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Konzert-Bericht
 
Ein gerechtes Brett

Algiers
Hope

Münster, Gleis 22
21.06.2017

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Algiers
Kompromisslos, fordernd, mitreißend - so sind Algiers in Münster. Wo andere Bands gefallen wollen, geht es den ursprünglich aus Atlanta stammenden "Hohepriestern der Sozialkritik" vor allem darum, wachzurütteln. Als gegenwärtigste aller Gegenwartbands stellen Sänger und Multiinstrumentalist Franklin James Fisher, Gitarrist Lee Tesche, Bassist Ryan Mahan und Neu-Schlagzeuger Matt Tong (zuvor bei Bloc Party) in den Texten ihres aktuellen Albums "The Underside Of Power" lieber den Solidaritätsgedanken und den Gemeinschaftssinn in den Mittelpunkt, statt nur gegen das beliebte Feindbild Donald Trump zu wettern. An einem freien Tag ihrer Stadiontournee mit Depeche Mode punkteten sie damit auch im Gleis 22.
Zunächst allerdings steht mit dem Quartett Hope ein Geheimtipp aus Berlin auf der Bühne. Mit dunkel schimmernden, betont atmosphärischen Sounds setzen die Neuköllner wie so viele derzeit beim Post-Punk an, doch auch wenn ihr Farbspektrum bei grau anzufangen und bei schwarz schon wieder zu enden scheint, sind sie anders als viele andere ähnlich inspirierte Bands derzeit aber keine typischen Shogazer. Vor allem Sängerin Christine Börsch-Supan zieht mit ihrer betont extrovertierten, bisweilen geradezu theatralischen Performance alle Blicke auf sich, und auch Gitarrist Philip Staffa wirft sich mehr als einmal mit vollem Körpereinsatz (und der dazu passenden Mimik) in die Lieder. Ergänzt um Keyboards und Schlagzeug klingen die Songs oft unmittelbar und ungeschliffen, lassen aber in den ruhigeren Momenten auch die Nuancen nicht vermissen. Bei aller Wucht, allem Brodeln ist es letztlich doch eher poppige Feingeistigkeit als straighter Rock-Alarm, der Hope auszeichnet. Fans von Savages gefällt das.
Algiers mussten beim Soundcheck am Nachmittag erst einmal die Verstärker runterdrehen. "Ihr habt noch die Stadioneinstellungen von gestern drin", erklärt ihnen der Soundmann belustigt, als sich die Musiker über die unbarmherzige Lautstärke im kleinen Gleis wundern. Dabei gehört Phongewalt ebenso zu Algiers wie unbändige Power bei der Performance und das besonders bei den neuen Songs im Mittelpunkt stehende experimentelle Gefrickel, das immer wieder für gewollt unbequeme, ja schrille Kontrapunkte im breit gefächerten Klangspektrum zwischen hypnotisch-düsterem Post-Punk und souligem Gospel sorgt. Dass einige der mit versteckten Referenzen und musikalischen Fußnoten gespickten Songs hier und da sogar etwas überfrachtet anmuten, mag man da fast als Teil des Konzeptes auslegen, denn "The Underside Of Power" ist der intelligente Soundtrack zum politischen Chaos des Hier und Jetzt, ein Spiegelbild unserer Umwelt zwischen künstlerischer Avantgarde und politischer Radikalität. Noch wichtiger als der Sound der Band ist an diesem Abend allerdings der atemberaubende Vortrag von Frontmann Franklin James Fisher, der - manchmal am Bühnenboden kauernd - singt, schreit und mahnt und seine aufwieglerischen Texte mit jeder Faser seines Körpers zu leben scheint, wenn er rund 80 Minuten lang den Widerstand predigt, bevor er bei der Zugabe solo für einen zumindest klanglich versöhnlichen Ausklang sorgt. Völlig ausgepowert, schleppt er nach der Show erst einmal einen Stuhl zum Merchtisch, bevor er sich ans Händeschütteln und Autogrammeschreiben macht. Ein gerechtes Brett.

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Surfempfehlung:
algierstheband.com
facebook.com/Algierstheband
www.thisishope.de
www.facebook.com/thishopeofficial
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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