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Zwischen Traum und Steuererklärung

Rebecca Loebe

Duisburg, Privatkonzert
22.04.2017

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Rebecca Loebe
Rebecca Loebes viertes Album "Blink", das es an diesem Abend vorzustellen galt, ist vermutlich das erste Singer-Songwriter-Album der Geschichte, das mehr oder minder direkt vom Finanzamt inspiriert wurde. "Ich musste meine Steuererklärung vorbereiten und dafür alle Belege des letzten Jahres zusammensuchen", erklärt die Songwriterin aus Georgia, die gerade in Austin lebt - sofern sie nicht auf der Straße des Erfolges unterwegs ist, um ihre Songs vorzutragen, "und da musste ich mich so drauf konzentrieren, dass die Musik und das Songwriting die einzige Möglichkeit war, mich irgendwie entspannen zu können."
Die Songs von "Blink" entstanden demzufolge in großen Teilen, während Rebecca an ihrer Steuererklärung arbeitete, um sich auf die Steuerprüfung vorzubereiten. Diese Songs - und viele mehr - präsentierte Rebecca nun auch erstmals live bei einem Privatkonzert in Duisburg. Und zwar alleine, akustisch, teilweise unplugged, im gewohnten Folk-Setting. Das Problem dabei war dann eigentlich nur, dass es sich bei Tracks wie "Down The Wire", "Smoke Signals" oder "Forever Young Forever" im Grunde genommen gar nicht um Folksongs handelt - denn: "Meine Absicht war es, mit 'Blink' ein Album für eine fünfköpfige Rockband zu machen, das man so auch auf der Bühne aufführen könnte", erklärte Rebecca nämlich im Vorfeld, "anders als bei anderen Studio-Produktionen, die ich zuvor gemacht hatte, war es mir wichtig, dass die Songs so klingen sollten, wie eine Band sie spielt. Dabei haben wir aber schon verschiedene Stile ausprobiert, weil ja nicht jeder Song gleich klingen sollte. Wichtig war es mir dabei, die Musiker entsprechend zu casten, um mit der Band die geplanten Arrangements exakt umsetzen zu können." Das ist ja schön und gut - aber das lässt sich alleine ja nicht gut emulieren. Bekamen die Zuhörer bei der Show an diesem Abend dann die Songs so zu hören, wie sie ursprünglich entstanden waren? "Das ist eine gute Frage", überlegt Rebecca, "aber ganz so ist es nicht, denn die Versionen, die ich heute spielen werde, beinhalten schon Ideen, die sich daraus ergeben haben, wie ich die Songs seit ihrer Entstehung zwischenzeitlich gespielt habe." Das heißt also: An diesem Abend gab es dann wohl quasi so etwas wie "Folk.2" zu hören.
Als Songwriterin kann Rebecca sicher auch auf ihre Erfahrung als Tontechnikerin zurückgreifen, als die sie jahrelang in einem Studio gearbeitet hat, oder? "Ich weiß nicht, ob ich als Songwriterin auf diese Erfahrungen zurückgreife, aber sie haben mir sicherlich in meiner Laufbahn geholfen und mir ermöglicht, das, was ich gerne machen möchte, auch tun zu können." Wie dem auch sei: Selbst im Solo-Setting überrascht Rebecca Loebe mit einer technischen Brillanz, bei der jeder Ton wirklich da sitzt, wo er hingehört. Da hört man dann heraus, dass sie eben ein Ohr für Klänge hat - und dass sie auch eine fundierte Gesangsausbildung am Berklee College genossen hat. Nachdem Rebecca die Hörer zunächst mal mit einigen klassischen Country-Balladen wie "Weeping Willow" ingestimmt hatte, nahm sie das Publikum im Laufe der zweiteiligen Show mit auf eine Reise durch die USA. "Die USA sind groß", erklärte sie, nachdem sie mit "Georgia" als erstes eine Hommage an ihren Heimat-Staat präsentiert hatte, "... zumindest räumlich meine ich natürlich. Das bedeutet, dass ich viel herumfahren muss, wenn ich auf Tour bin. Ich fahre im Jahr zwischen 40.000 und 50.000 Meilen." Da kann man natürlich auch einiges erleben. Wie zum Beispiel die Geschichte, die zu dem Song zu "The Chicago Kid" führte: Hier traf Rebecca einen jungen Mann, der zum ersten Mal seine Heimatstadt verlassen hatte um nach Chicago zu fliegen, um dort seine große Liebe zu heiraten - woraus sie dann diesen Song bastelte. Auf der letzten Station der musikalischen Rundreise ging es dann noch nach "California" - weil das eben groß und schön und majestätisch ist. Überhaupt erzählte Rebecca mindestens genauso viel, wie sie sang und offenbarte dabei eine besondere Art von Humor - etwa wie mit der Ansage zu dem Song "Under The Wire" (den sie übrigens, wie auch den Song "Smoke Signals" unter dem Einfluss eines Traumes geschrieben hatte, wie sie sagte): "Ich hoffe, ihr mögt den Song mehr als der Typ, für den ich ihn geschrieben habe." Wie wichtig ist eigentlich Humor für Rebecca Loebe? "Sehr wichtig", meint sie dazu, "ich mache das zwar nicht bewusst, aber ich bin mit einer Menge Humor aufgewachsen. Mein Vater ist ein rechter Klugscheißer und er hat uns stets mit viel Sarkasmus aufgezogen und uns auch immer angeregt, etwas Pfiffiges zu sagen, wenn sich die Gelegenheit ergibt." Dieser Anregung folgt Rebecca Loebe offensichtlich bis heute.

Wobei es allerdings nicht immer nur um's Schenkelklopfen geht: Der Titel des neuen Albums - und des betreffenden Tracks, den Rebecca ganz zum Schluss des zweiten Sets spielte - hat dabei zum Beispiel eine ganz besondere Bedeutung. "Ich habe viel darüber nachgedacht, was der Titel des Albums sein sollte und kam dabei immer wieder auf 'Blink' zurück." "Blink" bedeutet dabei ja zwinkern. "Ja, es geht in dem Song um eine Bar-Situation und das Ende eines Dates", verrät Rebecca, "es geht um dieses Schmetterlingsgefühl, das man aus solchen Situationen kennt und den Wunsch zu ergründen, wohin das führen mag. Das fasste für mich irgendwie das ganze Sentiment des Albums zusammen." Im Englischen gibt es die Bezeichnung "blink and you miss me" - was Rebecca in dem Song auch singt. Könnte das nicht auch eine Aufforderung sein, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, um keine Chancen zu verpassen? "Ja, genau", bestätigt Rebecca. Langer Rede kurzer Sinn: Zu allen Songs von Rebecca gibt es eine mehr oder minder ausführliche Geschichte - die sie dann bei dem Konzert auch zwischen den Stücken erzählt - und es gibt auch mehrere Ebenen, aus denen man die Songs dann betrachten kann. Was übrigens das Merkmal einer guten Songwriterin sein sollte. Und zu denen gehört Rebecca zweifelsohne. Deutlich wurde das zum Beispiel im zweiten Teil der Show, wo sie Songs aufführte, die unter besonderen Umständen entstanden waren. Da gab es zum Beispiel zwei brandneue Stücke, die Rebecca vor wenigen Tagen als Auftragsarbeit für Charaktere in einer geplanten Fernsehserie geschrieben hatte. Das Ergebnis waren zwei Stücke, die in ihrer poppigen Art durchaus aus dem Rahmen fielen und in denen sie sich in andere Charaktere hineinversetzt hatte. Da die Songs noch so neu waren, bat sie die Anwesenden, diese keinesfalls ins Web hochzuladen, da sie diese ja noch verkaufen müsse. Ein anderes Beispiel war der Song "Lake Louise", den Rebecca zusammen mit ihrem englischen Kollegen Luke Jackson geschrieben hatte - und zwar während sie diesen auf einer gemeinsamen Tour durch die USA chauffierte.

Zu den Highlights der Show gehörte dann ein auf arabisch vorgetragener libanesischer Folk-Song, den Rebecca für ein Projekt einstudiert hatte, bei dem sie als musikalische Botschafterin tätig sein soll - unter anderem, weil es zu ihren Zielen gehört, jedes Land der Erde besuchen zu wollen. Abgerundet wurde die Show durch einige bemerkenswerte Cover-Versionen. So sang sie z.B. Neil Youngs "Southern Man" (wovon es eine ausgezeichnete Bass-Version auf ihrer EP "Vittles And Valentines" gibt), den Song "Bluebonnets" ihrer bei uns unbekannten Kollegin Raina Rose aus Austin und natürlich Nirvanas "Come As You Are", was Rebecca in einer zehnminütigen Ansprache erläuterte, in dem sie die Geschichte erzählte, wie sie dieses Stück bei der ersten Staffel von "The Voice" im Fernsehen vorgetragen hatte und von Christina Aguilera und Adam Levine dafür als Kandidatin ausgesucht worden war. Mal ehrlich: Hilft so etwas eigentlich weiter? "In der Tat", bestätigt Rebecca, "denn so habe ich ein größeres Publikum erreichen können. Die Gelegenheit kam auch zu einem guten Zeitpunkt, denn ich hatte eine Website, Abonnenten und nicht zuletzt Tonträger verfügbar, so dass ich auch eine größere Gruppe von Fans verkraften konnte. Um dir nur mal eine Vorstellung zu vermitteln: Nach der Ausstrahlung der Sendung, die von 12 Millionen Leuten gesehen worden waren, hatte ich 1.000 eMails in meiner Postbox, von denen viele meine Musik hören wollten. Das führte dazu, dass ich nun auch nicht mehr alles alleine machen muss." Nun - dann scheinen Casting-Shows ja doch zu irgend etwas gut zu sein. Trotz allem ist Rebecca Loebe offensichtlich mit beiden Beinen auf dem Boden stehen geblieben. Auch in dem Sinne, welche Schlussfolgerungen sie aus der Sache gezogen hat: "Das hat mir gezeigt, was ich wirklich wollte, es hat mir gezeigt, wie es sich anfühlt, beurteilt zu werden und es hat mir dieses Gefühl vermittelt, wie glücklich ich mich doch schätzen kann, für Menschen spielen zu dürfen, die tatsächlich meine Musik hören möchten - und dafür ihre Zeit und ihr Geld opfern. Denn so habe ich das Gefühl, dass diese Menschen mit mir im selben Team sind und die Kreativität und den Geist und die Freude an der Musik und den Ausdruck mit mir teilen möchten, ohne mich deswegen beurteilen zu wollen." Sehr viel schöner hätte man den Geist dieser Show dann auch mit größerem Aufwand kaum zusammenfassen können, weswegen wir es jetzt auch mal dabei belassen wollen. Im nächsten Jahr hat Rebecca Loebe vor, auch mal mit einer Band zu uns auf Tour zu kommen - dann kann man auch überprüfen, inwieweit das zuvor angesprochene Band-Konzept für das "Blink" Album auch in größerem Rahmen funktioniert.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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