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Konzert-Bericht
 
Delphine im Regen

Elif
Fayzen

Köln, Luxor
11.03.2018

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Elif
Auf dem ersten Abschnitt ihrer "Doppelleben"-Tour im letzten Herbst hatte Elif noch gescherzt, dass sie ja aufgrund des großen Andrangs (damals im Kölner Stadtgarten) das nächste Mal ja auch gleich im Stadion auftreten könne. Stattdessen entschied man sich dazu, mehrere Konzerte in relativer Nähe zueinander, aber in kleineren Clubs anzusetzen. Nominell passen nun zwar mehr Leute in den Luxor-Club als in den Stadtgarten - was aber keineswegs bedeutet, dass mehr Fans die Musiker genießen können, da aufgrund der Auslegung des Clubs nur wenige Gäste einen barrierefreien Blick auf die auftretenden Künstler haben. Am Ende kam es, wie es kommen musste: Die Fans mussten sich im dicht gedrängten Getümmel dann eben mit der Rückenansicht des Vordermannes begnügen und sich den Weg zur Toilette oder zur Bar dann zwangsläufig verkneifen.
Als Support hatte sich Elif dieses Mal ihren Freund und Songwriter-Kollegen Fayzen aus Hamburg eingeladen. Mit Fayzen verbindet Elif auch eine professionelle Freundschaft, denn sie betrachtet den Hamburger auch als Mentor und Kollegen, mit dem sie gerne an eigenen Songs arbeitet. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Obwohl Fayzen mit seinem melancholisch/depressiven Slowcore-Rap musikalisch eine deutlich andere Richtung eingeschlagen hat, bevorzugt er - wie Elif selber auch - eine betont ungekünstelte Sprache. Allerdings hat Elif ihn konzeptionell in einer entscheidenden Hinsicht dabei bereits überholt. Denn anders als Elif hat Fayzen nicht erkannt, dass das Maß aller Dinge nicht unbedingt ein schlüssiger Reim am Satzende sein muss. Während Elif in ihren eigenen Texten selbstbewusst manchen Gedanken auch mal ungereimt ausspricht, ordnet Fayzen dem Reim-Erlebnis wirklich alles unter: Logik, Grammatik, Versmaß und Rhythmik. So lange am Ende ein Schüttelreim steht, ist für Fayzen die Welt in Ordnung. Dass das gelegentlich zur unfreiwilligen Komik oder zu echten Peinlichkeiten führt, nimmt er dabei in Kauf. Allerdings scheint ihm das niemand übel zu nehmen - vielleicht auch deswegen, weil es ihm als gewiefter Performer mühelos gelingt, das Publikum für sich einzunehmen und auf seine Gemengelage einzupeilen. Das geschah in Köln durch betont offenherzige Ansagen, mittels derer er sich selbst eine demütige Haltung zu seiner Kunst zudiktierte und sich somit als "einer von uns" deklarierte (was allerdings gar nicht seine Aufgabe ist) und auch indem er das Publikum bei jeder sich bietenden Gelegenheit einband - etwa indem er drei junge Damen aus dem Publikum als Chor rekrutierte. Musikalisch hatte Fayzen hier nur das Notwendigste zu bieten - was weniger daran lag, dass er als akustischer Solo-Künstler auftrat, sondern daran, dass seine Kompositionen ganz auf die zuweilen umständlichen Knüppelreime seiner Texte zugeschnitten sind und somit kaum ein musikalisches Eigenleben entwickeln können. Zugegebenermaßen versteht sich Fayzen aber auch nicht als Anheizer, sondern nur als Einstimmer - und in diesem Sinne funktionierte das Konzept dann auch.
Elif kommt, wie sie sagt, gerne nach Köln. Zum einen, weil hier ihre Laufbahn als Performerin dereinst so richtig in Schwung kam und sie sich - wohl auch deshalb - auch auf eine treue Gefolgschaft verlassen kann und natürlich weil Köln nach ihrer Ansicht die Stadt ist, in der es sich am Besten mit dem Publikum feiern lässt. Und das ließ sie sich natürlich nicht nehmen. Unterstützt von ihrer Band konzentrierte sich Elif dieses Mal von Anfang an mehr oder minder konsequent auf die lebhaften Aspekte ihres Tuns - entweder indem sie die Up-Tempo-Nummern ins Zentrum stellte (so begann z.B. die Show gleich mit einem gut gelaunten "High Five", das Elif dann auch gleich vom vordersten Bühnenrand aus wörtlich nahm) - oder indem sie ihrer Band den nötigen Freiraum bot, die Stücke mit abwechslungsreichen Zutaten spielfreudig arragmentstechnisch neu zu entdecken. Einen großen Anteil daran hatte wieder die Multiinstrumentalistin Anne De Wolff, die die Kölner ja auch von Bap her kennen, die mit Geige, Viola, Posaune, Cello, Akkordeon und diversen Perkussion-Instrumenten schon alleine für ein semi-orchestrales Feeling sorgte. Das beste Beispiel für diese kreative Erweiterung des Klang-Spektrums war vielleicht der Song "Regenstadt", den Elif auf dem ersten Tourabschnitt gar nicht gespielt hatte, der aber dann von den Fans gewünscht worden war. Nach einem für sie beeindruckenden Besuch Istanbuls (bei dem sie zum ersten Mal Delphine gesehen habe), hatte sie sich insofern inspiriert gezeigt, als dass gerade dieser Song dann mit dezidiert orientalem Feeling dargeboten wurde - unter anderem, indem statt der E-Gitarre eine elektrische Saz zum Einsatz kam und der Drummer zu Handtrommeln wechselte. Ein wenig traf dies auch auf die Papa-Ballade "Baba" und Elifs "Lebensmotto-Song" namens "Umwege gehen" noch zu, wo Elif und Anne de Wolff am Cello zuweilen alleine agierten. Aber auch der Song "Auf halber Strecke", zu dem Elif gerade ein neues Video in Tunesien abgedreht hatte, kam in einem neuen, frischen Gewand zum Tragen. Als Performerin legte Elif gegenüber der Herbst-Tour noch mal einen Zacken drauf, spielte selber häufiger Gitarre, balancierte des Öfteren am vordersten Bühnenrand und riss Band und Publikum gleichermaßen ständig mit ihrer positiven Energie mit - etwa indem sie die Massen mit auffordernden Gesten dirigierte und animierte zu singen, zu tanzen oder sich einfach mal hinzuknien. Das Publikum dankte ihr das mit begeistertem Zuspruch, Mitmachen und vorbereiteten Einzelaktionen besonders hingebungsvoller Fans. Insgesamt schaffte es Elif als Performerin auf diese Weise, das Optimum aus dem Material von "Doppelleben" und "Unter meine Haut" herauszuholen und dabei glaubwürdig zu vermitteln, dass sie mit dem Publikum auf einer gleichberechtigten Wellenlinie liegt.

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Surfempfehlung:
www.elif-musik.de
www.facebook.com/elif.official
www.fayzen.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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