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TWIN BANDIT
Twin Bandit
Gegensätze ziehen sich an, so heißt es. Auch bei Hannah Walker und Jamie Elliott war es so. 2013 trafen sich die beiden jungen Kanadierinnen in der von Hannahs Mutter in Vancouver ins Leben gerufenen Saint James Music Academy, wo sie für die dort unterrichteten unterprivilegierten Kinder und Jugendlichen kochten. Als Hannah bei der Arbeit ein altes Traditional sang und Jamie in perfekter Harmonie einstieg, war schnell klar, dass die beiden zusammen mehr als die Summe der einzelnen Teile sein würden. Seitdem begeistern sie gemeinsam als Indie Folk-Duo Twin Bandit.

Dabei sind die beiden nicht nur stimmlich recht unterschiedlich, sondern auch charakterlich. Während Hannah forsch und extrovertiert auftritt, schwingt bei Jamie auf und abseits der Bühne eine gewisse schüchterne Melancholie mit. Auf ihrem Ende letzten Jahres veröffentlichten Debütalbum "For You" gelingt es ihnen dennoch spielend, die Unterschiede zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen. Beeinflusst von den Louvin Brothers, Kate And Anna McGarrigle, Simon And Garfunkel und Fleetwood Mac wandeln die beiden Schwestern im Geiste mit fantastischem Close Harmony-Gesang bisweilen ein wenig auf den Spuren von First Aid Kit, schätzen sie doch im Studio durchaus einen modernen Touch. Trotzdem ist auch auf "For You" viel Platz für alte Americana-Traditionen, für sehnsüchtige Pedal Steel-Klänge ("Tides"), eine über den Folk-Tellerrand schauende Jazz-Trompete ("Crown") und Texas-Flair ("Rosalyn").

Live auf der Bühne klingen die Lieder des Duos dann allerdings noch echter und lebhafter. Bei ihrem umwerfenden Gastspiel in der Haldern Pop Bar Anfang Februar bitten sie nach einem ersten Gänsehaut-Moment mit John Prines Großtat "Angel From Montgomery" ihre Musiker mit Geige, Keyboards, Bass und Schlagzeug auf die Bühne, um gemeinsam und mit viel Enthusiasmus die Songs ihres Erstlings durcheinanderzuwirbeln. Anders als auf der Platte klingen die Stücke dann zumeist deutlich bodenständiger und auf willkommene Art handgemachter, und das herrliche "Wir sind auf Klassenfahrt"-Feeling, dass die Band samt ihrer Entourage auf ihrer allerersten Europatournee versprüht, sorgt dafür, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Dabei ist das alles durchaus Konzept, wie überhaupt alles wohlüberlegt ist, was die zwei machen. Das beweisen auch die Antworten unseres Interviews.


1. Was ist eure Definition von "guter Musik"?

Hannah: Gute Musik, egal in welchem Genre, reflektiert für mich echte künstlerische Integrität, Inspiration und Leidenschaft. Ist das zu cheesy? Ist mir egal, denn es stimmt! Es gibt bestimmte Songs oder Musikstile, die ich mir in meiner Freizeit nicht anhören würde, aber ich kann praktisch alles wertschätzen, solange es in die zuvor genannten Kategorien fällt.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Hannah: Wenn wir nur den wichtigsten Einfluss auswählen dürfen, dann waren das sicher wir beide. Es gab so viele verschiedene Ideen, weil wir mit vielen verschiedenen Arten der Wertschätzung für Musik, Produktion und Songwriting aufgewachsen sind. Als wir uns vor zweieinhalb Jahren getroffen haben, dauerte es nur wenige Wochen, bis wir neues Material schrieben. Seitdem haben wir nicht mehr aufgehört, und durch die Art und Weise, wie wir uns gegenseitig herausfordern, aber auch ergänzen, wenn es um unsere musikalische Ideologie geht, haben wir in gewisser Weise einen einzigartigen Sound inspiriert.

3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?

Hannah: Ich denke nicht, dass jeder unser Album kaufen sollte. Es als Musik für jedermann anzupreisen, wäre falsch. Indie Folk ist bisweilen etwas gewöhnungsbedürftig und unsere Musik ist da keine Ausnahme, auch wenn sie oft sehr sanft ist. Unsere Songs handeln häufig von gebrochenen Herzen, aber es gibt subtile Untertöne in unseren Geschichten, die sich mit heftigen menschlichen Erfahrungen wie Sucht oder Tod beschäftigen. Unsere Stärke als Duo ist das Geschenk der Gesangsharmonien, die sich gut für die uralte Tradition des Geschichtenerzählens in Songs eignen. Dies haben wir instrumental mit einer leicht modernen Herangehensweise vereint. Jeder, der sich von diesem Schmelztiegel der Konzepte angesprochen fühlt, wird unser Album sicher mögen!

4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musiker gekauft?

Hannah: Es ist nicht besonders glamourös, aber ich bin ziemlich sicher, dass wir unsere ersten Einkünfte dazu benutzt haben, die Miete zu zahlen. Zum Glück war das Haus, in dem wir gelebt haben, schräg und schön und es hat uns zu vielen nächtlichen Songwriting-Sessions und Ideen für unser Album inspiriert.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Musiker werden wolltet?

Jamie: Ich kann nicht sagen, dass es einen bestimmten Auslöser dafür gab, dass ich Musikerin geworden bin. Es war mehr eine Anhäufung von Erfahrungen, die mich auf den Weg gebracht hat. Schon in einem sehr jungen Alter fühlte ich mich inspiriert, zu singen und Musik zu machen. Ich habe mich selbst auf dem Fisher-Price-Kassettenrekorder aufgenommen, war Mitglied in Chören, hatte Gesangs- und Klavierunterricht. Wann immer ich mich über die Jahre von einer musikalischen Darbietung, oder eigentlich sogar jeglicher Art von Kunst, inspiriert oder bewegt gefühlt habe, hat mich das motiviert, auch selbst kreativ zu werden.

6. Habt ihr immer noch Träume - oder lebt ihr den Traum bereits?

Jamie: Ich habe definitiv noch Träume. Im Idealfall wäre ich gerne eine Musikerin mit einer gewissen Stabilität, sprich: Ich hätte gerne immer Konzertbuchungen für ein ganzes Jahr im Voraus und, am wichtigsten, die Chance, eine Karriere als Musikerin und eine Familie zu vereinen.

7. Was war eure größte Niederlage?

Jamie: Ich würde sagen, meine größte Niederlage sind Schreibblockaden. Als Singer/Songwriterin ist es das Schlimmste, wenn du nicht schreiben kannst. Meine Schreibblockaden können mir ganz schön zusetzen, sie dauern Monate, manchmal sogar ein Jahr. Wenn ich sie dann allerdings überwinde und wieder schreiben kann - es gibt kaum ein besseres Gefühl!

8. Was macht euch derzeit als Musiker am glücklichsten?

Jamie: Im Moment machen mich erfolgreiche Konzerte am glücklichsten. Wenn Hannah und ich auf die Bühne gehen und nach ein, zwei Songs wissen, dass die Zuschauer bei der Sache und empfänglich sind für das, was wir machen, und wir uns mit ihnen verbunden fühlen, dann steht fest, dass es ein erfolgreiches Konzert wird. Wenn die Texte und Akkorde mit dem gleichen Maß an Vergnügen und Herausforderung einfach nur so aus uns herausströmen und wir gar nicht mehr aufhören wollen - das sind die Momente, in denen sich alles auszahlt.

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Jamie: Das kann ich nicht beantworten! Ich habe lange darüber nachgedacht, aber ich habe keine Meinung dazu. Der Song, den ich am wenigsten mag, ist vielleicht die Lieblingsnummer von jemand anders, und insofern gibt es keinen schlechtesten Song, der je geschrieben wurde.

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf eurer Gästeliste stehen?

Jamie: Ich hätte gerne Loretta Lynn auf meiner Gästeliste, denn sie ist eine meiner Lieblingsmusikerinnen überhaupt. Über die Jahre war sie eine riesige Inspiration für mich und ich schätze mich glücklich, dass ich sie vor einiger Zeit mal live sehen konnte. Ich liebe die Ehrlichkeit in ihren Texten, die Schönheit ihrer Melodien und ich bewundere ihre Stärke und ihren Erfolg im Leben.

Weitere Infos:
www.twinbandit.com
www.facebook.com/twinbandit
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
Twin Bandit
Aktueller Tonträger:
For You
(Nettwerk/Soulfood)




Twin Bandit

 
 

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