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THE GROWLERS
 
"Früher bin ich einfach rücksichtslos auf der Welle mitgeritten"
The Growlers
"Die coolste Band der Welt?", fragten wir kürzlich hier an dieser Stelle, als es um The Growlers ging. Kein Zweifel, die Kalifornier haben mit ihren herrlich wilden ersten vier Alben und dem von ihnen initiierten Beach Goth-Festival eine der ungewöhnlichsten Indie-Erfolgsgeschichten der letzten Jahre geschrieben. Während die Band mit dem Faible für nervösen Westküsten-Psych-Pop geschäftlich wie kreativ bislang voll auf DIY setzte und ihre Welt klein hielt, waren ihrem musikalischen Universum kaum Grenzen gesetzt. Von Punk über Reggae bis Country war bei den Kaliforniern um die Doppelspitze Brooks Nielsen und Matt Taylor alles erlaubt. Das begeisterte zuletzt auch The Strokes-Sänger Julian Casablancas so sehr, dass er The Growlers nicht nur für sein Label Cult Records unter Vertrag nahm, sondern bei den Aufnahmen zu ihrer fünften LP namens "City Club" auch sein Debüt als Produzent gab. "The Growlers sind derzeit wohl eine der aufregendsten Bands der Welt, auf jeden Fall eine der coolsten! Nicht Gypsy, nicht Goth, nicht Surf, nicht Punk, aber irgendwie doch genau all dies zur gleichen Zeit", sagt er danach begeistert. Im Studio begradigte er den zuvor oft windschiefen Sound seiner neuen Schützlinge, und mit ordentlich Synth-Einsatz und funky Beats präsentieren sich The Growlers nun deutlich gradliniger, aber immer noch mit angenehm düsterem Anstrich. Gaesteliste.de erwischte Frontmann Brooks auf dem Weg von Tennessee nach Kentucky und konnte ihm einige kurze Fragen stellen, bevor die Band Anfang November für fünf Konzerte nach Deutschland kommt.
Gaesteliste.de: Brooks, wie geht's?

Brooks (lacht): Ich habe in der Band derzeit eine Menge Spaß - mehr als in der Vergangenheit. Früher bin ich einfach rücksichtslos auf der Welle mitgeritten, jetzt nehme ich alles viel mehr wahr und habe alles viel besser im Griff. Ich bin sehr dankbar für alles, was wir inzwischen erreicht haben, und das ist auch der Grund, dass ich es nicht mehr einfach an mir vorbeiziehen lassen will.

Gaesteliste.de: Sind die hörbaren musikalischen Veränderungen auf eurer neuen Platte ein Resultat deiner neuen Sichtweise der Band?

Brooks: Der musikalische Prozess hat sich eigentlich nicht großartig verändert. Matt und ich verstecken uns, wir begeben uns in die Wildnis, so weit weg von der Welt da draußen wie möglich, und versuchen so viele Songs wie möglich zu schreiben. Dabei sind wir auch oft von der Musik beeinflusst, die wir gerade hören, dieses Mal viel Afro-Funk. Allerdings sind wir uns längst nicht immer grün, und wenn wir uns nicht verstehen, kann das bisweilen schon ziemlich schwierig sein. Dass wir immer so viel düsteres Material haben, liegt vermutlich an der Spannung, die zwischen mir und Matt herrscht.

Gaesteliste.de: Die soundtechnische Neuorientierung ist bei euren alten Fans nicht durchweg auf Gegenliebe gestoßen...

Brooks: Ich kann schon verstehen, warum sich einige Fans damit schwertun. Sie sind so an das gewöhnt, was zuvor kam, dass es ihnen schwerfällt, diesen Übergang hin zu etwas Neuem mitzugehen. Immer wenn der Gedanke in meinem Kopf aufkommt, was unsere Anhänger wohl von den Veränderungen halten, dann sage ich mir: "Sie sollten mir vertrauen!"

Gaesteliste.de: Nicht nur der Sound ist runderneuert, auch zwei Bandmitglieder sind euch zuletzt von der Fahne gegangen. Drummer Scott Montoya hat die Band verlassen, Bassist Anthony Braun Perry macht eine Pause.

Brooks: Es ist ganz natürlich, dann man in einer Band nur für eine gewisse Zeit zusammen ist. Natürlich ist es immer schmerzhaft, wenn sich etwas ändert, aber gleichzeitig sorgen die Veränderungen auch für Langlebigkeit. Sie helfen uns, am Leben zu bleiben, glücklich zu sein und die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass wir weiter Musik machen können.

Gaesteliste.de: Gerade in den USA läuft es blendend für euch. Bist du manchmal überrascht, wie weit ihr es schon gebracht habt?

Brooks: Ja, auf der Mikroebene werde ich ständig überrascht. Zum Beispiel bin ich total baff, dass unser Publikum derzeit immer jünger wird! Auf der Makroebene dagegen habe ich mich inzwischen daran gewöhnt. Schließlich gibt es eine Reihe Gründe für unseren Erfolg: Talent, harte Arbeit und Glück - auch wenn wir bislang noch nicht sooo viel Glück hatten (lacht). Ich glaube nicht, dass es jemals eine Situation geben wird, in der ich denke: "Endlich, jetzt habe ich es geschafft!", denn in der Regel siehst du die Erfolge deines Tuns ja nicht sofort nach einem großen Konzert oder einem Fernsehauftritt. Alles geht schrittweise, aber das ist auch gut so, denn das hält dich als Künstler bei der Stange.

Gaesteliste.de: Die Dimensionen, die eure alljährliches Beach Goth-Festival inzwischen erreicht hat, lassen dich doch aber bestimmt staunen, oder? Immerhin sind dieses Jahr Größen wie Bon Iver dabei!

Brooks: Ja! Jedes Jahr hauen wir einfach ein paar Namen raus, und dann hoffen wir, dass sie zusagen! Natürlich steckt da eine Menge harter Arbeit der Booker drin, aber dass wir TLC kriegen, hätte ich zum Beispiel nie geglaubt. Gucci Mane war ja im Knast, und ich war nicht sicher, ob er überhaupt angesprochen werden konnte. Bei Patti Smith war ich nicht sicher, ob wir sie für ein Festival bekommen würden, weil sie inzwischen eher in intimeren Locations auftritt. Grimes haben wir uns kaum getraut zu fragen, weil sie letztes Jahr schon dabei war, aber dann haben unsere Organisatoren es trotzdem getan, und es ist total cool, dass sie wieder dabei ist!"

Gaesteliste.de: Letzte Frage: Was macht dich derzeit am glücklichsten?

Brooks: Wir haben nicht nur neues Material, wir haben auch neues Blut in der Band und es fühlt sich wirklich wie ein neues Kapitel an. Die Energie, die Dynamik bei uns ist richtig gut im Moment. Wir haben alles selbst unter Kontrolle, und auch wenn das eine große Verantwortung bedeutet, können wir die Leute jeden Abend aufs Neue auf die Probe stellen und eine Menge experimentieren. Diese neue Verantwortung, diese neue Kreativität gefällt mir. Ich liebe derzeit jede einzelne Show!

Weitere Infos:
www.thegrowlers.com
facebook.com/losGrowlers
en.wikipedia.org/wiki/The_Growlers
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
The Growlers
Aktueller Tonträger:
City Club
(Cult/Kobalt/Rough Trade)




The Growlers

 
 

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