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JAGWAR MA
 
Zerlegt und neu zusammengeschraubt
Jagwar Ma
Wie viele Bands derzeit, lassen sich auch Jagwar Ma gerne von der Vergangenheit inspirieren. Glücklicherweise haben sich die inzwischen in London heimischen Australier dabei Vorbilder ausgesucht, die (noch) nicht so oft kopiert wurden. Nach dem Überraschungserfolg mit ihrem Debüt "Howlin'" vor drei Jahren setzten Klangtüftler Jono Ma, Sänger und Gitarrist Gabriel Winterfield und ihr Live-Bassist Jack Freemann auch auf dem Nachfolger "Every Now And Then" auf einen Sound zwischen synthpoppiger Elektronik und psychedelischem Rock'n'Roll, der hörbar freigeistiger ist als noch auf dem Erstling. Allerdings ist es Jono im Gaesteliste.de-Interview wichtig zu unterstreichen, dass die nicht zu überhörenden Rückbezüge auf den Manchester-Rave-Sound der späten 80er und frühen 90er nur ein Baustein des Sounds seiner Band sind.
"Ich hatte nie im Sinn, einer bestimmten Band oder Platte aus Manchester nachzueifern. Aber es gibt natürlich gewisse Parallelen auf unserem Weg zu einem ähnlichen Ziel", sagt er bestimmt. Ein Album, das allerdings fraglos ein wichtiger Wegweiser für Jagwar Ma war, ist "Screamadelica" von Primal Scream. Das gibt auch Jono gerne zu: "An 'Screamadelica' finde ich so faszinierend, dass es eigentlich ein Remixalbum war. Zuvor waren Primal Scream ja eine ziemlich durchschnittliche Rockband gewesen, doch dann kam Andrew Weatherall als Produzent dazu, remixte praktisch jeden Track und daraus wurde dann der Sound von 'Screamadelica'. Mir gefiel die Idee wirklich gut, dass dort die Songs einer Band auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wurden. Das fand ich interessant und post-modern! Als wir mit Jagwar Ma anfingen, suchte ich nach etwas ganz Ähnlichem: Unser Sound hat Elemente einer Live-Band, aber einer, bei der alles zerlegt und wieder neu zusammengeschraubt wurde."

Doch nicht nur deshalb sind Jagwar Ma Primal Screams Brüder im Geiste. "Ich habe mal ein Interview mit Bobby Gillespie und Andrew Innes gelesen, in dem sie von ihren Einflüssen während der Aufnahmen zu 'Screamadelica' sprechen", erinnert sich Jono. "Sie nannten dabei Phil Spectors Wall of Sound, Motown-Soul oder Sly And The Family Stone. Witzigerweise habe ich ganz ähnliche Sachen gehört, als ich aufwuchs. Deshalb kommen wir sicherlich aus der gleichen Ecke. Die Musik damals in Manchester war ja auch stark vom House und Techno aus Chicago und Detroit geprägt, vom Acid House und den Balearic Beats, die DJs wie Andrew Weatherall oder Paul Oakenfold nach England transportierten. Gerade Weatherall war seinerzeit eine wichtige Bezugsquelle für elektronische Musik für mich, ganz egal ob in seiner Rolle als Produzent von 'Screamadelica' oder mit seiner Arbeit mit Two Lone Swordsmen."

Wie die Wegbereiter ihres Sounds sind auch Jagwar Ma für ihre Platten genauso berühmt wie für ihre Live-Shows. Denn auch wenn Jono die Musik seiner Band heute wie ein HipHop-Produzent zusammenbaut, weiß er doch nur zu genau, worauf es bei Live-Konzerten ankommt. "Wir sind als Youngster lange mit Bands durch Australien getingelt und haben uns unsere Sporen auf den Konzertbühnen vor Publikum verdient", erklärt er. "Als wir mit Jagwar Ma anfingen, hatte ich deshalb bereits eine klare Vorstellung davon, wie unsere Konzerte aussehen sollten. Das war immer in meinem Hinterkopf, während wir im Studio die Musik produzierten. Anschließend ging es dann nur noch darum, die Ideen auch auf der Bühne umzusetzen."

Wie schon bei "Howlin'" absolvierten Jagwar Ma deshalb auch bei der Entstehung von "Every Now And Then" nach etwa drei Vierteln der Produktionszeit einige Auftritte, um die neuen Stücke vor Publikum zu testen. "Wenn du live spielst, merkst du sofort, was funktioniert und was nicht", verrät Jono. "Wenn es unangenehme Momente gibt oder sich etwas zu lang hinzieht - das merkst du sofort. Deshalb haben wir im Frühjahr Konzerte mit Tame Impala gespielt. Anschließend haben wir an den neuen Songs, die wir im Programm hatten, oft dramatische strukturelle Veränderungen vorgenommen."

Apropos Tame Impala: Welche Lektionen konnten Jagwar Ma von einer großen Tour mit einer solch populären Band lernen? "Die Tame Impala-Show ist perfekt inszeniert: die Struktur der Show, die visuellen Projektionen, der Sound, die Crew hinter den Kulissen - all das war so wohlüberlegt", erzählt Jono. "Natürlich ist auch ihr Budget viel größer als unseres, aber all das hat uns ohne Zweifel inspiriert. Gerade ihr Auge für Details hat mich sehr beeindruckt." Trotzdem weiß natürlich auch Jono, dass Perfektion gerade auf der Live-Bühne bisweilen auch die Spannung töten kann. "Da sprichst du einen wichtigen Punkt an", nickt er. "Als Jugendlicher habe ich viele Punk-Shows gesehen, und dort war kein Auftritt wie der andere. Das ist etwas, das wir uns bei Jagwar Ma unbedingt erhalten wollen. Letztlich geht es uns um die richtige Balance zwischen einer Show, die funktioniert, und einer, die gleichzeitig noch lebendig und ein Stück weit unvorhersehbar ist!"

Kein Wunder also, dass es derzeit die Konzerte sind, die Jono sehr glücklich machen. Trotzdem sitzt er auch gerne in seinem Studio in Tottenham und bastelt an neuen Songs, denn dort hat er einen sehr berühmten Nachbarn. "Wie es das Schicksal wollte, teile ich mir in meinem Studio Räumlichkeiten ausgerechnet mit Andrew Weatherall", erzählt er hörbar begeistert. "Ich arbeite dort also in unmittelbarer Nähe von jemandem, den ich über alle Maßen respektiere und der in 30 Jahren unglaublich viel Wissen angehäuft hat. Dass ich jetzt dieses Wissen ein bisschen anzapfen kann, macht mich wirklich sehr glücklich!"

Weitere Infos:
www.facebook.com/JagwarMa
de.wikipedia.org/wiki/Jagwar_Ma
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
Jagwar Ma
Aktueller Tonträger:
Every Now And Then
(Marathon Artists/Kobalt/Rough Trade)




Jagwar Ma

 
 

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