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Konzert-Bericht
 
Geschichte in blau

Nadia Reid

Köln, King Georg
14.09.2017

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Nadia Reid
"Da scheint eine Menge Geschichte in diesem Raum zu stecken", meinte die Neuseeländerin Nadia Reid bei ihrem zweiten Besuch im Kölner King Georg in zwei Jahren, "mir gefällt das irgendwie." Zu der Geschichte im King Georg gehört auch, dass die Beleuchtung während der Konzerte auf ein absolut lebensnotwendiges Mindestmaß zurück gedreht wird. In dem Fall sogar so stark, dass sich Nadia während des Konzertes zu recht darüber beklagte, dass sie nicht mal mehr das Griffbrett ihrer Gitarre sehen könne. Die Farbe des Wahl war dabei blau. Das passte ganz gut zum Thema des Abends, denn das, was Nadia Reid und ihre Musik auszeichnet, ist ein melancholisches Verhältnis zur eigenen Geschichte.
Ihr Debütalbum "Listen To Formation, Look For The Signs" war eine ziemlich brutale, desolate Vivisektion einer soeben beendeten Beziehung und das neue Album "Preservation" ist zwar - im Gegensatz zu "Listen" - wesentlich lauter, wütender und irgendwie auch abgehangener, aber nicht eben fröhlicher. Kurzum: Nadia war mit der "Sexy Beleuchtung", wie sie es nannte, im blauen Schein besser aufgehoben, als mit der im King Georg ansonsten alternativ vorhandenen roten Variante. Begleitet von ihrem Landsmann "von der anderen Insel" (die Neuseeländer sind lokalpatriotisch logischerweise gespalten) Sam Taylor arbeitete sich Nadia also quasi durch die eigene Geschichte, die sie ansatzweise auch erläuterte: Wie sie z.B. nach der o.a. Trennung in das Haus ihrer Mutter in Wellington zurückgekehrt sei, was es mit der Adresse "Hanson Street" auf sich habe und was ihre Heimat Neuseeland so liebenswert mache ("die Menschen", wie ihr Kiwi-Tech, der Neuseeland eigentlich nicht mag, erläuternd einwarf). Nadia Reid ist keine besonders versöhnliche Performerin. Die Spannung, die die Geschichten ihrer Songs auszeichnet, überträgt sich auch auf den konzentrierten, zwar empathischen, dann aber auch ein wenig spröden Vortrag. Die Intensität, die sich innerhalb ihrer Geschichten aufstaut, bricht sich dabei in zuweilen überraschend inbrünstiger Ausfällen Bahn. Allerdings nicht in der erwarteten, druckvollen, rauen Form, die nach "Preservation" zu erwarten gewesen wäre, denn Sam Taylor hatte ein vergleichsweise bluesiges und softes Setting für seine Gitarre gewählt - wohl auch, um sein Slide-Gitarrenspiel effektvoller in Szene zu setzen, als dies in einem rockigen Umfeld möglich gewesen wäre. Das ebenfalls mitgebrachte E-Keyboard spielte nicht wirklich eine Rolle. Obwohl sie das sicherlich nicht beabsichtigt hatte, kam das Set so ziemlich folky rüber.
Rein musikalisch verlangte das Ganze schon nach ein wenig Geduld seitens der Zuhörer, denn Nadias Songs sind musikalisch oft linear und geradlinig angelegt, was dann, wenn man jetzt nicht unbedingt der Geschichte folgt, zu einem eher monotonen Setting führt. Seltsamerweise wird dieses immer dann durch melodische Akkordfolgen aufgebrochen, wenn Namen (wie "Ruby", "Richard" oder eben die "Hanson Street") ins Spiel kommen. Es scheint, als verstärke die songwriterische Detailpflege nicht nur die Authentizität des Dargebotenen, sondern inspiriere Nadia auch zu einer intensiveren musikalischen Umsetzung. Hier kommen denn auch mal andere Tugenden als Verachtung, Nachdenklichkeit, Resignation oder Verzweiflung zum Tragen. Keine Frage: Nadia Reid ist eine Vollblut-Songwriterin und eine intensive Performerin - allerdings keine pflegeleichte oder eine, die sich mit oberflächlichen Nichtigkeiten zufrieden gäbe.

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Surfempfehlung:
www.nadiareid.com
www.facebook.com/hellonadiareid
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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