Wenn man es mit den Worten von Mittelerde beschreiben möchte, hört sich das, was das dänische Trio Cryoshell hier auf die Beine stellt, an wie Ork-Rock mit Elben-Gesang und einer Prise Hobbit-Folk. Nun haben Orks ja schlechte Zähne, Elben doofe Ohren und Hobbits zu große Füße – doch das hält Cryoshell nicht davon ab, mit den vorhandenen Versatzstücken im Prinzip alles richtig zu machen und so eine bombastisch-orchestrale Doom-Pop-Scheibe hinzulegen, der man eigentlich am Ende nur noch vorwerfen könnte, dass das alles nicht besonders neu oder originell ist. Ansonsten aber bieten Christine Lorentzen und ihre Mannen alles, was das Genre an Zutaten bereit hält: Wuchtige Gitarrenriffs, ein angelisches Gesangstimbre, perlende Keyboardläufe, Melodiebögen mit starkem Desolations-Faktor und opulente Orchester-Passagen. Dass die Band als Auftragskomponisten für die Lego Roboter-Spielzeugreihe Bionicle ihre Laufbahn begann, hört man der ziemlich artifiziellen Melange dann aber doch an. Die Japaner nennen diese Art von Manga-Pop „Visual Key“ – wobei allerdings angemerkt werden muss, dass Cryoshell am Ende doch versöhnlicher und mit mehr potentiellen Genre-Hits dastehen, als das diese Musik eigentlich verlangt.
„Cryoshell“ von Cryoshell erscheint auf VME/Soulfood.




