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Am vergangenen Freitag releasten Kind Kaputt mit „Ins Blau“ eine sehr, sehr tolle, weil sehr emotionale, eine gleichzeitig schöne und abwechslungsreiche neue Platte voller Alternative Rock, Post Hardcore und Indie, bei aller Sperrigkeit herrlich eingängig und häufig tanzbar, an anderer Stelle sehr ruhig, aber auch dann genügend roh und vor allem immer so unglaublich ehrlich. Im März geht die Band auf Tour. Wir sprachen vorab mit Johannes Prautzsch.
Ihr wart im vergangenen Jahr mit Sperling auf Tour. Nicht nur, dass die Show von beiden Bands klasse war – zumindest im Logo in Hamburg war es ein auffällig gemischtes Publikum, von echt jung bis echt alt, von Pärchen bis Punk, Indies, Rocker und viele mehr. Ist das auf euren Shows normal und sind Kind Kaputt eine Band für … alle?
Ja, tatsächlich ist das normal und das ist auch schon seit ein paar Jahren so. Ich bin selber oft überrascht, wie vielfältig das Publikum auf unseren Shows ist. Aber ich finde das richtig schön so. Ich glaube, Kind Kaputt ist eine Band für alle, die zuhören wollen.
In welcher Ecke seht ihr euch denn selbst? Wer dürfte euch mögen und wer muss eher nicht reinhören?
Wenn du so fragst, dann sollen natürlich alle aus der rechten Szene wegbleiben! Aber ich glaube (und hoffe), das ist bei uns eh sehr eindeutig. Ansonsten dürfen uns natürlich alle mögen! Ich habe auch keine bestimmte Gruppe Menschen im Kopf, denen unsere Musik unbedingt gefallen soll. Meiner Erfahrung nach funktioniert das am Ende auch eh nicht. Was ich mir immer wünsche, ist, dass unsere Fans rücksichtsvoll untereinander sind. Ich will, dass jeder auf unserem Konzert eine gute Zeit hat. Manchmal gehört da auch dazu, dass ich den Moshpit zwischen den Songs ein bisschen beruhige, weil ich sehe, wie sich Menschen unwohl fühlen, die die ganze Zeit angerempelt werden. Aber das ist schon auch selten.
Ist die dritte Platte die schwerste? Aber auch eure bisher beste? Sorry für die Frage …
Witzig, dass du das fragst. Ich habe, als wir angefangen haben am Album zu schreiben, mal kurz mit den Jungs darüber gesprochen. Ich glaube schon, dass die dritte Platte schwer sein kann. Bei der ersten ist alles neu und frisch, bei der zweiten Platte darf man dann auch neue Sachen probieren und legt einen nach. Bei der dritten wirds langsam tricky: Was macht man jetzt als nächstes? Mehr vom selben oder neu? Ich find‘s immer schwer, sich da von außen selbst einzuschätzen, aber ich kann von mir selbst behaupten: Das sind handwerklich die besten Songs, die wir bisher geschrieben haben.
Mit welchen Ideen und Vorstellungen seid ihr an die Arbeit gegangen, was musste sein und was habt ihr euch von Anfang selbst verboten?
Wir wollten, dass sich der Prozess möglichst leicht anfühlt. So ein Album ist ein Haufen Arbeit und das zehrt oft an der Energie. Das wollten wir dieses Mal vermeiden. Wir haben also viel danach entschieden: „Was fühlt sich gut an, wo fühlen wir uns wohl, wie passt es uns zeitlich“. Vor allem aber wollten wir die Dinge nicht zerdenken. Einfach erstmal machen und gucken was dabei rauskommt. „Ins Blau“ hinein. Das hat am Ende auch zum Albumtitel geführt.
Es passiert auf dem Album so viel und doch passt das alles zusammen. War das schwer und musstet ihr dafür an die Songs, als sie fertig waren? Oder passiert das automatisch, weil jeder Song ein Kind-Kaputt-Song ist?
Mathias Bloech von Heisskalt hat mir, als wir an unserem zweiten Album gearbeitet haben, mal gesagt „Das kommt schon alles zur richtigen Zeit“. Und das hat sich immer wieder bewahrheitet. Will sagen: Wir haben uns da gar nicht so viele Gedanken gemacht. Wir haben an den Songs länger als üblich gesessen und als wir dachten, wir sind eigentlich fertig, sind wir nochmal über alle drüber gegangen. Am Ende hat dann alles richtig gut zusammengepasst.
Mein Lieblingsmoment auf dem Album: Nach „Angst“ kommt „Gleich“, man erschrickt sich fast ein wenig. Welche Rolle spielt die Reihenfolge der Lieder, wie lange schiebt ihr hin und her und überlegt die genaue Tracklist?
Conna wird sich sehr darüber freuen, dass du das so sagst. Das war nämlich seine Idee und genau die Intention dahinter, haha. Die beiden Songs teilen sich ja auch ein Thema, auch wenn sie es ganz anders verarbeiten. Also ja: die Reihenfolge der Lieder spielt eine sehr große Rolle für uns. Darüber diskutieren wir in der Regel auch recht lange. Uns ist wichtig, dass sich ein Album gut durchhören lässt und dabei eine Geschichte erzählt.
„Wie geht denn das“ hat einen Deichkind-Einfluss, oder?
Ja, der ist nicht zu überhören. Ich habe mit Conna früher auf langen Autofahrten immer mal wieder Deichkind gehört. Die haben in meiner Jugend (bis auf Radio) keine so große Rolle gespielt. Dementsprechend hatte ich da was nachzuholen.
Was könnt ihr zum Cover sagen? Wieso seid ihr da drauf?
Wir haben zum ersten Mal ein Album komplett alleine gemacht. Alles, was man darauf hört, ist nur von uns. Gleichzeitig haben wir textlich sehr tief in unser Innerstes geschaut. Das hat sich für uns dann richtig angefühlt, dass wir deshalb auch zum ersten Mal unsere Gesichter aufs Cover packen, nach dem Motto: Das sind wir!
Wie fühlt es sich an, wenn ihr ernste, persönliche, einfach deepe Themen ansprecht und die Leute auf euren Konzerten dazu feiern und tanzen?
Ich finde das total toll. Das Tanzen zeigt ja, wie sehr sie gerade im Moment und im Song sind. Ich will ja auch nicht nur schlechte Laune mit unseren Songs verbreiten, das wäre voll schade. Was ich gar nicht mag ist, wenn wir ruhige Songs spielen und Leute quatschen die ganze Zeit durch mit irgendwem. Das fühlt sich scheiße an.
Wie viel Spaß macht es, eine Setlist zu bauen? Wonach geht ihr und gibt es nach jetzt zehn Jahren schon Probleme, wenn es ums „Aussortieren“ geht?
Das macht uns schon echt Spaß mittlerweile. Wir versuchen uns immer ein paar kleine Überraschungen im Set auszudenken, sodass es nie langweilig wird. Das Aussortieren wird aber langsam echt schwer.
Zehn Jahre: Herzlichen Glückwunsch! Wann ist denn der genaue Tag und plant ihr was zur Zweistelligkeit?
Ich glaube, wir haben uns mal auf das Release-Datum von unserem ersten Song „Denkmal“ festgelegt. Das war im Herbst 2016. Geplant haben wir noch nichts, aber guter Punkt, da muss ich mal mit den Jungs drüber sprechen.
Was war denn das Schönste, was ihr als Band erlebt habt? Welches war das schönste Konzert, dass ihr gespielt habt und was ist der größte Wunsch, den ihr euch in den kommenden zehn Jahren noch erfüllen möchtet?
Ich glaube, das Schönste war die Tour zusammen mit Sperling im letzten Herbst. Das war einfach alles so groß und wir hatten eine unglaublich gute Zeit zusammen. Das schönste Konzert war auch eines auf der Tour, aber es fällt mir schwer, mich da zu entscheiden! Mein größter Wunsch ist, dass wir in zehn Jahren immer noch zusammen Musik machen und dass es immer noch so viel Spaß macht, wie jetzt gerade. Das klingt super cheesy, aber ist die Wahrheit. Ich kenne leider viel zu viele Bands, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr gibt. Ich hoffe, dass wir noch ganz viel vor uns haben!
Tourdaten:
11.03.26 Hannover, Lux
12.03.26 Berlin, Frannz
13.03.26 Nürnberg, Club Stereo
14.03.26 München, Strom
15.03.26 Stuttgart, Wizemann Studio
18.03.26 Frankfurt, Das Bett
19.03.26 Köln, Club Volta
20.03.26 Hamburg, Nochtspeicher
21.03.26 Osnabrück, Westwerk
“Ins Blau” von Kind Kaputt erscheint auf Uncle M.




