Da die nach einem Video-Spiel benannte, aus Los Angeles stammende Künstlerin Ember Knight sich gleichermaßen als Comedienne wie auch als Musikerin und DJane betätigt, ist davon auszugehen, dass sie sich gut überlegt hat, was sie auf ihrem aktuellen Album macht. Dabei handelt es sich nämlich um ein klassisches Breakup-Album – das allerdings überhaupt nicht wie ein klassisches Breakup-Album klingt. Ember Knight seziert mit schonungsloser Offenheit und brutaler Ehrlichkeit auf den sieben Tracks des Albums die verschiedenen Phasen der Desolation, die mit dem Zerfall ihrer siebenjährigen Beziehung mit Bobby Conn – dem Produzenten ihrer Comedy Show – einhergingen.
Dabei durchsetzte Ember ihre teils wirklich erschütternden Lyrics mit zahlreichen Referenzen an Charaktere und Szenarien von Lord Of The Rings – wahrscheinlich weniger, um den Comedy-Aspekt zu bedienen (den sie dann aber im Artwork und visuell auslebt), sondern um die Schwierigkeiten und Zerwürfnisse, die ein solcher Prozess mit sich bringt, anschaulich darstellen zu können.
Auch stilistisch erlegt sich Ember Knight keinerlei Einschränkungen auf und pflügt meisterhaft durch so verschiedene Genres wie, R’n’B-Noir-Pop („Always“) klassischen Barbie-Bubblegum-Pop („Greenlight“, „Unnamed“), elegischen Dreampop („Pandora“, „What Dreams May Come“), ambitioniert strukturierten Chamber- und Kook-Pop („Strawberries“) und absoluten Barbie-Nonsense („Water Can Fly“). Dabei gibt es dann auch noch dezente Hip-Hop-Akzente und sogar hippieske Folk-Einlagen mit Glöckchen und Harfen. Dabei zeigt sich Ember als Performerin äußerst wandlungsfähig und arbeitet (außer mit ihrer klassischen Gesangsstimme) hemmungslos mit Autotune, Mickymaus-Effekten, Rap-Einlagen, Despatch-Mikes und gestaffelten Harmonie-Chören, um die verschiedenen Facetten ihrer Charaktere und/oder Seinszustände zu demonstrieren.
Aber zu verlachen gibt es – dank der kämpferischen Empowerment-Lyrics – nichts: Das Ganze funktioniert – trotz des wuseligen Sound-Mix – als (Konzept)-Album sehr gut – und an den Kompositionen gibt es auch ernsthaft nichts auszusetzen, da Ember Knight durchaus weiß, wie man Songs jenseits der Mitte schreibt und strukturiert, um zu schlüssigen Ergebnissen zu kommen.
„Water Can Fly!“ von Ember Knight erscheint auf flying ideal.