Bereits auf ihrer Debüt-EP „Bye Bye Blinders“ aus dem letzten Jahr steckte die luxemburgische Wahl-Düsseldorferin Florence Besch das Terrain ab, in dem sie sich zukünftig zu positionieren gedachte. Allerdings nur prinzipiell. Denn wie nun auf ihrem Debüt-Album „Hi Now Hello“ deutlich wird, ging es ihr bei diesem Abstecken nicht um ein bestimmtes musikalisches Genre, sondern eher die Attitüde: Alles kann bei Florence, nichts muss und irgendwelchen Regeln folgt sie schon mal gar nicht. Sowohl auf „Bye Bye Blinders“ gibt es quirligen, unberechenbaren, unterhaltsamen und zugänglichen Indie-Pop mit klar definierter Songwriter-Basis – wobei der Unterschied zwischen der EP und der LP hauptsächlich im inzwischen souveräner gewordenen produktionstechnischen Umfeld zu suchen ist. Inhaltlich gibt es nachdenkliche Selbstfindungs-Lyrics, zwischen denen Florence mit einer gewissen naiven Note – die zweifelsohne von ihrem mädchenhaften Gesang herrührt – geschickt politische und soziale Kommentare mit poetischer Note und gelegentlichen Aphorismen einzuweben versteht. Beispielsweise wird der erste Song des Albums aus der Sicht einer Ameise erzählt – und somit von kleinen aufs Große schließend, während sie in dem Song „Toast“ eben einen Toast als Sinnbild der Welt sieht.
Musikalisch verwendet Florence, was sich nicht wehrt – wobei sie immer wieder interessante Sounddesigns für die verschiedenen Stimmungen ihrer Songs findet. Ist das New Wave-, Schrammel-, E-, Dream- oder Folk-Pop? Die Antwort lautet: Ja – und noch viel mehr. Nach Vergleichen mit anderen Acts aus der Indie-Szene braucht gar nicht erst gesucht werden – und zwar nicht, weil Florence Besch absolut einzigartig ist, sondern weil bei ihr offensichtlich eben alles möglich ist. Und einen Killer-Song wie „Feeling Sick“ müssen auch etabliertere Routiniers erst mal so hinbekommen.
„Hi Now Hello“ von Florence Besch erscheint auf Unique.




