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Konzert-Bericht
 
Pure Freude

Nada Surf

Köln, Stollwerck
10.04.2018

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Nada Surf
"Konzert des Jahres", "Das beste Nada Surf-Konzert ever!", "Nada Surf waren großartig!" - man kann wirklich nicht behaupten, dass die Meinungen zu diesem Konzertabend auf Facebook, Twitter und Co. weit auseinandergehen. Alles andere als helle Freude wäre aber auch keine angemessene Reaktion auf diesen sagenhaften Drei-Stunden-Marathon. Schließlich ist der Auftritt in der alten Schokoladenfabrik am Rhein kein gewöhnliches Konzert für Nada Surf: An diesem Abend spielt die New Yorker Indierock-Institution ihren inzwischen 15 Jahre alten LP-Meilenstein "Let Go" komplett - und das ist erst der Auftakt für ein in der Tat fantastisches Konzert, das auch ohne Supportact erst kurz vor Mitternacht zu Ende geht.
"Let Go" ist nicht nur die beste Platte in an Höhepunkten wirklich nicht armen Karriere von Nada Surf, mit dem Album erfand sich die Band 2002 praktisch noch einmal neu und ließ die vorangegangenen Majorlabel-Misserfolge mit einer Leichtigkeit hinter sich, die Ihresgleichen sucht. Bis heute bedeutet das Album der Band deshalb mindestens genauso viel wie ihrer treuen Anhängerschaft, was in Köln bisweilen dafür sorgt, dass Musiker und Publikum um die Wette zu strahlen scheinen. Kunststück, wenn es gilt, eine LP zu spielen, auf der es zwischen den ersten Akustikgitarrenakkorden von Matthew Caws' Solo-Gänsehaut-Opener "Blizzard Of '77" und dem in Echo And The Bunnymens "Ocean Rain" aufgehenden Schlussglanzlicht "Paper Boats" nur Highlights gibt und die auch 15 Jahre nach ihrer Entstehung noch so zeitlos, nein, so zeitgemäß klingt, dass es fast schon ein wenig unheimlich ist.

Die geradezu überschäumende Freude des von Drummer Ira Elliot nach vorn gepeitschten "The Way You Wear Your Head", die optimistische Melancholie von "Inside Of Love", die sagenhafte Dramatik von "Killia's Red", die Nonchalance von "La Pour Ca", das Daniel Lorca arschcool auf seinen Bass gestützt singt - es ist einfach zu schön! Einmal mogeln sie kurz bei der Reihenfolge, um nicht gleich drei Balladen am Stück spielen zu müssen, aber dieser kleine Kunstgriff fällt den meisten im Saal gar nicht richtig auf. Unübersehbar dagegen: Anders als auf der damaligen Tournee zum Album spielen Nada Surf die Lieder von "Let Go" dieses Mal nicht in Power-Trio-Besetzung, sondern verstärkt um Louie Lino an den Keyboards. "Das ist nicht irgendein Typ, den wir für die Tour angeheuert haben", erklärt Matthew ein klein wenig stolz. "Louie hat damals jeden einzelnen Keyboards-Part auf der Platte gespielt und uns seitdem auch bei allen weiteren Platten unterstützt!" Authentischer geht's nimmer!

Wenn Nada Surf nach den zwölf Wahnsinnssongs von "Let Go" das gemacht hätten, was die meisten anderen Bands bei ähnlichen Konzerten mit Aufführungscharakter tun - eilig noch einige Hits dranhängen und dann den Abend dann für beendet erklären -, es wäre vermutlich trotzdem ein Erlebnis gewesen, dass den meisten im Saal noch lange in Erinnerung geblieben wäre. Die Amerikaner allerdings haben andere Pläne und verabschieden ihre Zuschauer nach "Let Go" in die Halbzeit, die streng genommen eine Drittelpause ist. Eine halbe Stunde später stehen Nada Surf dann wieder auf der Bühne, entschuldigen sich (!) für den vorhersagbaren ersten Teil und spielen noch einmal anderthalb Stunden lang nicht nur die Hits von "Always Love" bis "Popular", sondern auch seit Jahren nicht mehr gehörte Raritäten wie "Imaginary Friends", das rabiate "Dispossession" oder das dahingehauchte "Your Legs Grow" als besonderes Dankeschön an ihre treuesten Fans. Dabei sind es doch eigentlich wir, die Nada Surf für diesen unvergesslichen Abend zu danken haben!

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Surfempfehlung:
www.nadasurf.com
facebook.com/NadaSurf
de.wikipedia.org/wiki/Nada_Surf
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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