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Highway Star

Rich Hopkins And The Luminarios

Essen, Grend
13.05.2017

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Rich Hopkins
Bereits zum fünften Mal waren Rich Hopkins und seine aktuelle Luminarios-Inkarnation angetreten, das Essener Grend in einen Pit-Stop auf jenem Highway zu machen, auf dem Rich & Co. dieses Mal auch dem Namen nach unterwegs sind. Denn das neue Album des Mannes aus Tucson, der zwischenzeitlich aber nach Houston umgezogen ist (weil dort seine Partnerin Lisa Nowak ihre Basis hat), heißt nach einem gebräuchlichen Flügelwort "My Way Or The Highway" (und obendrein gibt es sogar noch einen Instrumental-Titel namens "Lost Highway"). Im Kern bedeutete das: Dieses Mal gab es dann weniger Wüstenstaub und dafür mehr erdigen Rock zu hören.
Was bei Rich Hopkins allerdings keinen großen Unterschied macht, denn musikalisch bleibt sich Rich - zumindest auf der Bühne - auch 2017 so treu, wie das seine Fans von ihm zu recht auch erwarten. Apropos Fans: "Gibt es heute jemanden, der zum ersten Mal bei einer Rich Hopkins Show ist?", fragte Rich interessehalber ins Rund, weil das Publikum ja doch zum großen Teil aus altbekannten Gesichtern bestand. Und tatsächlich zeigten da ein paar neue Fans auf - darunter sogar wenige jüngere und eine Gruppe von Belgiern, die Rich dann besonders begrüßte. Der familiäre Charakter eines Rich Hopkins-Konzertes offenbarte sich dann im Folgenden auf gewohnte Art: Anders als bei fast allen anderen Kollegen dient eine Rich Hopkins-Tour nicht unbedingt dazu, das jeweils aktuelle Produkt auf Teufel komm raus zu pushen, sondern vor allen Dingen dazu, zusammen mit den Fans eine Menge Spaß zu haben. Ergo bestand die Setlist dann auch nicht vorwiegend aus neuen Album-Tracks, sondern aus einem coolen Mix von alten und neuen - zum Teil sogar recht obskuren - Rich-Klassikern.

Zum diesjährigen Luminarios-Live-Line-Up gehörten neben Rich, Lisa und dem langjährigen Drummer Ernie Mendoza auch Bassist Michael Therieau (ein Mann mit der richtigen Attitüde, wie Rich erklärte) und Gitarrist Damon Barnaby. Letzterer stellte sich als echte Bereicherung für das Line-Up heraus, denn Rich überlässt ja schon seit einiger Zeit gerne seinen jeweiligen Gitarristen das Limelight und hält sich beim Gniedeln (jedenfalls im Vergleich zu früher) eher zurück. Und Damon, der auf der CD "nur" das Solo zu dem Monster-Jam "If You Want To Go" beisteuerte, überzeugte mit einer frischen Begeisterung jenseits aller eingefahrenen Routine, mit der er selbst an die Sache heran ging. So akzentuierte er seine Soli beispielsweise gerne mit einem Wah-Wah-Pedal oder anderen Effekten, legte genau den richtigen Mix zwischen vornehmer Zurückhaltung und expressivem Aktivismus an den Tag, überzeugte als Backing-Sänger und sorgte so dafür, dass die Gitarrenduelle eben nicht aus dem Rahmen liefen. Rich erklärte auch, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen war: Der Song "If You Want To" begann nämlich als simpler Country-Song - bis dann Damon dazu stieß und das Stück durch seinen Beitrag auf eine ganz neue Ebene hievte: Im Zweiten Teil des Stückes gerät die Nummer nämlich zu dem, was sich Rich als seine Southern-Rock-Hommage ausgemalt hatte. (Freilich mit der Einschränkung, dass Rich & Co. keinen Southern Rock können und somit die Texas-Variante dieser Spielart generierten - wobei allerdings vor allem der Gedanke zählt.) Die Highlights des Sets kamen dann von eher unerwarteter Seite: Die eher obskure Jam-Nummer "A Stone's Throw" (eine Art Menschheitsgeschichte im Rockformat) gehörte etwa dazu, dann der eigens für die Tour auf eine 45er Single eingespielte Track "Acoma Mary" - eine Hommage an eine mexikanische Skulptur-Künstlerin, die von Lisa Nowak gesungene (und geschriebene) düster rockende "Patti Smith-Hommage" namens "I Don't Want To Love You Anymore", das vom Publikum laut mitgegrölte "What Am I Supposed To Do?" und nicht zuletzt der monumental angelegte, aber bemerkenswert konzentriert auf dem Punkt gebrachte Hopkins-Klassiker "Dirt Town". Vollständig außen vor blieben hingegen die eher seltsamen, aber durchaus interessanten Experimente, die Rich auf der aktuellen CD in Sachen Talking Blues, Rap (!) oder spirituellem Hörspiel veranstaltete. Das war aber mehr als verständlich, denn das hat im Kontext eines Highway-Konzertes natürlich nichts verloren. Am Ende stand eines fest: Rich Hopkins und seine Luminarios haben den Highway fest im Griff. Und das ist gut so.

Rich Hopkins
NACHGEHAKT BEI: RICH HOPKINS

Das aktuelle Rich Hopkins-Album "My Way Or The Highway" ist ja nicht ohne Weiteres in allen Punkten selbsterklärend. Grund genug also, Rich kurz noch mal dazu zu befragen.

GL.de: Das neue Album erweckt den Eindruck, dass es einfach nur so zum Spaß eingespielt wurde - ganz ohne Botschaft, Agenda oder Kalkül - dafür aber mit jeder Menge Spaß und positiven Vibes. Nun mal Butter bei die Fisch: Was war denn der Plan bei der Sache?

Rich: Genau das - dass es es nämlich keinen Plan und keine Agenda gab. Wir hatten gar nicht geplant, das Ganze so schnell aufzunehmen, aber der Tontechniker, mit dem wir das in Austin gemacht haben - dieser verrückte schwedische Typ namens Lars Goransson -, hatte gesagt, dass er gerade Zeit hätte und uns eingeladen, etwas im Studio auszuprobieren, obwohl wir gar nicht so viel Material beisammen hatten. Aber die Stimmung war dann so gut, dass wir viel ausprobieren konnten.

Gl.de: Wie zum Beispiel Talking Blues bei "Angel Of The Cascades", Psychedelia wie bei "Lost Highway" oder Rap bei "Meant For Mo'"?

Rich: Ja, das waren schöne Überraschungen. "Meant For Mo'" sollte nämlich ursprünglich eine relaxter Pink Floyd-Hommage werden und der Rap kam dann aus dem Nichts dazu. Als nämlich unser Freund Cesare Aguirre zu uns stieß. Er hat Latin- und indianische Wurzeln und er ist sehr politisch und spirituell. Er arbeitet in der Suppenküche in Austin, in der ich arbeitete und dort traf ich ihn auch. Es war seine Idee, einen Rap auf den Song aufzusetzen, den wir dann im Nachhinein auch musikalisch in diese Richtung aufbohrten.

Gl.de: Warum gibt es eigentlich auf dem neuen Album keine politischen Tracks - Sachen wie z.B. früher "Red White & Blue"?

Rich: Mein Gefühl war, dass das Album das nicht brauchte. Es ging hier eher darum, dass Lisa und ich unser Ding machen wollten. Für uns war das mehr eine spirituelle Sache - auch wenn ich das Wort vorsichtig verwende. Wir haben versucht, die Sachen einfach von unserem Herzen aus zu schreiben und unsere Beziehung zu thematisieren. Die Politik hätte da eher gestört. Was natürlich nicht heißen soll, dass uns nicht bewusst ist, was mit uns und unserem Land passiert... Ich habe mich zum Beispiel bei der Wahl so weit wie nie aus dem Fenster gelehnt, und grün gewählt. Du siehst ja, wohin uns das gebracht hat. Stellt ihr nur sicher, dass ihr bei euren Wahlen die Faschisten niederwählt...

GL.de: Warum ist das neue Album eigentlich mit dem geflügelten Wort "My Way Or The Highway" betitelt?

Rich: Nun, wir lieben eben den Highway - weil wir ja so viel auf Tour sind und einige der Songs auch von unseren Reisen inspiriert wurden. Es ist aber auch eine Art von Witz, weil ich früher oft eine sehr starke Meinung zu bestimmten Themen hatte. Und Lisa hat dann immer gesagt, dass es da bei mir immer nur "my way or the highway" gäbe, wenn ich keine andere Meinung zulassen wollte. Inzwischen bin ich diesbezüglich aber schon ruhiger geworden. Jedenfalls ein bisschen.

GL.de: Das geht ja sogar so weit, dass die Songs zusammen mit Lisa entstanden, richtig?

Rich: Ja, genau, das macht die Sache ja auch einfacher. Lisa hat ihre Parts beigetragen - insbesondere textlich - und deswegen sind auch einige schöne Duett-Momente dabei herausgekommen. Wir haben das gerne zusammen gemacht.

GL.de: Was hat es denn mit dem Stück "Cha Kah" auf sich, das als "Maya Liebeslied" aufgelistet ist?

Rich: Oh, wir haben uns diese Maya-Ruinen im Dschungel angeschaut, die uns sehr inspiriert haben und haben in einem Hotel im Dschungel übernachtet. Dort haben wir eine Broschüre mit einem Gedicht gefunden, in dem jemand eine Liebesgeschichte zwischen Maya-Göttern und der Natur beschrieben hatte. Das fanden wir dann wunderschön und haben das als Ausgangspunkt für unsere eigene Mayanische Liebesgeschichte genommen.

Gl.de: Gibt es denn noch irgend eine musikalische Vision, die es sich zu erforschen lohnte?

Rich: Ja, das schon. Denn sind wir doch mal ehrlich - Musiker wie wir machen doch immer das selbe: Wir spielen unsere Gitarren und singen dazu. Ich war mit Lisa auf einer Tour durch amerikanische Forts, wo man die Geschichte sozusagen spüren kann - von all den Soldaten und ihren Familien, wie sie dort lebten und arbeiteten. Ich habe mir mal grob überlegt, ob man nicht irgendwie an solchen Orten die Musik des 19. Jahrhunderts wieder beleben könnte - als so eine Art archäologisches Klangexperiment - vielleicht nicht mal nur mit Musik. Ich weiß nicht, ob je etwas daraus wird oder wie ich das machen sollte, aber das ist eine Idee, die mir schon länger im Kopf herum spukt.

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