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ALBERT HAMMOND, JR.
 
Der Star von nebenan
Albert Hammond, Jr.
Köln, Juni 2006: The Strokes spielen im brechendvollen Palladium, und vor der Show steht Gitarrist Albert Hammond, Jr. auf der Feuertreppe hinter der Halle und gibt Interviews. In der einen Hand hat er eine Flasche Pils, in der anderen einen Kleiderbügel, und um seinen Hals baumelt seine Gitarre. Auf dem Papier mag das albern klingen, aber für einen Moment war der Wuschelkopf der coolste Typ der Welt. Vergesst Frontman Julian Casablancas, auch wenn er alle Strokes-Songs alleine schreibt, vergesst Fabrizio Moretti, auch wenn er es geschafft hat, Drew Barrymore abzuschleppen. Mit seinem ausgezeichneten ersten Alleingang "Yours To Keep" und großartigen Konzerten seiner Soloband beweist Hammond nun überdies, dass er nicht nur cool aussieht, sondern auch als Musiker abseits der Strokes eine Menge zu bieten hat.
Bei den Strokes hat Hammond bekanntlich als Songwriter nicht viel zu melden, war sein Soloausflug also das klassische "George Harrison 'All Things Must Pass'"-Szenario eines Songwriters, der in seiner ersten Band nie seine Songs unterbringen konnte und irgendwann fast zwangsläufig ein Soloalbum machen musste? "Nee! Die Beatles - das ist eine ganz andere Geschichte", wehrt Hammond beim Treffen mit Gaesteliste.de schüchtern ab. "Die Sache kam ins Rollen, als ich einen einzigen Song im Studio aufnahm, nachdem ich zu Hause lange Zeit schon an Demos gearbeitet hatte. Ich wollte einfach mal sehen, was ein richtiger Produzent aus meinem Song würde machen können, denn mir war klar, dass ich alleine ganz anders arbeiten würde als mit der Band. Ich hatte im Studio meinen Spaß, meinen Freunden gefiel das Ergebnis, also nahm ich noch zwei Stücke auf, und weil das genauso viel Spaß machte, ging es einfach Schritt für Schritt so weiter. Wir spielten alle drei Monate zwei Songs ein, und plötzlich hatte ich eine Platte."

Kein Wunder also, dass die Platte so relaxt daherkommt. Ohne den Plan, überhaupt ein Album zu veröffentlichen, sah sich Hammond - gemeinsam mit seiner Stammbesetzung, Drummer Matt Romano und Bassist Josh Lattanzi - natürlich auch nicht dem Risiko ausgesetzt, dass eine Plattenfirma ihm auf den Füßen steht. "Diese Erfahrungen habe ich selbst bei den Strokes nie gemacht. Vielleicht hätte es sogar etwas Gutes, ein bisschen Druck zu bekommen. Das heißt allerdings nicht, dass ich das Aufnehmen meiner Soloplatte nicht auch als bisweilen ziemlich stressig empfunden hätte. Das lag daran, dass wir einfach extrem wenig Zeit hatten, um die Songs einzuspielen."

Der Mann aus New York hat allerdings nicht nur eine Soloplatte gemacht, er stellt sich auch noch ausgiebig auf der Bühne vor. Dieser Tage geht eine mehrwöchige Europa-Tournee zu Ende, in den USA ist er sich sogar nicht zu schade, als Support von Incubus aufzutreten, und das, obwohl er seit dem Beginn der Strokes-Mania vor fünf Jahren kaum einmal Zeit zum Durchatmen hatte. Während seine Kollegen derzeit eine wohlverdiente Auszeit nehmen, ist Hammond schon wieder rund um den Globus unterwegs. Das Soloprojekt als Urlaubsersatz? "Nein, aber die Shows machen eine Menge Spaß. Mit den Jungs zu spielen und nachher mit ihnen abzuhängen - das empfinde ich nicht als anstrengend. Dass ich zum Beispiel morgen in Paris einen ganzen Tag lang Interviews geben werde - das fühlt sich schon eher nach richtiger Arbeit an. In solchen Situationen wünsche ich mir dann schon mal, zu Hause zu sein und die Füße hochlegen zu können."

Dass Hammond Freude an dem hat, was er macht, zeigt sich nicht nur musikalisch, sondern auch im ungewohnt lockeren Umgang mit Journaille und Fans - ein Phänomen, das wir im Sommer auch schon bei den Strokes zugleich erstaunt und begeistert zur Kenntnis genommen haben. Als vor dem Kölner Konzert zwei junge Damen zur Soundcheckzeit im Gebäude 9 auftauchen und ohne Umschweife erklären, dass sie gekommen seien, um sich zusammen mit Herrn Hammond ablichten zu lassen, werden sie vom Tourmanager keinesfalls weggeschickt, sondern lediglich gebeten, kurz zu warten: "Albert kommt gleich eh hier raus!" Dass die kleine "Fotosession" kurz drauf auch tatsächlich stattfindet, beweist: Er spielt den Star von nebenan nicht nur, er ist es!

Apropos Konzert: Live spielt die Band - neben ein, zwei gewollt obskuren Coverversionen von Guided By Voices und Buddy Holly - das komplette Album, mit Ausnahme des Openers "Cartoon Music For Super Heroes", auf dem sich Hammond, wie der Kollege Maurer richtig anmerkte, als arrangierwütiger Brian Wilson-Fan outet. "Das betrachte ich als riesengroßes Kompliment", sagt der so Gelobte, "schließlich ist Brian Wilson ein unglaublicher Songwriter. Was den Song angeht: Ich hab mich einfach zu Hause hingesetzt und ein Schlaflied geschrieben. Aber dann sagte ich mir: Nein, das ist es noch nicht, und in meinem Kopf spukte die Idee herum, dass ein Spielzeugklavier die Gitarrenmelodie spielen könnte und eine Melodika auch passen würde, und plötzlich tauchte ich in diese 'world of sound' ein. So kamen wir auf die Idee, daraus ein psychedelisches Kinder-Schlaflied zu machen, und das haben wir dann im Studio umzusetzen versucht. Und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als dass es nun mit Brian Wilson und den Beach Boys verglichen wird!"

Das erste Stück ist nicht das einzige auf der Platte, das zu überraschen weiß. Zwar ist ausgerechnet der größte Hit der LP, "Back To The 101", die "strokigste" Nummer des Albums, "Blue Skies" dagegen kommt praktisch als Folksong mit 70s-Flair daher und könnte fast von Hammonds Vater - bekanntlich der Autor unsterblicher Songs wie "It Never Rains In Southern California" oder "The Air That I Breathe" - stammen könnte. "Bei 'Blue Skies' war eigentlich geplant, der Aufnahme noch alle möglichen anderen Instrumente hinzuzufügen, bis uns klar wurde, dass sie so, wie sie existierte, bereits genau richtig war."

Oft wird Hammond dieser Tage gefragt, wie es denn gewesen sei, ausgerechnet Julian Casablancas als Gast auf seinem Solowerk dabeizuhaben. Während man sich lebhaft vorstellen kann, dass Casablancas bei den Strokes im Studio den Ton angibt, hatte dieses Mal ja Hammond das letzte Wort! "Warum fragen immer alle, ob es mir Spaß gemacht hätte, Julian im Studio Befehle zu erteilen? Nein, natürlich nicht, denn er ist mein Freund! Bei uns im Studio ist alles ganz friedlich, denn ich mag es, über Musik zu diskutieren, Ideen in den Raum zu werfen und zu sehen, was zurückkommt. Wenn du mal bei uns während der Aufnahmen vorbeikämst - du würdest nie wieder gehen wollen!" Wer Albert Hammond, Jr. persönlich kennengelernt hat, glaubt ihm das aufs Wort.

Weitere Infos:
www.myspace.com/alberthammondjr
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Albert Hammond, Jr.
Aktueller Tonträger:
Yours To Keep
(Rough Trade Records/Sanctuary/Rough Trade)
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