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ANORAK.
anorak.
Im Februar veröffentlichten sie ihre "Kalter Frieden"-EP, jetzt schieben die rheinländischen anorak. das Album "Enthusiasts & Collectors" hinterher. Ein wundervoll-verschrobenes Album voller Post und Hardcore, voller Emotionen und Leidenschaft. Elf Songs stark und zu keiner Sekunde schlecht. Und das brauchte seine Zeit. "Den ersten Song für das Album haben wir vor ca. vier Jahren geschrieben, bis zur Vorproduktion für das Album gingen dann zwei Jahre ins Land, bis das Album aufgenommen wurde ein weiteres. Die Phase der Produktion war also sehr lang und nicht so, wie man es sich klassischer Weise vorstellt. Wir haben aber bis zum letzten Tag der Aufnahmen an den Songs gefeilt und letztendlich ist jetzt dieses Album dabei rausgekommen", blickt Schlagzeuger Giulio Bason zurück.

Hier läuft das Video zu "Morning View".

Das gute Stück erscheint auf Uncle M. "Nachdem wir unser Album fertig hatten, haben wir es an einige Labels zum reinhören geschickt. Vor Uncle M standen wir bereits mit einem anderen Label in Kontakt, bis sich dann Mirko (Uncle M) meldete. Wir machten dann einen Termin bei ihm in Münster aus und steckten ein wenig die gegenseitigen Erwartungen ab. Das, was Mirko von uns als Band forderte, war sicherlich ein Kriterium, was uns letztendlich zu einer Entscheidung für Uncle M bewegte. Wir fanden es spannend, dass er recht hohe Ansprüche an die Künstler stellt. Von nichts kommt ja schließlich auch nichts", erzählt Bason. Und Sänger Philipp Lessel ergänzt: "Wir haben bewusst nach Labels gesucht, die eher in Richtung Punk gehen als reine Core Labels, da wir uns mehr in der Polit- und DIY-Szene gesehen haben. Uncle M in Persona Mirko hat uns mit seiner gelebten Attitüde des DIYs, verbunden mit einer enormen Professionalität überzeugt, mit ihm den Weg zu gehen. Darüber hinaus hat man von Anfang an gemerkt, dass Mirko an uns glaubt und vorhandene Potentiale voll und ganz ausschöpfen möchte und auch weiß, wie dies zu bewerkstelligen ist. Ich freue mich, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen können."

Gemeinsam wurde dann wohl auch entschieden, dass "Enthusiasts & Collectors" nur auf Vinyl und digital erscheint. Gitarrist Julian Pache: "Wir haben einen CD-Player, aber da sind immer nur CDs von 2006 drin."


1. Was ist eure Definition von "guter Musik"?

Giulio: Schwierige Frage. Aber in erster Linie sollte gute Musik vor allen Dingen eins sein: ehrlich. Dazu braucht es nicht unbedingt überteuerte Produktionen, nach denen die meiste Musik sowieso sehr ähnlich klingt. Weniger ist manchmal mehr. Gute Musik schafft meistens eine ganz besondere Atmosphäre und hat Alleinstellungsmerkmale, die sie von "ganz okayer" Musik unterscheidet und deshalb zu "guter Musik" macht.

Marc: Völlig unabhängig von Genre oder sonstigem, man muss hören, dass die Musik aus Leidenschaft gemacht, dann reißt es einen auch automatisch mit, und gute Musik catched einen immer irgendwie!

Julian: Musik ist eine Sprache, die ein Gefühl und eine Atmosphäre übermittelt. "Gute Musik" lässt mich alles um mich herum vergessen. "Gute Musik" zeichnet sich bei mir vor allem dadurch aus, dass ich mit ihr immer eine konkrete Stimmung verbinden kann, die ich zum Beispiel in der Vergangenheit hatte, als ich sie zum ersten mal gehört habe. "Gute Musik" verbinde ich so zum Beispiel auch mit Menschen, die mich beeinflussen oder Lebensabschnitten aus der Vergangenheit. Mit "schlechter Musik" ist es leider ähnlich...

Patrice: Eine Standard-Definition gibt es für mich nicht. Die Musik muss mich einfach catchen. Das können Überraschungsmomente, eine charmante Stimme oder einfach nur markante Sounds der Instrumente ausmachen.

Philipp: Für mich ist gute Musik ehrliche Musik. Darunter verstehe ich jegliche Musik, die mit Herz gemacht ist. Vollkommen genreunabhängig. Ob es mir dann gefällt, ist eine andere Sache, aber ich kann anerkennend sagen, das haben die gut gemacht.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Giulio: Wieder so eine schwierige Frage. Das müsste eigentlich jeder von uns ganz individuell beantworten, da die Songs über einen relativ langen Zeitraum entstanden sind, jeder einzelne verschiedene Lebensphasen durchschritten hat und wir alle einen verschiedenen Musikgeschmack haben, der sich an manchen Punkten kreuzt und in unserer eigenen Musik verbindet.

Marc: Der Einfluss war eigentlich der Prozess, über die Jahre zusammen Musik zu machen. Kein besonderer musikalischer Einfluss, sondern eher dieser Zeitfaktor, das zusammen wachsen und sich verändern spielen da eine Rolle. Wir und unsere Lebenswandel waren also irgendwie die Einflüsse.

Julian: Definitiv meine besten Freunde: anorak. und unsere gemeinsame Dynamik als Kollektiv. Unsere Diskussionen und vor allem Erlebnisse, die wir geteilt haben.

Patrice: Ich glaube, der größte Einfluss neben den ganzen unterschiedlichen Musikgeschmäckern innerhalb der Band ist die Freiheit, die wir beim Songwriting und Recorden hatten. Es gab keine künstlerische oder zeitliche Vorgabe.

Philipp: anorak. ist eine Fusion von fünf Individuen. Klar hat man immer fünf Individuen, wenn fünf verschiedene Menschen kommen, aber wir haben versucht und versuchen auch immer noch, unsere Unterschiedlichkeit zu nutzen. So stellt unsere Platte einen Querschnitt aus uns fünf dar, der Platz für die musikalischen Einflüsse aller bietet. Das dauerte zu Beginn dann etwas länger, aber mittlerweile haben wir da einen guten Weg zusammen gefunden.

3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?

Giulio: Weil es ehrlich ist. Weil es bis oben hin voll mit Liebe ist, und weil ich glaube, dass wir als Musiker ein Recht darauf haben, angehört zu werden. Aber es soll bloß nicht jeder kaufen, das wäre ja grausam...

Marc: Weil's geil ist und es, wenn sie jetzt bestellen, noch dieses Handy-Feuerzeug gratis dazu gibt!

Julian: Weil man dann in ein paar Jahren von sich behaupten kann: "Die habe ich damals schon gehört, als die noch keiner kannte! Und dazu hab ich auch noch ein Unikat der ersten 500er Auflage!"

Patrice: Wegen ist geil.

Philipp: Hier kann ich nur Bezug auf die "gute Musik" nehmen. Es ist gute Musik, da es voller Herz ist. Über Geschmack lässt sich bekanntlich aber nicht streiten und deshalb sollte jeder mal reinhören, aber kaufen brauchen es auch nur die, denen es auch zusagt.

4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musiker gekauft?

Giulio: Welche Gage? Wir nennen das immer Spritgeld und sind froh darüber, wenn es reicht, um wieder nach Hause zu kommen. Wobei, wenn ich länger drüber nachdenke, erinnere ich mich an eines unserer ersten Konzerte noch als Never Been So Far, da gab es einen Gutschein für einen Musikladen in Solingen. Den haben wir dann in ein Shure-Mikro investiert.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Musiker werden wolltet?

Giulio: Als Musiker im eigentlichen Sinne würde ich uns nicht beschreiben, denn von uns kann keiner von der Musik leben, wir studieren oder arbeiten alle noch nebenbei. Wir haben uns damals vor rund zehn Jahren das erste Mal in einem Keller eines ehemaligen Bandkollegen getroffen und angefangen, ein bisschen herumzuschrammeln und zu -trommeln. Irgendwann wurde uns das immer wichtiger und man hat mehr und mehr Zeit investiert und dann kam auch der Wunsch auf, das Ganze zu professionalisieren.

Marc: Immer Musik geballert, damals Punk Rock und Pop Punk, da will man irgendwann auch! Außerdem braucht jeder ein Hobby und bei Musik kann man mehr Party machen als beim Sport!

Julian: Die Musik selbst und die Tatsache, dass man nicht nur für sich selbst Musik machen sollte. (Das macht man sowieso.)

Patrice: Ich weiß nicht. Das kam von alleine. Gitarrenunterricht... Smells Like Teen Spirit. Ich war 12 und es war geil.

Philipp: Ich weiß, dass ich schon immer in alle Freundesbücher geschrieben ahbe, dass ich Sänger werden möchte. Meine Liebe zur Musik kommt glaub ich daher, dass mein Vatta mich immer früh mit Musik beschallt hat. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch mein großer Cousin, der mich immer mit Musik versorgt hat. Angefangen in der zweiten Klasse mit Dookie und dann nie wieder aufgehört. Mittlerweile bekommt er von mir die Musik. Ein nehmen und geben. Danke dafür!

6. Habt ihr immer noch Träume - oder lebt ihr den Traum bereits?

Giulio: Im letzten halben Jahr ist so viel passiert, dass man eigentlich sagen kann, dass wir bereits unseren Traum leben. Unser Album wird jetzt bald veröffentlicht, wir touren in ganz Deutschland und teilweise auch dem näheren Ausland herum - hätte uns das jemand vor zehn Jahren, oder vielleicht sogar noch vor zwei Jahren gesagt, hätten wir ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Aber jetzt sind wir an diesem Punkt und es wird von Tag zu Tag aufregender. Ein Traum wäre vielleicht das nächste Album.

Marc: Gerne mal so ein schönes Festival spielen, völlig Latte welche Uhrzeit, Hauptsache mal so ein größeres Teil mit Sonne!

Julian: Ich denke, wir leben den Traum bereits, zumindest den Anfang. Mein größter Traum ist im Moment mit dem, was wir machen, wenigstens weiter Aufnahmen zu finanzieren. Geld ist ein Arschloch.

Patrice: Entweder lebe ich den Traum oder ich habe keinen Traum. Bisher läuft alles gut und zu große Wünsche enden häufig nur in Enttäuschung.

Philipp: Das, was hier grade passiert, ist wunderbar und kommt einem Traum nahe. Mein großer Traum war es immer, eine Deutschlandtour zu spielen. Die steht nun nächsten Monat an. Bei diesem Traum bleib ich auch. Vielleicht bekommen wir ihn von Mal zu Mal perfektioniert.

7. Was war eure größte Niederlage?

Giulio: Mir fällt da jetzt spontan nichts ein, was man als Niederlage betiteln könnte. Es gab sicherlich immer wieder mal Rückschläge, die uns allerdings nicht aufgehalten haben. Wir haben unbeirrt immer weiter Musik gemacht und anscheinend hat es sich gelohnt, dran zu bleiben und hartnäckig zu sein.

Marc: CL Finale 2013! Sonst kann man das so nicht sagen, wenn es mal Rückschläge gab, haben wir uns ja immer was überlegt. Wobei vielleicht größte Niederlage erstes Mal Studio zusammen nach katastrophalen Drumspuren gar nicht erst weiter gemacht!

Julian: Da gab es tatsächlich schon mehrere... konkret außerhalb der Musik, der Diebstahl und Einbruch in mein Auto in Hamburg. Das war ein finanzieller Schlag ins Gesicht. In Chmenitz hatten wir auf der letzten Tour definitiv ein übles Publikum. Alle saßen an ihren Tischen und haben uns ignoriert.

Patrice: Frankfurt. Wenn der Veranstalter allen absagt, außer den Bands. Vielleicht auch der ausgeloste Opener-Slot beim Emergenza NRW-Finale (wer will schon als erstes um 18 Uhr antreten?). Aber das ist schon längst verkraftet.

Philipp: Das Wort Niederlage finde ich absolut nicht angebracht. Klar gibt es scheiß Konzerte oder es passiert einem irgendwas. Aber eigentlich sind wir immer gestärkt mit einem großen Lerneffekt aus so Situationen raus gekommen.

8. Was macht euch derzeit als Musiker am glücklichsten?

Giulio: Wenn unsere Musik gehört wird und sie dann auch noch gefällt. Außerdem ist das Touren extrem stark. Wir haben gerade erst unsere erste richtige Tour hinter uns und man kann sagen, es ist alles wahr, was man sich erzählt! Man trifft saunette Menschen aus den anderen Bands, lernt Städte kennen, in denen man vorher vielleicht noch nie war und trinkt eventuell auch das ein oder andere Bier. Außerdem schläft man im günstigsten Fall auf ranzigen Couches oder auf einer Isomatte auf dem Boden und man freut sich auf das eigene Bett daheim. Und dennoch können wir die nächste Tour kaum abwarten, wenn wir unser Album im Gepäck haben.

Marc: Einfach spielen zu dürfen und zu sehen, dass es tatsächlich ein bisschen wächst und auch Leuten gefällt.

Julian: Das wir alle zusammen in einem Auto durch Deutschland fahren dürfen und viele neue Menschen kennenlernen dürfen.

Patrice: Wir haben nun die Chance bekommen, auch mal außerhalb des Nestes für Furore zu sorgen. Der Ball liegt jetzt bei uns.

Philipp: Für mich ist das Schönste zu sehen, dass wir Menschen mit etwas, das uns so große Freude bereitet, auch Freude bereiten können. Ganz narzisstisch finde ich es auch toll zu sehen, wie Leute im Publikum Texte mitsingen, die ich mir ausgedacht habe.

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Giulio: Ganz klar: irgendeins von Nickelback.

Marc: Gibt es sowas? Je nachdem wie man drauf ist, kann ja alles geil sein! Sonst vielleicht dieser Crazy Frog-Scheiß!

Julian: Was von Helene Fischer.

Patrice: Wenn ich tatsächlich ein "schlechtestes Lied ever!" im Kopf hätte, würde ich es vermutlich sogar feiern. Ansonsten fallen mir da sämtliche deutsche Casting Pop-Bands ein.

Philipp: Songs, die rein des Geldes wegens geschrieben worden sind. Und ich kann diesem ganzen blablabla-ich-kiffe-den-ganzen-Tag-und-knall-eine-Bitch-weg-Gelaber auch so gar nichts abgewinnen.

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf eurer Gästeliste stehen?

Giulio: Für mich wäre das Dave Grohl. Ich glaube, ich brauche nicht weiter erläutern warum. Er ist einfach einer der größten Musiker der gegenwärtigen Musikgeschichte und dazu scheint er noch ein ganz feiner Kerl zu sein.

Marc: David Hasselhoff kommt von mir aus immer rein!

Julian: Kurt Cobain.

Patrice: Kurt Cobain! Sonst keiner.

Philipp: Chuck Ragan.

Weitere Infos:
www.anorakband.org
www.facebook.com/anoraktheband
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
anorak.
Aktueller Tonträger:
Enthusiasts & Collectors
(Uncle M/Cargo)




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