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T.G. COPPERFIELD
 
Der Spirit des Rock and Roll
T.G. Copperfield
Still sitzen ist nicht die Stärke von Tilo George Copperfield. Weil seine Band 3 Dayz Whizkey dieses Jahr etwas den Fuß vom Gas nimmt, machte der Regensburger Musiker und Songschreiber kurzerhand eine betont persönlich gefärbte selbstbetitelte Soloplatte, auf der das Bluesrock-Kerngeschäft seiner Band nur eine Nebenrolle spielt. Stattdessen gehen ähnlich wie auf dem Rolling-Stones-Meilenstein "Exile On Main Street" Roots, Blues, Country und Rock and Roll Hand in Hand. Sogar ein Ausflug auf Funk-Terrain ist erlaubt. Wie es dazu kam, erzählt Tilo im Gaesteliste.de-Interview, bevor er Ende März mit seiner Electric Band für ein Konzert in der Alten Mälzerei in seiner Heimatstadt auf der Bühne steht.
GL.de: Dass es auch Anfang dieses Jahres ein neues Album von dir gibt, wird wohl niemanden überraschen, der dich und deine Band in den letzten Jahren verfolgt hat. Dass es ein Soloalbum ist, dagegen schon. Was ist passiert?

T.G. Copperfield: Für das nächste 3Dayz Whizkey-Album habe ich bereits alle Songs geschrieben und arrangiert. Wir haben sogar schon den größten Teil davon eingespielt. Nur hatten wir uns dazu entschlossen, es 2017 etwas ruhiger angehen zu lassen. Immerhin war das für uns eine turbulente Zeit in den letzten fünf Jahren mit drei Studioalben und einer Live-Scheibe. Dazu kamen unzählige Live-Gigs im In- und Ausland. Wir planen also nun, im kommenden Jahr den nächsten Output zu machen, um uns dann auch zu 100 Prozent darauf konzentrieren zu können - mit der ganzen Kraft der Band. Nun die Soloplatte aufzunehmen, hat tierisch Spaß gemacht und war in gewisser Weise auch "reinigend" für meine Seele.

GL.de: Bislang warst du ja eher Jimmy Page, jetzt bist du gewissermaßen auch gleich noch Robert Plant. Wie groß war der Schritt, zu sagen: "Dann sing ich die Songs eben selbst?"

T.G. Copperfield: Das war für mich eine Herausforderung, mit der ich mich sehr stark beschäftigt habe. In den Anfangszeiten von 3 Dayz Whizkey habe ich auch selbst gesungen, aber mit Gesang habe ich mich an und für sich weniger auseinandergesetzt. Diesmal wollte ich das richtig gut machen, weil meine Stimme die Songs so gut wie möglich transportieren muss. Das war für mich eine Umstellung, und ich musste zuerst eine Technik entwickeln, mit der ich mich wohlfühle und die ich auch live ohne Probleme umsetzen kann. Ich hasse Gesangsübungen, aber wie sagt man in Bayern so schön: Es hilft ja nix…

GL.de: Wie leicht bzw. schwer war der Schritt von der Idee eines breiten musikalischen Spektrums zur tatsächlichen Umsetzung? Zu sagen "Anything goes" ist ja eine Sache, es aber auch vernünftig umzusetzen, eine andere!

T.G. Copperfield: Ich würde dir gerne sagen, dass das harte Arbeit war, aber es ist tatsächlich alles einfach passiert. Wir haben in zwei Nachmittagen komplett alle Basic-Tracks eingespielt. Also Bass, Schlagzeug und Rhythmusgitarre. Und wir sind einfach unseren Instinkten gefolgt. Es war von Anfang an klar: Hätten wir einen Song erst mühsam schleifen müssen, damit er klingt, dann hätte ich den sofort verworfen. Ich kannte das Material in- und auswendig, da ich zuvor einige Solo-Acoustic-Shows gespielt habe, und Jürgen Reiter am Bass sowie Will an den Drums haben sehr routiniert und beseelt gespielt. Das hat mein Material dann, wie ich finde, noch mal auf ein ganz anderes Level gehievt. Für die restlichen Gitarren haben wir uns dann zwei Tage bei Tageslicht-Entzug im Keller von Will verschanzt, und auch da war die Maxime: nicht lange rumdoktern, sondern einfach drauflosspielen. Ich bin auch sehr dankbar, dass Ludwig Seuss die Keys übernommen hat. Der hatte auch eine Menge Spaß und konnte sich auf allen möglichen Vintage-Instrumenten austoben. Er beherrscht einfach diesen Roots-geprägten Stil so einmalig gut. Ich könnte ihm ewig zuhören.

GL.de: Mal mehr, mal weniger sind die Lieder irgendwie dem Blues verpflichtet. Heute denken ja viele beim Stichwort "Blues" sehr eindimensional an die klassische Form der elektrischen Blues-Bands. Ist das Album gewissermaßen auch eine kleine Lehrstunde, was Blues sonst noch alles bedeuten kann?

T.G. Copperfield: Ich bin ja überhaupt kein Fan von dieser ewigen Diskussion, die es seltsamerweise nur in Deutschland gibt. Von der Frage also, ob man "richtigen" Blues spielt oder ob das schon was ganz anderes ist und deshalb nicht als Blues bezeichnet werden darf und damit nicht gut ist. Meine Scheibe ist eine Rock and Roll-Platte. Rock and Roll ist eine Mischung aus Blues, Country und etwas Soul. Bei mir kommt auch noch ein wenig Funk dazu. Diesen ganz klassischen Electric- Blues, wie er in Chicago und Memphis entstanden ist, spielen andere besser als ich. Was ich mit meinen großen Blues-Vorbildern gemeinsam habe ist aber, dass ich meine Geschichten erzählen möchte. Das Gitarrensolo ist für mich ein Mittel zum Zweck im Arrangement und nicht eine olympische Disziplin. Es soll den Songs Farbe geben und sich in den Gesamtkontext einfügen. Bei vielen Bluesrock-Veröffentlichungen vermisse ich diese Herangehensweise. Es wird viel zu wenig auf den Song geachtet. Eine verlorene Kunst, wie ich finde. Zum Thema Country: Ich bin sicherlich stark beeinflusst von der aktuellen Alternative-Country-Bewegung in Nashville. Es gibt nun wieder erfolgreiche Künstler aus diesem Genre, die was zu sagen haben und nicht nur stumpfe Popmusik machen, ganz nach dem Vorbild von Waylon Jennings oder Johnny Cash. Das ist für mich inspirierend und ich hoffe, dass sich dieser Trend auch mal bei uns ein wenig mehr durchsetzen kann. Ich mag Melodien, und die gibt es im Country zuhauf. Am spannendsten finde ich es, wenn man eine bittere Message in einem melodiös-süßen Song verpacken kann.

GL.de: Was die Lieder abgesehen von der Musik von 3 Dayz Whizkey unterscheidet, ist ja auch die stärkere persönliche Färbung. Ist das vielleicht auch das Ergebnis des Älterwerdens und der positiven Rückmeldungen auf die Band-Platten?

T.G. Copperfield: Ja, sicherlich hat mir die 3 Dayz Whizkey-Zeit viel Selbstvertrauen geschenkt. Internationale Anerkennung und Zuspruch von Kollegen und Fans haben mich dazu beflügelt, einen Schritt weiter zu gehen. Ich reise sehr viel und gerne und habe in den letzten Jahren verschiedene neue Blickwinkel, Kulturen und Menschen kennengelernt. Das hält mich davon ab, eindimensional zu sein.

GL.de: Für die Bonustracks zum letztjährigen Live-Album von 3 Dayz Whizkey bist du in Los Angeles bei Warren Huart (u.a. Aerosmith) gewesen. Dieses Mal hast du dir mit Dr. Will einen Kollaborateur (fast) vor der eigenen Haustür gesucht. War das nur eine Budgetfrage, oder verlangten die persönlicheren Songs einfach nach einem musikalischen Partner "closer to home"?

T.G. Copperfield: Will kenne ich schon seit einigen Jahren und ich wollte schon immer mal mit ihm zusammenarbeiten. Musikalisch und menschlich war das also meine erste Wahl in Sachen Produzent. Außerdem hat er auf meiner Hochzeit gespielt, und das war mit Abstand die Party des Jahres (lacht). Für dieses Material hat sich sein Weitblick und seine Groove-orientierte Vorgehensweise absolut angeboten. Er braucht in seiner Rolle keinen internationalen Vergleich zu scheuen, und ich werde sicherlich auch in Zukunft wieder mit ihm zusammenarbeiten. Die Arbeit mit Warren Huart am 3 Dayz Whizkey-Material hat mir letztes Jahr ebenfalls sehr viel Spaß gemacht. Allerdings hatte dieses Material auch nach einem anderen Typ von musikalischem Partner verlangt. Wir wollten eine möglichst zeitgemäße Produktion haben und einfach mal ausprobieren, ob der Sound von Aerosmith und Co. auch zu uns passt.

GL.de: Breites Spektrum hin oder her. Hand aufs Herz, irgendwo haben wir doch alle unsere Grenzen. Wo ist bei dir der Punkt erreicht, wo du sagen würdest: Nee, das kann ich musikalisch wie textlich nie und nimmer machen, egal ob solo oder mit der Band?

T.G. Copperfield: Der Spirit des Rock and Roll muss bei den Sachen, die ich mache, immer mitschwingen. Ich finde es sehr schwierig, das Ganze zum Beispiel in deutscher Sprache rüberzubringen. Außer der frühe Westernhagen oder Udo Lindenberg hat das wohl kaum jemand bisher für mich richtig überzeugend geschafft. Das wäre also auf jeden Fall eine Grenze für mich. Einen T.G. Copperfield- oder 3 Dayz Whizkey-Song wird es nicht auf Deutsch geben.

GL.de: Ganz allgemein: Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

T.G. Copperfield: Am meisten macht es mich glücklich, meine Songs vor Publikum aufzuführen. Das ist ein großes Privileg und wird nicht jedem Musiker zuteil. Ich bin am glücklichsten, wenn meine Songs auch für andere Menschen eine Bedeutung haben und ich diese Rückmeldung bekomme. Wenn meine Musik genauso ein Soundtrack für andere Menschen wird, wie die Musik meiner Vorbilder ein Soundtrack meines Lebens geworden ist.

GL.de: Du spielst derzeit sowohl mit 3 Dayz Whizkey als auch "solo" mit deiner Electric Band Konzerte. Wo sind die Gemeinsamkeiten, was ist der größte Unterschied?

T.G. Copperfield: Bei 3 Dayz Whizkey steht ganz klar die Rock and Roll-Party im Vordergrund. Der Energielevel dieser Gigs ist immer ganz oben am Anschlag, und darauf ist das Programm ausgelegt. Mit meiner Electric Band, die übrigens nur aus Bass und Schlagzeug besteht, schlagen wir auch mal ruhigere Töne an und sind ein weniger freier, was den Improvisationsgrad angeht. Zudem gibt es hier auf der aktuellen Tour sehr viele Songs, die noch komplett unveröffentlicht sind. Da ich ein komplettes Clubset spiele, musste ich noch ein paar Songs schreiben, die sich hier einfügen, und es macht enorm viel Spaß zu sehen, wie sich diese Tracks im Laufe der Tour immer weiter entwickeln. Ich freue mich schon ganz gewaltig auf die Konzerte mit meiner Electric Band. Mein Bassist "Karlos" ist ein Riesen-Doors- Fan und mein Drummer "Air" hat ein enzyklopädisches Wissen über alle Iron Maiden-Songs. Die Mischung ist auf jeden Fall einzigartig zusammen mit mir als Rock and Roll-Nerd!

Weitere Infos:
facebook.com/TGCopperfield
www.3dayz.de
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Carmen Wiendl-
T.G. Copperfield
Aktueller Tonträger:
T.G. Copperfield
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