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Konzert-Bericht
 
Seid ihr alle da?

Lewis Watson
Ingo Stahl

Köln, Yuca Club
20.04.2017

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Lewis Watson
Schon dem als Support hinzugebuchten Ingo Stahl fiel auf, dass sich das (nahezu ausschließlich aus jungen Damen bestehende) Publikum im Kölner Yuca Club beim Konzert von Lewis Watson durch eine merkwürdige Mischung aus ehrfürchtiger Hingabe und frenetischem Aktivismus auszeichnete. "Das ist ja wirklich toll, dass so viele Leute hier sind und es trotzdem so ruhig ist", meinte er anerkennend. Denn in der Tat lauschte das Publikum - schon bei der Show von Ingo Stahl und erst recht beim Auftritt von Lewis Watson - während der Songs andächtig, um dann beim Applaus so richtig abzufeiern. Was dann im Folgenden auch dazu führte, dass die Leute auch bereitwillig als Chorersatz einsprangen, wenn sie dazu aufgefordert wurden.
Was den Songwriter Ingo Stahl auszeichnet, ist der Umstand, dass er einerseits nicht klingt und auch nicht klingen will, wie irgend jemand anderes - andererseits aber viele Qualitäten in sich vereint, die wesentlich bekanntere und erfolgreiche Größen seines Genres auszeichnet: Charme, Witz, Charisma, großartige Songs (die er souverän englischsprachig präsentiert) und eine souveräne Bühnenpräsenz. Obendrein lässt er sich auch stilistisch nicht festlegen und spart sich auch so Vergleichsnotwendigkeiten. Tatsächlich ist Ingo Stahl ein charakterstarker, eigenständiger Vertreter seiner Zunft, der zudem auch sympathisch bodenständig rüberkommt (so war er etwa nicht mit einem Nightliner, sondern mit einem Leihfahrrad der Kölner Verkehrsbetriebe angereist). Das war dann mal ein Support Act, den man sich auch ungefragt gerne gefallen lässt.
Lewis Watson - frisch blondiert und vollkommen zopflos - präsentierte sich im folgenden gut gelaunt und betont spielfreudig. Das passte ganz gut zum Anspruch, den er sich mit seiner soeben erschienenen zweiten LP "Midnight" selbst auferlegt hatte: Nachdem ihm der Rummel nach dem Erfolg, den er mit seinem ersten Werk "The Morning" hatte einfahren können, ein wenig zu unheimlich geworden war, setzte er (anders als viele seiner aktuellen Kollegen) beim Zweitling nicht etwa musikalisch und produktionstechnisch noch eins drauf, sondern konzentrierte sich auf das Wesentliche. Unter anderem bestand das darin, dass er die neuen Songs live im Studio zusammen mit seiner Band einspielte. Die sterile Anmutung, die sich ansonsten oft gerne bei elaborierten Hochglanzproduktionen einstellt, konnte so erst gar nicht entstehen. Ebenfalls zum neuen Konzept gehört, dass der Londoner heutzutage öfter und beherzt zur Stromgitarre greift. Das bedeutete beim Konzert im Yuca Club nicht unbedingt, dass hier dauernd gerockt wurde (wie z.B. bei "Give Me Live", dem Lieblingsstück seines Vaters) - aber es bedeutete, dass sich Watson mit "Midnight" wohl endgültig vom Folkie-Image emanzipiert.

Lewis Watson ist dabei ein Songwriter, der viel über sich nachdenkt. Ergo handeln seine Songs selten direkt von Erlebnissen, die er hatte - sondern oft von Schlüssen, die er zog, als er über diese Erlebnisse reflektierte. Das erfuhr man dann en passant zwischen den Songs, indem Watson diesen (übrigens ziemlich kreativen) Denkansatz anhand von Beispielen erläuterte. In "Outgrow" zum Beispiel verarbeitete er Kindheitserinnerungen - bzw. die Erinnerung an diese Erinnerungen, während es in "Stay" um die Erinnerung an einen Traum geht, in dem er einen Song geträumt hatte, der ihm aber nachher nicht wieder eingefallen ist. Kommen wir aber noch mal zum Thema der Story: Immer wieder fragte Lewis zwischen den Stücken: "Seid ihr noch da, Kölner?" - denn tatsächlich war es - auch bei den ruhigeren Nummern - zuweilen geradezu beängstigend ruhig während des Vortrages. Das galt allerdings nicht für die vielen heimlichen Hits von Lewis. Als es zum Beispiel "Into The Wild" gab - jenen Song, der in einem der unbekannteren Disney-Filme vorkommt, wie Lewis zu berichten wusste, wurde auch eifrig mitgesungen. Mitten im Set gab es dann auch einen Akustik-Teil, in dem Lewis noch mal den Folkie hervorkehrte (und es sogar unplugged versuchte) und dazu dann auch seine neue Keyboarderin, Julie Thorpe, auf die Bühne holte, mit der zusammen er dann Songs wie "Halo" oder "Forever" im Duett sang. Nachdem die Band im letzten Teil dann noch mal richtig aufdrehen konnte, beendete Lewis das Set mit dem düsteren "Where The Water Meets The Mountain", in dem es - nach eigener Aussage um das Ende der Welt ging und darum, dass wir alle sterben werden. Zwischen den Tracks fragte der Meister freilich noch mehrfach, ob noch alle da wären und wies auch gerne darauf hin, dass seine Tonträger auch zum Verkauf bereitstünden.

Für die Zugabe hatte er sich dann noch etwas besonderes einfallen lassen: Aus der Mitte des Auditoriums heraus sang er dann unplugged einen letzten Song, während er sich spielend um sich selbst drehte und es obendrein schaffte, das Publikum in zwei Abteilungen als Kanon-Chor zu bemühen. Am Ende überzeugte Lewis Watson so mit einer kurzweiligen, abwechslungsreichen Show, mit der er zeigte, dass man auch als romantisch aktiver Singer-Songwriter nicht notwendigerweise lamentierend im Männerschmerz versumpfen muss. Bei den Fans jedenfalls hinterließ Lewis Watson rote Bäckchen und feuchte Augen. Den Nerv seiner Fans zu treffen, fällt ihm offensichtlich also nicht besonders schwer...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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