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Odyssee auf dem Mississippi

Mister And Mississippi
M. Borgard

Köln, artheater
19.05.2017

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Mister And Mississippi
Als Mister And Mississippi vor einigen Jahren ihren Streifzug auch über unsere Bühnen begannen, war zunächst mal die Freude unter den Folkpop-Freunden groß. Von vielen wurde die holländische Band als neue Hoffnung auf dem Sektor angepriesen und sogar mit Americana-Assoziationen in Verbindung gebracht. Was einfach damit zusammen hing, dass Maxine Barlag und ihre Jungs zunächst mit einer eher konventionellen Instrumentierung auf akustischer Basis herumhantierten. Der Umstand, dass dabei aber eigentlich gar keine typischen Folkpop-Songs herauskamen, schien dabei niemanden zu stören. Außer vielleicht die Band selbst, denn im Folgenden versuchten Mister And Mississippi sich graduell von den Folkie-Assoziationen zu lösen - etwa dadurch, dass die poppigen Elemente betont wurden, dass die Instrumentierung immer elektrischer wurde und auch Keyboards einen größeren Raum einnahmen oder dass die Songstrukturen - die sich seit jeher dem klassischen Strophe-Refrain-Diktat der Folksongs entzogen - noch stärker zerdehnt wurden. So richtig funktionierte das Rezept aber scheinbar nicht, denn auf der Bühne schienen sich Maxine & Co. nie so richtig wohl zu fühlen und präsentierten ihr Material zunehmend introvertierter. Schluss damit! Das dachte sich wohl die Band, gönnte sich eine Auszeit und drückte dann auf den Reset-Knopf. Das neue Album "Mirage" könnten nun nicht ein mal mehr die wagemutigsten Stil-Interpreten als Folkpop abtun, denn hier widmen sich Mister And Mississippi hingebungsvoll dem elektronisch verstärkten New Wave-Pop - wie man in den seligen 80ern auch nicht besser hinbekommen hätte. Oder lebhafter. Aber der Reihe nach...
Als Support versammelte sich nämlich zunächst der Kölner Barde M. Borgard auf der Bühne, um seine - vom lokalen Trivialleben inspirierten - Songs über Mädels, das Fahrradfahren, Mädels, sich selbst und Mädels vortrug. Das macht er ja schon seit einiger Zeit gewohnheitsgemäß auf Kölner Bühnen - und hat sich immer noch nicht entschieden, ob denn nun lieber Karnevalstünnes oder ernsthafter Songpoet sein möchte. Die Tendenz bei diesem Konzert ging dann eher in Richtung Faxenmacher - was allerdings ziemlich unterhaltsam und lustig war. Sein Ziel, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, schien der an diesem Tag besonders gut aufgelegte Herr also in gewisser Weise erreicht zu haben. Sogar den Umstand, dass er seinen über eBay angebotenen Lattenrost nicht wie geplant hatte verkaufen können, schien ihn nicht aus der Fassung zu bringen. Wie bei den anderen Auftritten von Herrn Borgard galt dabei auch: Die Songs sind soweit okay - weisen allerdings jetzt nichts auf, an das man sich musikalisch gerne zurückerinnern möchte.
Was den Auftritt von Mister And Mississippi anbetraf, so machte zunächst mal das am Bühnenrand aufgebaute Elektronik-Podest neugierig - und besonders die Stufe davor. Denn - wie gesagt - waren Mister And Mississippi bislang nicht als live-technische Unterhaltungskünstler bekannt. Thematisch kam es ganz gut zu pass, dass die Beleuchtungsanlage im Kölner artheater von vorneherein immer so aussieht, als sei ein startbereites Raumschiff in der Decke eingearbeitet. Das Ganze begann dann auch ziemlich dramatisch mit Kunstnebel, Laser-Strahlen und mit dem programmatisch hervorragend ausgesuchten Track namens "HAL 9000". Wir erinnern uns: "HAL 9000" ist der Name des bösen Supercomputers in "2001 - Odyssee im Weltraum" - und somit wurde dann deutlich, dass es an diesem Abend wohl auch eine Art Odyssee geben würde. Und zwar eine mit Science Fiction-Touch, denn zusammen mit der bereits angedeuteten Lightshow, dem futuristischen Klangsetting (ein guter Teil des Materials wurde per Pad oder Harddisk getriggert) und besonders der neuen Live-Attitüde gab es dann ein ziemlich spaciges Konzert.

Tatsächlich war auch die Performance der Band dann kaum wieder zuerkennen. Nicht nur, dass sich die Herren schnieke New-Wave-Frisuren zugelegt hatten und im Halbschatten nun geradezu roboterhaft, aber durchaus lebhaft vor sich hinwaberten: Maxine Barlag hatte sich nun endgültig entschlossen, die Pole-Position einzunehmen (während sie sich früher am liebsten im hinteren Bühnenbereich unter ihrem Hut (der nun ersatzlos gestrichen war) versteckt hatte). Und es kam noch doller, denn nachdem man sich mit neuem Material und älteren Stücken wie "Northern Sky", die man aber mittels eines entsprechenden Sound-Treatments nun auch zu neuen Stücken gemacht habe, warmgespielt hatte, wickelte Maxine das Mikrokabel ab und begab sich croonend ins Auditorium bzw. tänzelte angeregt mit ihren Musikern herum. Keine Frage: So etwas hatte es bislang noch nicht gegeben am Mississippi. Auch inhaltlich ging das mit "Repilcants", "Pulsar", "Interstellar Love" und natürlich "Mirage" weiter durchs Weltall.

Obwohl das nun - wie mehrfach gesagt - so rein gar nichts mehr mit den Anfängen der Band zu tun hatte, funktionierte die Sache recht prächtig. Es schien einfach Sinn zu machen, dass sich Mister And Mississippi hier ungemein konsequent und radikal neu aufgestellt hatten, denn zumindest der Band schien das mächtig Spaß zu machen - und das übertrug sich dann auch auf das Publikum - und hier sogar auf die, die von dieser Sache dann doch sehr überrascht zu sein schienen. Ganz zum Schluss liefen Mister And Mississippi noch mal zur Höchstform auf und präsentierten mit zwei vorgezogenen Zugaben (danach gab's nämlich Disco - und musste demzufolge gleich abgeräumt werden) "Vices" und "Virtues" zwei überraschende Party-Nummern im angedeuteten Jam-Format. Anschließend stellte sich Maxine dann auch noch den Stiften der Fans, um die CDs und LPs zu unterschreiben. Fazit: Manchmal muss man wohl einfach nur weit genug über den Tellerrand hinausschauen, um dann einen neuen Weg für sich zu entdecken.

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Surfempfehlung:
misterandmississippi.nl
www.facebook.com/MisterandMississippi
www.mborgard.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Mister And Mississippi:
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