Jim Cuddy ist – neben Greg Keelor – einer der beiden kreativen Köpfe hinter der kanadischen Americana-Band Blue Rodeo. Dieses Album bedeutet nicht, dass Cuddy nun eine Solo-Karriere lostreten will, sondern es ist eines dieser Side-Projects, die sich ergeben, wenn die Mutterband ein Mal eine Auszeit nimmt. Das kommt nur alle Jubeljahre vor, weswegen dieses – nach 1998 und 2006 – erst Cuddys drittes Solo-Album ist. Wie das eigentlich auch richtig ist, konzentriert sich Cuddy für seine Solo-Arbeiten auf Material, das im Band-Kontext nicht so ganz gepasst hätte. Und so präsentiert er sich auf diesem Blue Rose Debüt als romantischer Songwriter mit Pop-Affinitäten und einer Prise Southern-Soul (was für kanadische Künstler gar nicht mal so ungewöhnlich ist).
Roots-Rock findet nur im Ansatz statt – dann aber besonders pointiert und effektiv. Bei all dem haucht er – mit Pomp und Grandezza (hauptsächlich Keyboards und Bläsern, aber auch vielschichtig aufgetürmten Gitarren) an den richtigen Stellen – dem eigentlich argwöhnisch zu betrachtenden Subgenre der Power-Balladen neues, unbedarft frisches Leben ein. Dadurch wirkt die Sache ein wenig „Larger Than Life“ als „normale“ Americana-Produktionen. Daran mögen auch die universellen Themen nicht ganz unschuldig sein – von der Kontemplation urbaner Seins-Zustände im Titeltrack bis hin zur songmäßigen Aufarbeitung der letztjährigen „Royal Wedding“ ist so ziemlich alles dabei. Insgesamt gefällt diese Scheibe, weil sie eben mal etwas anderes bietet als die regelgerechte Aneinanderreihung traditionell korrekter Klischees.
„Skyscraper Soul“ von Jim Cuddy erscheint auf Blue Rose Records/Soulfood.




