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JADE JACKSON
 
Ohne Plan B in den Tunnel
Jade Jackson
Der Grund, warum sich die Songs des brillanten Debütalbums "Gilded" von Jade Jackson aus Santa Margarita in Kalifornien anhören, als habe sie ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht als Songs wie diese zu schreiben, ist ganz einfach erklärt: Sie hat ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht als Songs wie diese zu schreiben. Nun müsste das angesichts ihres jugendlichen Alters von gerade mal 25 Lenzen nicht unbedingt viel bedeuten - gäbe es da nicht bereits jetzt eine Sammlung von mehreren hundert Stücken - und Jades Angst davor, langsam den Überblick über ihr Repertoire zu verlieren. Nicht ein Mal das Argument, dass Masse nicht unbedingt Klasse bedeuten muss, greift hier, denn wirklich alle der 11 auf "Gilded" enthaltenen Tracks sind zum Beispiel von einer zeitlosen Klasse, die selbst erfahrene Veteranen mit den Ohren schlackern lässt. Etwa Mike Ness von Social Distortion, der sich umgehend als Mentor der jungen Elevin feilbot, als er von deren Fähigkeiten Kenntnis erlangte, ihr mit Rat und Tat zur Seite stand, die Musiker besorgte und das Album eigenhändig produzierte. Und das nicht etwa, weil Jade Jackson ihm nachgelaufen wäre...
"Ich war immer schon ein Fan von Social Distortion", räumt Jade zunächst ein, "das allererste Konzert, zu dem ich von meinem eigenen Geld hingegangen bin, war eine Social Distortion-Show, als ich 13 war. Ich wusste also, wer Mike war - aber er wusste natürlich damals noch nichts von mir. Mike ist erst auf mich aufmerksam geworden, als ihm seine Frau - die eine Freundin meiner Mutter ist - von mir erzählte, als sie mich bei einem Konzert gesehen hatte." Wie hat sich dann die Zusammenarbeit zwischen Mike und Jade entwickelt? "Mike hatte einen älteren Demo-Track von mir gehört und sich dann bei mir gemeldet. Ich habe die Songs des Albums geschrieben - wobei ich bei einem Song mit Mike Ness, einem mit meinem Drummer, Tyler Miller und einem mit meinem Bassisten, Jake Vukovic, zusammen arbeitete... Mike hat mir dann nicht nur den Plattenvertrag besorgt und Auditions für meine Musiker abgehalten, sondern mir gleich angeboten, ein Album mit mir zu produzieren."

Was Mike Ness wohl auch an der Songwriterin Jade Jackson reizte, ist Jades geradezu poetische Ader, mit der es ihr immer wieder gelingt, verblüffende Wortwendungen mit philosophischen Twists und universellem Charakter zu kreieren: "Waking up for the first time is when you don't stop at the finish line" heißt es z.B. in "Finish Line" oder "So please don't cry boy, it's been fun - but my motorcycle only seats one" in "Motorcycle" während sie in "Bridges" meint "Lord when will my lessons be learned? Let me walk over the bridges I've burnt." Das sind ja Ideen, auf die man erst mal kommen muss. Kann es sein, dass an Jade Jackson eine Poetin verloren gegangen ist? "Ja - das ist eine coole Frage - weil mich das noch niemand gefragt hat", meint sie eher erstaunt, "aber die Antwort ist ja. Ich fing mit 13 an, Gitarre zu spielen, nachdem ich das Social Distortion-Konzert gesehen hatte - das hat mich dann auch inspiriert, Songs zu schreiben. Ich habe aber vorher immer schon Poesie und Geschichten-Erzählen gemocht. Das waren meine Lieblingsthemen in der Schule. Bevor ich also anfing, Gitarre zu spielen, habe ich mich an Gedichten versucht. Als ich dann - durch das Gitarre-Spielen - zum ersten Mal die Melodie für mich entdeckte, habe ich dann zwei und zwei zusammengezählt und angefangen, beides miteinander zu kombinieren. Auch heute noch schreibe ich öfter Gedichte - zu denen mir dann später vielleicht auch noch eine Melodie einfällt." Bedeutet das eigentlich, dass Jade nicht unbedingt über sich selbst berichtet, wenn sie aus der Perspektive er ersten Person singt? "Also eigentlich ist das mit jedem Song verschieden", überlegt Jade, "einige Songs sind schon autobiographisch, aber manchmal versetze ich mich in jemandes anderen Schuhe und versuche dann deren Geschichte zu erzählen... Da ich als Kind immer sehr schüchtern war und kaum ein soziales Leben hatte, war ich immer schon sehr gut darin, die Menschen um mich genau zu beobachten und ihnen zuzuhören." Dazu muss man wissen, dass es in Jades Familie keinen Fernseher, keine Mikrowelle, keinen Computer oder sonst welche technischen Errungenschaften gab.

Hat die Musik dabei geholfen, auch Jades Persönlichkeit zu formen? "Oh ja", bestätigt sie, "ich denke, dass - als ich meine ersten Songs geschrieben und mich dazu entschlossen hatte, eine reisende Musikerin zu werden - sich mein Leben grundsätzlich verändert hatte, denn so entwickelte ich eine Art Tunnelblick mit einem festen Ziel. Als ich beobachtete, wie die Leute um mich herum versuchten, herauszufinden, wer und was sie sein wollten - sogar bis ins College hinein - wusste ich immer das für mich immer schon. Das hat mich definitiv geformt. Es mag sein, dass ich mich dadurch vielleicht sogar noch mehr zurückzog, aber das hatte ich zu der Zeit gar nicht verstanden, weil ich damals sowieso kaum ein soziales Leben hatte. Wenn die anderen sich trafen, wollte ich nur an meiner Musik arbeiten. Auf einer Party habe ich mich immer deplatziert gefühlt. Nun mag das Ganze vielleicht insgesamt ein wenig seltsam und auch entmutigend gewesen sein - weil ich z.B. nicht verstehen konnte, warum ich so wenig Freunde hatte. Aber als ich ein Mal angefangen hatte, mit meinen Songs aufzutreten - und zum Beispiel mit Social Distortion auf Tour ging, da haben sich meine Träume tatsächlich verwirklicht und alle meine offenen Fragen wurden auf diese Art und Weise beantwortet. Das war für mich wirklich die größte Erfahrung."

Wie ist denn Jades "Art zu schreiben? "Ich habe eigentlich gar keine Technik zu schreiben", überlegt sie, "das ist ein Prozess, von dem ich selbst immer noch nicht ganz verstanden habe, wie er funktioniert. Auf jeden Fall setze ich mich niemals hin, um eine bestimmte Art von Song zu schreiben." Okay - wenn also der Stil keine Rolle spielt: Wonach sucht Jade Jackson denn in einem guten Song? "Oh Gosh", meint sie, "ich weiß das gar nicht. Ich kann dir aber verraten, dass Mike eine Menge über die handwerklichen Aspekte eines Songs zu sagen hat. Ich schreibe Songs immer sehr schnell - vielleicht in 10 - 15 Minuten, ohne mir irgendwelche Gedanken über die Technik zu machen. Mike hat mich dann angehalten, mir etwas Zeit zu nehmen und mir beigebracht, die Sache aufzuschreiben und auszuarbeiten - mal etwas auszudehnen, einen Refrain zu wiederholen, etwas zu betonen. Er hat mich auf diese Weise gefordert und ich denke, dass die Sachen dadurch auch besser geworden sind. Ich alleine hatte hingegen immer Angst, etwas zu vergessen und es deshalb so schnell gemacht." Das ist der technische Aspekt, diese Frage zu behandeln. Was schätzt Jade denn selbst an einem guten Song? "Wenn ich mir Songs von anderen Leuten anhöre, dann denke ich, dass ein guter Song einer ist, der dich etwas fühlen macht. Und das kann dann ja alles Mögliche sein." Dennoch kommt Jades Songwriting total ungezwungen daher. Was ist denn für sie eine Herausforderung? "Eine Herausforderung - hm...", überlegt sie, "also eine Herausforderung war in gewisser Weise zu entscheiden, welche Songs auf die Scheibe sollen. Ich schreibe ja sehr viel, und wie ich schon sagte, hatte ich kein Sozialleben als ich aufwuchs. Ich habe immer nur Songs geschrieben und deswegen habe ich sehr viele davon. Eine Herausforderung ist dabei, sie irgendwie zu bewahren. Es ist nämlich so, dass - wenn man einmal einen Song geschrieben hat und den einige Zeit nicht spielt, dann vergisst man den auch wieder. Ich fürchte, ich habe so einige Songs verloren, einfach weil ich sie vergessen habe. Ich versuche immer noch, herauszufinden, wie ich die Songs bewahren könnte." Nun - indem man sie aufnimmt, niederschreibt und archiviert zum Beispiel. "Manchmal tue ich das ja", erklärt Jade, "aber ich schreibe so viel, dass ich gar nicht immer dazu komme, sie aufzunehmen. Ich sage das jetzt nicht, um zu prahlen, aber ich mache halt nun mal nichts anderes. Das ist manchmal ganz schön überwältigend. Und dann noch was: Was mache ich denn, wenn mein Computer kaputt geht - oder mein Handy? Außerdem: Da ich quasi ohne Technologie aufgewachsen bin, sind die meisten meiner Songs handgeschrieben. Wie soll ich die denn archivieren? Hm - ich denke, da werde ich mir mal was einfallen lassen müssen." Nun ja: Das ist dann ja für eine Songwriterin schon ein ausgewachsenes Luxus-Problem.

Jade Jackson
Was ist denn letztlich das Befriedigendste an diesem Job? "Das sind aber schwierige Fragen", überlegt Jade, "es gibt so viele verschiedene Sachen, die toll sind. Ich denke, es sind die einfachen Dinge, wie zum Beispiel meine Songs mit einem Publikum teilen zu können - seien es auch nur zehn Leute, oder eben ein paar Tausend, wie auf der Tour mit Social Distortion. Wenn du auch nur eine Person im Publikum findest, die irgendwie berührt ist - vielleicht ein bisschen weint oder erkennbar das Erlebnis mit anderen teilt - dann ist das wie mit dem guten Song, nach dem du eben gefragt hast: Wenn man etwas Fühlen kann - bzw. mit seinen Songs jemanden zum Fühlen bringen kann, dann ist das das Lohnendste, was man sich vorstellen kann." Okay - und was ist dann im Gegenzug am Schwierigsten (mal abgesehen davon, die eigenen Songs nicht zu vergessen). "Weißt du, ich sollte diese Frage schon mal beantworten und habe versucht, eine Antwort dazu zu finden", zögert Jade, "und ich bin dann zu dem Schluss gekommen, einfach gar keine negativen Assoziationen mit meiner Arbeit zu verbinden - einfach weil alles so großartig ist. Und das, was vielleicht schwierig ist, bietet auch immer eine Gelegenheit, etwas lernen zu können." Wie sieht Jade denn ihre Situation im Allgemeinen? "Nun, ich bin jetzt 25 Jahre alt und habe mich entschlossen, Musikerin zu sein. Damit schwimme ich ein wenig gegen den Strom", führt sie aus, "viele meiner Freunde und Bekannten haben geheiratet und haben Kinder bekommen und ich eben nicht - das tut dann manchmal schon ein wenig weh. Aber im Großen und Ganzen ist das natürlich in Ordnung, denn das habe ich ja so akzeptiert und ich mache ja genau das, was ich immer machen wollte." Nun ja, da erübrigt sich ja eigentlich die Frage, ob Jade vielleicht noch einen Plan B hatte? "Nein, ich habe keinen Plan B", bestätigt sie dann auch gleich, "ich habe ein wenig im Restaurant meiner Eltern gearbeitet und bin dann aber gleich auch auf die Musikschule gegangen - wo ich mir zwischen den Cellisten und Posaunisten allerdings ein wenig deplatziert vorkam, weil ich mir bis dato alles selbst beigebracht hatte. Das war dann vielleicht mein Plan B - aber am Ende meiner Schulzeit hat mich dann auch gleich Mike Ness kontaktiert - da hatte sich das erledigt." Abgesehen von dem Aspekt, dass die Scheibe nun veröffentlicht worden ist - was ist Jade Jackson am wichtigsten? "Ich denke, mir ist am Wichtigsten, was im Hintergrund alles für mich passiert ist", überlegt Jade, "das Verhältnis zu meiner Familie und die Freundschaft, die ich mit den Musikern geschlossen habe. So viele Leute haben mir mit meiner Musik geholfen - und da bin ich unendlich dankbar für." Wie geht es für Jade Jackson nun weiter? "Nun, ich sagte ja bereits, dass ich diesen Tunnelblick entwickelt habe, als ich jünger war", erklärt sie, "und das hat sich immer noch nicht geändert. Ich will einfach weiterhin auch viele Songs schreiben und diese teilen. Um das erreichen zu können, muss man sich natürlich im Business auskennen - und das lerne ich gerade noch. Ich habe ja jetzt ein Management und einen Booking-Agent und so etwas. Damit muss ich noch lernen umzugehen. Nur eines kann ich sagen: Ich werde auf gar keinen Fall aufgeben, sondern immer weiter machen." Nicht, dass man das in Zweifel ziehen wollte, denn Jade Jackson scheint eine jener Musikerinnen sein, die niemals eine echte Wahl hatten, sondern der Musik schlicht - zudem aus den richtigen Gründen - mit Haut und Haaren verfallen sind.
Weitere Infos:
jadejackson.com
www.facebook.com/jadejacksonband
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Jade Jackson
Aktueller Tonträger:
Gilded
(Anti/Indigo)




Jade Jackson

 
 

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