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Zuhause in der Fremde

Basia Bulat

Bielefeld, Falkendom
31.05.2017

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Basia Bulat
"Das ist doch cool, wenn man um die halbe Welt reisen kann, an einen Ort, an dem man noch nie gewesen ist und sich dann dort sofort zu Hause fühlen kann", erklärte Basia Bulat anlässlich ihres Bielefeld-Debüts auf der nun stattfindenden, zuvor wegen Krankheit verschobenen Solo-Kurz-Tour, die sie für drei Termine nach Deutschland geführt hatte. In der Tat wurde die Songwriterin im gut gefüllten Falkendom-Club von den zum Teil aus weiter Ferne angereisten Fans begeistert gefeiert und aufgenommen.
Als weltgewandte Troubadourin war die Kanadierin im letzten Jahr ja schon ein Mal mit ihrer nach wie vor aktuellen CD "Good Advice" durch unsere Breiten getourt - ergo war klar, dass es dieses Mal um etwas anderes gehen musste, als einfach die Präsentation neuer Songs. Und in der Tat überraschte die quirlige Songwriterin dann nun auch mit einem äußerst phantasievoll angerichteten Solo-Setting mit akustischer Gitarre, Wurlitzer E-Piano, einer zehnsaitigen Ukulele und einer Art "elektronischer Kalimba" (das ist ein kleiner Hand-Synthesizer, auf dem sich harmonische Sequenzen abrufen und in Tempo und Tonhöhe variieren lassen). Dass sie dabei keinen Platz mehr für eine Autoharp gehabt hatte, die sie bekanntlich so virtuos zu handhaben weiß, wie sonst kaum jemand, war dann am Ende sogar zu verschmerzen, da Basia es mühelos schaffte, mittels der anderen Instrumente die zuletzt bemerkenswert fülligen Band-Arrangements ihres Materials auf anregende und interessante Art zu emulieren. Des Weiteren benutzte sie die Gelegenheit, einige ihrer älteren Songs wie z.B. "Snakes & Ladders" zu Gehör zu bringen - die sie auf der letzten Tour nicht gespielt hatte - das Leonard Cohen-Cover "There's No Cure For Love" einzuflechten ("Leonard ist mein liebster Songwriter aus Montreal", erklärte sie hierzu) und als Bonbon zur Zugabe einen Song auf polnisch zu intonieren. "Ich werde oft gefragt, was für ein komischer Name denn bitte Basia Bulat sei", erklärte sie dieses, "nun - das hängt damit zusammen, dass meine Mutter polnisch ist. Ich lerne jetzt gerade immer noch polnisch. Das ist ganz schön schwer - obwohl es vermutlich noch schwerer ist, Deutsch zu lernen..."
Wie dem auch sein mag: In Polen hat Basia schon öfter polnisches Material zum Besten gegeben und hat auch vor, irgendwann dort ein mal ein Album auf polnisch aufzunehmen. Was den Song im Falkendom betrifft, so ist dieses ein Stück, das übersetzt "Mein grüner Zoo" heißt und in dem es um einen Zoo-Besuch geht, der mit der philosophischen Frage endet, ob nicht vielleicht wir Menschen in einem Zoo leben und die Tiere frei sind. Aber das eigentlich faszinierende an Basias Auftritt war dann die Art, mit der sie eigenen Songs in zuweilen vollkommen neuem Licht erscheinen ließ. Insbesondere Tracks, die eigentlich von der reichhaltigen Inszenierung und dem Druck eines Band-Arrangements zu leben scheinen - etwa die Soul-Pop-Nummer "La La Lie" oder die Folk-Pop-Songs "Tall Shadow" und "Cut The Wire" oder die romantische Gospel-Ballade "Fool" kamen im verspielten E-Piano-Setting, der mit viel Hall versehenen Akustik-Gitarre oder der fast harfenartig gespielten Mega-Ukulele bemerkenswert gut weg. Vermutlich aber erlebten die Fans die Songs hier auch in ihren akustischen Urformen. Basia überzeugte dabei jedenfalls als sympathisch nervöse, aber energiegeladene Performerin, die Mühe hatte, still zu sitzen oder zu stehen und mit einer bemerkenswert kräftigen Gesangsstimme den ganzen Raum mühelos in Beschlag nahm. Andererseits ließ sich an dem Setting auch die Vielseitigkeit ihres Songmaterials erkennen, das spätestens seit ihrer vorletzten CD "Tall Shadow" eh dem ursprünglichen Folk-Setting in jeder Beziehung entwachsen zu sein schien. Dieser Auftritt untermauerte dann diese These jedenfalls eindrucksvoll. Das führte dann dazu, dass sie für eine zweite Zugabe nochmals herausgeklatscht wurde und dann - sichtlich berührt - noch ein Mal für "Long Goodbye" in die Tasten griff. Dass Basia sich trotz des wegen Nachbarschaftsbeschwerden notwendigen strikten Curfews dann nach der Show noch Zeit für die Fans nahm, war letztlich auch nicht mehr besonders überraschend.

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Surfempfehlung:
basiabulat.com
www.facebook.com/BasiaBulat
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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