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Konzert-Bericht
 
Die Blüten des Lebens

Levi Parham

Solingen, Altes Stellwerk
10.11.2017

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Levi Parham
Gemeinhin ist es ja so, dass der auftretende Künstler das Unterhaltungsprogramm des Abends bestreitet. In dem Fall lag die Sache indes ein wenig anders, denn das einzige und erste Deutschland-Konzert des US-Barden Levi Parham wurde ausgerichtet von Guido Ocker - einem selbsternannten musikalischen Rassisten in Sachen Americana-Songwritertum (das hat er selbst so formuliert!!!) - und einem großen Unterhaltungskünstler vor dem Herrn. Guido sammelt nämlich seit mehreren Jahren Songwriter aus den USA und Kanada. Nicht, weil er Songwriter aus anderen Provenienzen für weniger wertig hält als solche vom nordamerikanischen Kontinent, sondern weil er wahnsinnig werden würde, wenn er die anderen auch noch sammeln (und bezahlen) müsste. Und mit "sammeln" meint der Mann, dass er sich dafür einsetzt, die Kollegen dann auch für Konzerte nach Solingen zu holen. Wo dann - wie bei dieser Veranstaltung - insofern Geschichte geschrieben wurde, als dass das Konzert von Levi Parham aus Oklahoma eben das erste war, das dieser auf bundesdeutschem Boden bestritt. Was nicht heißen soll, dass Parham dessen nicht würdig wäre, sondern nur, dass er bislang eben nicht den Weg auf unsere Bühnen fand. Unter anderem deswegen, weil er als Americana-Barde hierzulande einen schwereren Stand hätte als in den Niederlanden oder den anderen europäischen Ländern, die er oft und gerne bereist. Das Zauberwort, dessenthalben das alte Stellwerk dann aber bis zum Platzen gefüllt war, war "Blues", wie Guido erklärte. Denn wenn man in Solingen das Wort "Blues" ausspreche, tauchten auf einmal Leute im Publikum auf, die man ansonsten noch gar nicht gesehen habe - denn das Publikum bei den Songwriter-Veranstaltungen im Stellwerk sei ja ansonsten eher viel lieblicher. Sei es drum: Solcherlei Konzertveranstaltungen, die für Guido die Blüten seines Lebens darstellen, seien ja sowieso jederzeit des Hinhörens wert - Blues hin oder her.
Und dann war es auch gar nicht so schlimm. Levi Parham ist zwar einer dieser Musikanten, die im Blues die Quelle ihrer Kreativität sehen, aber nicht unbedingt als Blueser durchgehen. Was das meint ist Folgendes: Levi Parham ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der es schafft, in den banalsten Lebenssituationen, Begegnungen, charakterlichen Eigenarten, Eskapaden, Abenteuern und sonstigen gtenzwertigen Begebenheiten vor allen Dingen eines zu sehen: Die Inspirationsquelle für einen Song. Und da die Abenteuer um selbstgebackene Kekse, neurotische Freundinnen, glückliche Scheidungen, Nacktbadestrände mit Drogenschokolade, ruchlose Outlaw-Terrier, interkontinentale Zeitverschiebungen in der niederländischen Provinz, die Ineffektivität soziale Netzwerk, italienische Wangenküsse oder die falsche Art, Männer zu umarmen oft und gerne auch tragikomische Züge tragen, liegt es nahe, dass er als Mittel zum Zweck den Blues wählt. Dazu passt, dass Levi eine bemerkenswert robuste, raue Gesangsstimme aufzuweisen hat und beherzt und treffsicher in die Saiten seiner akustischen Gitarre zu greifen versteht. Dabei geht er sogar so beherzt vor, dass man sich oft fragt, wo denn wohl der zweite Gitarrist ist, den man da zu hören glaubt - denn Parham spielt dermaßen nonchalant Rhythmus und Lead-Gitarre zugleich (auf einem Instrument, wohlgemerkt), dass das dann eben klingt, als ergänzten sich da zwei Saitenvirtuosen.
Levi Parham ist ein sogenannter "Okie". Das sind Menschen, die aus dem Staate Oklahoma stammen - dem einzigen US-Staat, der bei den Wahlen komplett mit allen Wahlbezirken für Trump gestimmt hat - wofür sich Levi dann auch entschuldigte und meinte, dass das ja genau der Grund sei, warum er so viel auf Tour sei. Die oklahomische Herkunft ist es denn auch, die den Charme des Geschichtenerzählers Levi Parham ausmacht, denn er füllt seine Stories mit kleinen, spezifischen Details, die ihn als bodenständigen Grassroots-Freund besonders glaubhaft machen - und malt die Umrisse des Staates Oklahoma auf die Tonträger, die er signiert. Dass er als Songwriter das Genre dabei nicht unbedingt erfunden hat, liegt auf der Hand. Die relativ überraschungsfreie Struktur seines Songmaterials macht er allerdings durch seine Anekdötchen und den kompetenten Vortrag sowieso mehr als wieder wett. Und er hat ja sowieso kein Problem damit, seine Idole (namentlich Dylan, die Band oder Kollege John Moreland) als nachvollziehbare Inspirationsquellen zu benennen. Witzigerweise spielt er aber dabei keine Coverversionen, sondern nutzt besagte Inspirationsquellen, um eigene Songs aus diesen Inspirationen zu extrahieren (zuweilen sogar, wenn er andere Songs spielt, wie er gestand). Beispielsweise entstand so aus Dylans "When I Paint My Masterpiece" (natürlich in der viel besseren Version von The Band) Parhams eigene Vision eines Künstlers, der seinen größten Erfolg mit jemandem teilen möchte, unter dem Titel "My Finest Hour" - logischerweise auch als Blues. Kurzum: Levi Parham gelang es relativ mühelos, das Publikum mit seinem insgesamt kurzweiligen und amüsanten Vortrag in seinen Bann zu ziehen. Und er darf auch gerne wiederkommen (sofern er sich vorher anmeldet), denn Guido Ocker möchte ja auch in Zukunft gerne weiterblühen und nordamerikanische Songwriter(innen) sammeln.

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Surfempfehlung:
www.leviparham.com
facebook.com/leviparhammusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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