seine Musikanten, dass sie wohl zu den größten musikalischen Dramatikern unserer Tage zählen. Und auf eine solche Idee muss man auch erst mal kommen...

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Surfempfehlung:
www.einarstrayorchestra.com
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facebook.com/thereseaunemusikk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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