Platte der Woche KW 35/2025
Also zunächst mal sei gesagt, dass mit „When A Good Man Cries“, „Three Six Foive“ und vielleicht noch der Ballade „Iceberg“ tatsächlich ein paar Nummern auf dem dritten Album von Catherine Mary-Alice Thompson a.k.a. CMAT zu finden sind, die sich stilistisch dem Country-Genre zurechnen ließen. Allerdings ist der Titel des Werkes „Euro-Country“ sicherlich nicht als „face-value“ zu sehen, denn es ging der irischen Powerfrau keineswegs darum, das Country-Genre zu persiflieren, sondern vielmehr einen europäisch geprägten Blick auf die verwirrenden Zustände der aus den Fugen geratenen Weltordnung zu werfen – und dazu das von ihr präferierte musikalische Setting einzusetzen.
Der Titel des Albums bezieht sich also nicht alleine auf das Musik-Genre, sondern auf den europäischen Kontinent – zumindest den Teil, in dem der Euro als Zahlungsmittel gilt (wie beispielsweise Irland). Auch eine allegorische Bedeutung schreibt CMAT dem Titel des Albums zu: „Das Euro-Land ist die Art von Verlust, Schmerz und Gemeinschaftslosigkeit, unter der wir meiner Meinung nach unter der modernen allumfassenden Isolation leiden“, meint sie in ihrem Blog dazu.
Zusammen mit ihrem Partner, dem Produzenten Oli Deakin, entstand dieses Werk in einer Zeit persönlicher Turbulenzen – und zwar anstelle einer angedachten Auszeit zur Re-Evaluierung, die aufgrund einiger Schicksalsschläge und persönlicher Verluste indes nicht zustande kam. Das verleiht den Songs dann jene Dringlichkeit, die CMAT insbesondere auch auf der Bühne mit Verve und Inbrunst auslebt. Tatsächlich gelingt es CMAT und Deakin aber bei dieser Produktion, diese Art von systemimmanenter Energie auch im Studio einzufangen. Das auch deshalb, weil sich CMAT songwriterisch keinem musikalischen Sophismus hingibt, sondern konsequent und ohne Umschweife die Extreme umarmt. Das reicht dann vom wirklich hemmungslosen, persönlich gefärbten Glam- bzw. Chamber-Pop-Songs wie z.B. dem Titeltrack, „Take A Sexy Picture Of Me“ oder „Running / Planning“ über die bereits erwähnten „Euro-Country“-Tracks bis hin zu fast schon abstrakten Konzept-Stücken mit eigenartigen Referenzen wie „Billy Byrne From Ballybrack, The Leader Of The Pigeon Convoy“, „The Jamie Oliver Petrol Station“ oder dem abschließenden „Janis Joplining“.
Ohne Frage gehört CMAT zu jener Spezies von Künstlerinnen, denen ein Stil, ein Genre, eine Art sich auszurücken oder eine Idee pro Song einfach nicht ausreichen. Künstlerinnen, also, die mit einem allumfassenden Anspruch an die Sache herangehen – und für die die Musik dann auch gerne ein Mal deutlich größer als das Leben erscheinen darf (was im Falle von CMAT durch die Künstler- und Bühnenpersona noch ein Mal verstärkt wird). Gerade weil es auf „Euro-Country“ keine Kompromisse gibt und alles trotz des zuweilen nachdenklichen Tenors mit einer erkennbaren Lebensfreude ausgelebt wird, ist dieses Album auch noch mal eine Spur effektiver als die beiden Vorgängeralben „If My Wife Knew I’d Be Dead“ und „Crazymad, For Me“.
„Euro-Country“ von CMAT erscheint auf Cmatbaby/Membran.