In ihrer französischen Heimat sind Nili Hadida und Benjamin Cotto a.k.a. Lilly Wood & The Prick schon seit sie 2010 ihr Debüt-Album „Invincible Friends“ veröffentlichten, ein großes Ding. In unseren Breiten wurde das für Live-Projekte zum Sextett aufgebohrte Duo aber erst 2014 bekannt, als Robin Schulz einen Teil ihres Songs „Prayer In C“ nutzte, um aus dem ursprünglichen Folksong einen Disco-Track zu machen, der zu einem veritablen Hit wurde, für den die Band dann 2020 eine diamantene Schallplatte für eine Million verkaufter Tonträger erhielt. Bereits mit ihrem zweiten Album „The Fight“ von 2012 hatten sich Lilly Wood & The Prick vom eklektischen Stil des Debüts abgewandt – auf dem neben Folk- auch Blues- und Indie-Pop-Songs zu finden waren – und machen seither in Sachen Old-School-Disco Sounds mit souligen Elementen.
Je nach Gemengelage agieren Lilly Wood dabei mal mit mehr und mal mit weniger elektronischen Bestandteilen. Auf der ziemlich konsequent ausgelegten neuen LP „Christina“ gibt es einen ausbalancierten Mix von elektronischen und organischen Bestandteilen, live gespielten und gesampelten Sounds – und im Falle des letzten Tracks „Zero Fucks“ sogar einen akustischen Rückgriff auf die alten Folk-Roots. Für solcherlei Überraschungen sind Lilly Wood immer gut. Auf diesem Album sind es z.B. Gastauftritte von Produzent Myd und Sika Deva, das Retro-Streicherarrangement des Openers „Dark Blue“ oder das psychedelische Gitarrensolo des beinahe Rock-Tracks „Swear“, die diesbezüglich aufhorchen lassen. Ansonsten ist „Christina“ musikalisch eine ziemlich geile Disco-Scheibe geworden, die auf angenehme Weise Assoziationen zu den großen des Genres – von Kylie Minogue über Taylor Swift und Sophie Ellis Bextor bis hin zu Maroon 5 weckt.
Angenehm ist dabei der Umstand, dass heutzutage gesampelte und Live-Gitarren (auch gerne akustischer Natur) und ein Live-Bass wieder eine größere Rolle spielen – denn rein elektronisch kann ja jeder. Und dann noch etwas: Das ist eine klassische All Killer No Filler-Scheibe. Wirklich jeder der 11 Tracks ließe sich als Single-Nummer auskoppeln – wie bislang schon „Swear“, „Pushes“ oder das Nightclubbing-Drama „Christina“, das der Scheibe dann seinen Namen gab. Ging es früher oft um Herzschmerz-Geschichten, die hauptsächlich Nili vortrug, so scheint es auf der neuen Scheibe alleine darum zu gehen, das Leben im Kontext des Tanzhaus-Besuches zu sehen. Kann man ja auch machen – und es passt ja auch gut zum musikalischen Lifestyle des Duos.
„Chrstina“ von Lilly Wood & The Prick erscheint auf cinq7/Wagram.




