Vier Alben hat Jesse Sykes zwischen 2003 und 2011 aufgenommen, die irgendwo zwischen spookigem Country, psychedelischem Folk und Indie-Rock eingeordnet werden können. Dann war Funkstille – bis jetzt. Zusammen mit Phil Wandscher, der einst mit Ryan Adams der großartigen Alternative Country-Band Whiskeytown vorstand, hat sie zehn Lieder entstehen lassen, die oft leicht wie eine Feder heranfliegen: beim Auftakt „Feather Treasure“ oder beim nachfolgenden „Gentle Chaperone“. Träumerische Nachdenklichkeit, die Suche nach einer geistig-emotionalen Heimat. Und am Ende türmen sich Gitarrenwände auf, die schließlich wieder einstürzen und Freiraum geben für eine Coda aus zart ausklingenden Tönen.
Manches plänkelt, hört man nicht so genau hin, etwas gleichförmig vor sich hin. Bei größerer Aufmerksamkeit lugen jedoch Streicher, Hammond-Orgel, Wurlitzer-Piano und viele Instrumente mehr hervor. Dennoch heißt man „Dead End Pools“ besonders herzlich willkommen, nimmt das schunkelige Stück doch ein bisschen Fahrt auf. Und dem Country-Twang von Wandschers Gitarre steht der dezent angekratzte, leichte Marianne Faithfull-Touch in Sykes Stimme prima zur Seite.
Das schlagzeuglose „Oh, My Sitter“ veredeln Mellotron und Cello, Marissa Nadler, eine Schwester im musikalischen Geist, steuert „Shadow Vocals“ bei und singt erneut im Titelsong „Forever, I’ve Been Being Born“ mit. Wandscher, Sykes‘ wichtigster Partner, brilliert an vielerlei Saiten: an Lap Steel- und E-Gitarre sowie mit Hilfe eines E-Bow. Neben Wandscher ist die Bratschistin Anne Marie Ruljancich von Beginn an ein wichtiges Mitglied in Sykes Band „The Sweet Hereafter“ und trägt vor allem hier zur atmosphärischen Dichte bei. „My Sweet Hereafter“ heißt zudem ein Folkstück, das nur mit Wandschers Akustikgitarre auskommt. Sykes singt über Lieder, die liegen geblieben sind, und wohl die Suche, nach 14-jähriger Auszeit wieder einen Platz im Musikgeschäft zu finden: „We’re here and we’re gone/Just trying to belong/In a place that we once knew/O my Sweet Hereafter/I’m coming home to you.“ Welcome back, Jesse!
„Forever, I’ve Been Being Born“ von Jesse Sykes & The Sweet Hereafter erscheint auf Ideologic Organ/Cargo.




