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TRÜMMER
 
Abgedriftet
Trümmer
Und auf einmal waren sie groß. Trümmer, erst drei, inzwischen vier junge Männer, beheimatet in Hamburg, erfolgreich im ganzen Land. Und seit kurzem mit dem zweiten Album am Start. Ende April erschien "Interzone" und wir waren und sind ziemlich beeindruckt. "Denn so gut 'Trümmer' war, so sehr gut ist 'Interzone'. Vielfältiger, spannender, ungezwungener", schrieben wir in unserer Rezension. Und stellten uns die Frage: "Oder soll man das böse Wort 'reif' benutzen? Ohne es belegen zu können, aber es schien, dass Trümmer auf 'Trümmer' auch mal daran gedacht haben, wie sie auf andere wirken würden. Hier scheinen sie reif genug zu sein, um es zumindest deutlich weniger zu tun, weniger tun zu müssen. 'Interzone' kommt mehr aus dem Bauch, kommt direkter, verspielter, was gefällt wird gemacht. Hey, wir sind Trümmer, wir können das. Und das bedeutet mehr Synthies, mehr Pop, aber auch mehr schroffes Geschrammel und einfach mehr tolle Musik."
Trümmer-Sänger Paul Pötsch sieht das natürlich ein bisschen anders. "Die einzige Erwartung, die es bei unserem Debüt 'Trümmer' zu erfüllen gab, war unsere eigene", erzählt er uns im Interview. "Wir wollten Musik aufnehmen, die uns selbst gefällt. Musik, die die Leben abbildet, die wir führen. Die von den Träumen berichtet, die wir haben. Es gab keinen Masterplan. Ich glaube, das ist - nicht nur in der Musik - eine gute Art dem Leben zu begegnen. Auf sich selbst zu vertrauen und einfach mal loszumachen. Der Rest ergibt sich schon von selbst." Ähnlich gingen sie auch an den Nachfolger. "Die Arbeit an 'Interzone' habe ich sehr genossen, da sie sehr intuitiv war, und wir viel Spaß daran hatten, spontane Ideen zuzulassen. Wir haben nächtelang im Studio unseres Produzenten und Gitarristen Helge Hasselberg abgehangen und sind nach kurzer Zeit in eine eigene Welt abgedriftet, das war tatsächlich schon die 'Interzone'. Wir hatten einfach Lust zu schauen, was passiert, wenn man sich noch weiter von dem wegbewegt, was üblicherweise von einer deutschen Band erwartet wird."

Dabei heraus gekommen ist "Interzone", ein Album zwischen Beat und Elektro und Pop und Rock N Roll. Wir schrieben: "Die Songs klingen nach einer Nacht in Hamburg oder irgendwo auf der Welt, sie klingen nach Großstadt, nach Party und Kater, nach Diskussionen beim Bier, Sex unter freiem Himmel, illegalen Clubs im Keller und Großraumdisko. Sie klingen nach guten und nach schlechten Zeiten und sie klingen echt. Reif. Und großartig." Paul beschreibt es so: "'Interzone" ist ein irrer Trip zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Schlafwandelnd zwischen Kontrolle haben und Kontrolle verlieren, Bewusst und unbewusst. Am Anfang der Platte kommt man durch eine Tür - die man auch auf dem Cover sehen kann - und findet sich plötzlich in einer total irren Bar jenseits des Alltags wieder. Man bestellt sich einen Drink, lernt neue Leute kennen und verliert sich selbst vollkommen. Nur um sich und die Welt im Rausch der Nacht komplett neu kennenzulernen. Auf dem Höhepunkt der Party ist Europa eine riesige Tanzfläche zu der jeder eingeladen ist. Irgendwann geht die Sonne wieder auf, man wird aus der Bar ausgespuckt und ein leichter Kater macht sich bemerkbar. Aber man reflektiert das Geschehene und stellt fest: Man muss vor nichts mehr Angst haben. Die Zukunft, die Liebe, das Miteinander. Das gute Leben ist zum Greifen nah."

Paul über die Entstehung des Albums:

Nachdem wir 2015 durch die Club- und Festivallandschaft getourt sind und in Berlin und Hamburg Theatermusik geschrieben haben, fanden wir uns im Herbst 2015 im Proberaum wieder und haben entschieden: Wir wollen unbedingt noch dieses Jahr eine neue Platte aufnehmen. Alles in allem ist "Interzone" - die Musik, die Texte, die Produktion - also zwischen Oktober und Dezember 2015 entstanden. Jeder von uns hatte übers Jahr hinweg ja schon Ideen gesammelt, die wir dann zusammen ausgefeilt haben, zum Beispiel "Nitroglyzerin" oder "Gin Tonic & Wodka Soda". Andere Stücke - wie etwa "Wozu noch Angst" oder "Grüße aus der Interzone" - sind uns beim gemeinsamen Spielen sozusagen zugeflogen. "Europa Mega Monster Rave" und "Das Glitzern der Nacht" sind unserer Punkrock-Oper "Vincent", die wir am Haus der Kulturen der Welt in Berlin uraufgeführt haben, entnommen.

Paul über die Texte:

Die Texte habe ich dann innerhalb weniger Nächte geschrieben. Ich habe eine ziemlich eigene Art zu texten. Wenn ich einen neuen Text brauche, schöpfe ich aus einer Sammlung an Notizen, die ich ständig weiterführe. Diese Sammlung war auch die Grundlage für die erste Platte. Bei der zweiten Platte wollte ich zusätzlich zu diesen Notizen aber auch eine Sprache haben, die genauso wie die Musik aus dem Moment heraus entsteht. Ich erinnerte mich an etwas, das ich irgendwann mal aufgeschnappt habe und was genau dazu passt: Écriture Automatique. Automatisches Schreiben. Entwickelt von den Surrealisten Anfang der 20er Jahre in Frankreich, ist damit die Idee gemeint, die Kontrolle über die Sprache abzugeben und die Sprache sich selbst zu überlassen. Das hat insofern gepasst, als dass die Lust am Kontrollverlust, die Freude am Exzess, das Sich-Hineinwerfen in romantische Gefühle und utopische Zwischenwelten ja voll das Thema von "Interzone" ist. Ohne es zu wissen, hat also alles Sinn gemacht, die Art und Weise wie Musik und Text entstanden sind, die Verfassung, in der wir uns selbst befanden und die Themen von denen die Platte handelt. Dabei ist unheimlich viel Material entstanden, was ich einfach nur noch mit meinen Notizen kombinieren musste. Schreiben als Trip.

Paul über die Interzone Bar:

Wir haben in Hamburg für vier Tage einen eigenen Club auf zwei Ebenen betrieben, Interzone-Bar! Eine Welt aus pinken Neonröhren, Plastiksonnenstühlen, Palmen, unverschämt leckeren Drinks und Musik. Diese Welt ist quasi aus dem Nichts entstanden und nach vier Nächten auch wieder dorthin verschwunden. Die Interzone ist sehr flüchtig und zeigt sich nur, wenn sie wirklich Lust drauf hat. Wir sind uns allerdings sicher, dass sie sich bald wieder an verschieden Orten in Deutschland auftun wird. Denn das Bedürfnis nach dem Freiraum, den sie bietet, ist sehr groß, das haben wir in nicht nur in Hamburg, sondern auch in Berlin und Köln gemerkt.

Wir waren alles selbst: Barkeeper, Booker, Türsteher, Putzkolonne, DJs und Musiker. Es war jeden Abend sehr gut besucht, wir hatten wirklich das Gefühl, dem Hamburger Nachtleben eine gute Portion Wahnsinn verabreicht zu haben. Es waren so viele verschiedene Leute da. Allein die ganzen Musiker, die wir eingeladen hatten, zu spielen: Bernd Bergemann, die Vögel, Viktor Marek & Aschraf Khan. Ich bin mir sicher, dass sich dort viele Leute begegnet sind, die sich sonst niemals begegnet wären. Das war für mich das Beste. Zu sehen, dass die Idee eines Freiraumes mit im Grunde ganz einfachen Mitteln zu erreichen ist. Plötzlich sah ich, wie meine Songtexte wahr wurden und die Idee der "Interzone" lebendig. Die ZEIT schrieb ganz wunderbar darüber: "Ein Tanz um die Plastikpalme. Liebe, Leichtsinn, Rausch. Die Band Trümmer zelebriert die Freiheit." Schöner kann ich es nicht sagen. Ich habe übrigens nachträglich erfahren, dass David Bowie in seiner Schöneberger Wohnung in Berlin auch Neonröhren und weiße Plastikmöbel hatte. Ich glaube jetzt an Wiedergeburt.

Paul über die Zukunft:

Ich hab mir ein paar Tage Ruhe gegönnt, bin gerade im Zug auf dem Weg zurück nach Hamburg. Den Sommer über werden wir viele Festivals in Deutschland spielen, darunter familiäre wie das Orange Blossom, innerstädtische wie das Pop Kultur in Berlin, aber auch größere wie Rock am Ring und Rock im Park. Dann werden wir wohl noch ein paar Songs aus unserer Platte veröffentlichen und im Herbst hoffentlich vor ausverkauften Häusern auf unserer Clubtour die "Interzone" lebendig werden lassen. Wir haben sehr viel Lust auf 2016, haben mittlerweile zwei starke Platten im Gepäck und wollen andere an unserer Euphorie und Lebenslust teilhaben lassen. Einen großen Plan haben wir immer noch nicht, es kommt bei Trümmer auf den Moment an. Der ist heilig und unwiederholbar, denn der ist immer jetzt.

Weitere Infos:
www.facebook.com/truemmer.band
www.truemmer.tv
www.instagram.com/truemmer_official
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Trümmer
Aktueller Tonträger:
Interzone
(Pias/Rough Trade)




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