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Fesselnd!

Kevin Morby
Hand Habits

Frankfurt, Zoom
03.07.2017

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Kevin Morby
Bob Dylan, Leonard Cohen und immer wieder The Velvet Underground - natürlich hallen in der Musik von Kevin Morby die ganz großen Lichtgestalten der 60er-Jahre nach, trotzdem klingt unter den Händen des 29-jährigen US-Indierock-Tausendsassas alles brandneu und zeitgeistig. Das gilt für seine fantastischen letzten Platten - bei "Singing Saw" vergrub er sich letztes Jahr mit ausschweifend instrumentierten Songs im Americana-Universum der 60er-Jahre, beim jüngst erschienenen Nachfolger "City Music" begibt er sich auf die Spuren des Großstadt-Vibes der 70er - genauso wie für seinen umwerfenden Auftritt in Frankfurt, bei dem der smarte Lockenkopf mit cooler Beiläufigkeit und ungezwungener Spontaneität begeisterte.
Der Abend beginnt mit einem handverlesenen Vorprogramm: Meg Duffy, die später als Morbys Leadgitarristin in bester Sterling-Morrison-Manier brilliert, bezaubert solo, nur mit Stromgitarre und leiser Stimme, mit den wunderbar zerbrechlichen Dream-Folk-Nummern aus dem "Wildly Idle (Humble Before The Void)" betitelten Debütalbum ihres Soloprojekts Hand Habits. Auf Platte wie auf der Bühne vereint sie dabei entwaffnende Intimität und hochfliegende Ambitionen, wie die Kollegen von Pitchfork bereits so treffend schrieben. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich, schließlich griffen in der Vergangenheit neben Morby auch weitere renommierte Künstler wie Weyes Blood oder gar The War On Drugs auf die Dienste der 27-jährigen Amerikanerin zurück. Überraschender ist da schon, dass sie zwischen den atmosphärisch dichten Shoegazer-Songs mit unerwartet trockenem Humor bei den Ansagen aufwartet, etwa, wenn sie von Frankfurt spricht ("Mein erstes Mal hier- so weit, so gut!") oder dem Publikum fürs andächtige Zuhören dankt: "So muss ich niemandem meinen Todesblick zuwerfen!" Ein hinreißender Auftakt!

Mit oft sagenhafter Lässigkeit und tonnenweise charismatischem Charme, dem sich niemand im Zoom entziehen kann, bezirzt danach auch Kevin Morby das Publikum. So fragt er zum Beispiel, wer ihn denn schon bei seinem letzten Gastspiel in der Metropole am Main gesehen hätte, nur um nach bestätigenden Zurufen aus dem Publikum nonchalant dranzuhängen: "Oh gut, ich war nämlich nicht sicher, ob ich schon mal hier war!" Überhaupt macht er bereits alles richtig, bevor er überhaupt die Bühne betritt. Als Intromusik läuft nämlich Nina Simones "I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free", und in Sekundenschnelle sind alle im Saal in Bewegung, schnippen im Takt mit, tanzen und haben ein dickes Lächeln im Gesicht ob dieser unfassbar mitreißenden Nummer! So und nicht anders leitet man ein grandioses Konzert ein! Mit musikalisch ganz anderen Mitteln beschwört Morby dann gemeinsam mit seinen hervorragenden Mitstreitern Cyrus Gengras am Bass, Nick Kinsey am Schlagzeug und der bereits erwähnten Gitarristin Meg Duffy mit seinen eigenen, betont abwechslungsreichen Songs einen ganz ähnlichen Vibe herauf, wenn er Dringlichkeit, Intensität und Subtilität in höchster Perfektion vereint.

So zieht er nach dem entschleunigten Jam-Start mit dem Titelstück seiner aktuellen LP mit dem wilden "1, 2, 3, 4" - natürlich! - den Hut vor den Ramones und entfacht beim gespenstisch beginnenden "Harlem River" am Ende von atemberaubenden neun Minuten einen Orkan Crazy Horse'schen-Ausmaßes, den man in der Albumversion bestenfalls erahnen kann. Beim wunderbar reduzierten "All Of My Life" dagegen rührt Morby das Publikum fast zu Tränen, mit "I Have Been To The Mountain" kommt er dem Geist von The Clash zu "Combat Rock"-Zeiten ganz nahe, und mit der von den Terroranschlägen von Paris inspirierten Solonummer "Beautiful Strangers" setzt er ein eindringliches Zeichen für Liebe und Verständnis . Ganz am Ende verabschiedet er sich dann laut und wüst mit dem unwiderstehlichen Sturmlauf "Dorothy", der Nummer also, die binnen Jahresfrist zu so etwas wie seinem Song für die Ewigkeit geworden ist. Die umwerfend groovende Velvet-Coverversion "Rock & Roll" spielt er danach anders als an vielen anderen Abenden der Tour leider nicht mehr, dennoch steht am Ende von 80 fesselnden Minuten fest: Einen aufregenderen Live-Act als Kevin Morby muss man derzeit lange suchen!

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Surfempfehlung:
ww.kevinmorby.com
facebook.com/kevinrobertmorby
kevinmorby.bandcamp.com
facebook.com/HandHabits
handhabits.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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