Inzwischen sind 15 Jahre vergangen, seit Kevin Parker der Welt mit dem Tame-Impala-Debüt „Innerspeaker“ bewiesen hat, dass Rockmusik noch lange nicht tot ist. Mit diesem Album und dem ebenso brillanten Nachfolger „Lonerism“ katapultierte das australische Wunderkind den psychedelischen Rocksound, der den größten Teil der späten 60er-Jahre dominierte in die Gegenwart – und machte damit nicht nur Nerds und Stoner glücklich.
Fünf Jahre später hatte Parker seinen Sound auf „Currents“ zu einem Psych-Disco-beeinflussten Pop mit gigantischem Crossover-Appeal umgekrempelt und fand sich damit plötzlich ganz vorne in den Charts und in den größten Arenen der Welt wieder. Für „The Slow Rush“ aus dem Jahr 2020 schnappte er sich dann die Eingängigkeit des Vorgängers und ging mit Schlenkern zu Hip-Hop und House neue Wege.
Seitdem hat Parker mit Diana Ross, Dua Lipa, Gorillaz und Justice zusammengearbeitet und das verrät bereits, wohin die Reise beim neuen Tame-Impala-Werk geht, denn mit „Deadbeat“ verfolgt Parker weiter unbeirrt seine Liebe für tanzbare Popmusik. Doch abseits des feinen Ohrwurms „Dracula“, der an anderer Stelle bereits treffend mit den Songs von Pop-Overlord Max Martin verglichen worden ist, und des von den australischen Bush-Doof-Raves beeinflussten EDM-Bangers „Ethereal Connection“ hat man hier leider oft das Gefühl, dass Parker eher im Nebel stochert als sich locker ein weiteres Meisterwerk aus dem Ärmel zu schütteln.
Obwohl klanglich durchaus bombastisch, stehen hier eher minimalistische Vibes und melancholische Gefühle im Mittelpunkt. Das passt zwar ausgezeichnet zu den von Bedauern erfüllten Texten und sorgt dafür, dass „Deadbeat“ anders klingt als alle früheren Tame-Impala-Alben, allerdings fühlen sich viele der Lieder doch sehr skizzenhaft und hingeworfen an und keinesfalls wie ein Album, das fünf Jahre Zeit verschlungen hat.
Sucht man dennoch nach einem positiven Fazit, kann man Parker bescheinigen, dass er sich anders als viele andere Weltstars nicht an alte Erfolgsrezepte zu klammern scheint. Lieber macht er, was er will – und selbst wenn man das nicht immer gut finden muss: Respekt verdient er dafür allemal.
„Deadbeat“ von Tame Impala erscheint auf Columbia/Sony.




