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Konzert-Bericht
 
Gelassene Heiterkeit

Joan Shelley

Hamburg, Aalhaus
03.09.2017

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Joan Shelley
An den meisten Tagen des Monats ist das Aalhaus im Hamburger Stadtteil Altona eine ganz gewöhnliche Eckkneipe, in der man im holzvertäfelten Vintage-Ambiente beim Doppelkopf-Turnier seine Zockerqualitäten testen, beim Kneipenquiz seine Gehirnzellen trainieren oder eben auch einfach nur ein Bierchen oder zehn trinken kann. Immer öfter schauen hier aber auch Musikerinnen und Musiker vorbei, die gerade auf dem Sprung sind und hier oft ihre letzten Hamburg-Konzerte in intimen Rahmen spielen. Katie Crutchfield alias Waxahatchee tat dies vor einigen Jahren genauso wie im Frühjahr Julien Baker. Jetzt empfahl sich auch Südstaaten-Folkie Joan Shelley mit ihrem Auftritt im Aalhaus für Größeres. Im Gepäck hatte sie dabei ihr von Jeff Tweedy produziertes, selbstbetiteltes viertes Album.
Das 60er-Jahre-Folk-Revival nutzen derzeit viele Singer/Songwriterinnen als Sprungbrett, doch den wenigsten gelingt es dabei, die altbekannten Zutaten mit so viel Gefühl, Seele und Anmut zu versetzen wie Joan Shelley. Doch auch zwischen den Songs kann Shelley mühelos punkten. Ihre Ansagen macht sie mit der gleichen gelassenen Heiterkeit, mit der sie nach der Show auch ihrem Publikum am Merch-Tisch begegnet. So leitet sie das für das "Our First 100 Days"-Projekt aufgenommene Cover "Foreign Lander" mit gut getimten Spitzen gegen den US-Präsidenten ein. Als drei, vier der vielleicht 50 Zuschauer bejahen, als sie fragt, wer schon mal in ihrer Heimat Kentucky gewesen sei, sagt sie augenzwinkernd: "Das ist bei uns schon fast eine Mehrheit", und auch ihre Berichte von ohnmächtigen Konzertbesuchern in London und Festivalauftritten im niederländischen Vlieland ("Das ist so abgelegen, da kommt man nicht wieder weg, selbst wenn man will") sorgen für viel Amüsement unter den Anwesenden.
Musikalisch fasziniert sie an diesem lauen Sonntagabend gemeinsam mit ihrem brillanten Gitarristen Nathan Salsburg (der bisweilen auch mit Will Oldham und The Weather Station spielt) mit oft raffinierten Storytelling-Songs zwischen Ambition und Eingängigkeit, allen voran mit ihrer vielleicht schönsten Nummer, dem federleicht anmutenden "Easy Now", bevor sie sich bei der Zugabe nach rund einer Stunde ganz klassisch ohne Mikro am Bühnenrand stehend a-cappella mit dem alten Kentucky-Traditional "Darlin' Don't You Know It's Wrong" verabschiedet. In vielen ihrer leisen, aber stets intensiven Lieder mag das Echo von Linda Thompson, Joni Mitchell, Sandy Denny oder Vashti Bunyan nachhallen, aber Shelley versteht es meisterhaft, dem Sound von vorgestern subtil neue Seiten abzugewinnen, Das Publikum erlebt deshalb ein hinreißendes Konzert voller intimer Poesie - traditionell, aber nie angestaubt.

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Surfempfehlung:
www.joanshelley.net
facebook.com/joanshelleymusic
joanshelley.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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