Nicht eben typisch für das ansonsten eher auf Singer/Songwriter spezialisierte Nettwerk Label besetzt das kosmopolitische, ursprünglich aus Neuseeland stammende Quartett Yumi Zouma eine eher unscharfe Schnittmenge aus Dreampop, Psychedelia, New Wave, Shoegaze und Indie-Rock. „No Love Lost To Kindness“ ist der fünfte Longplayer von Christie Simpson, Josh Burgess, Charlie Ryder und Olivia Compton und macht dann auch deutlich, warum es Yumi Zouma einfach nicht genügen kann, eine einzige, spezifische Indie-Subnische zu besetzen. Denn die vier Mitglieder leben über die ganze Welt verteilt in Melbourne, London, New York und Wellington – und fanden sich für die Produktion der LP in Mexico City zusammen, wo die Songs – bei denen alle Beteiligten ihre musikalischen Vorstellungen einbrachten – dann entstanden.
Das Erfolgsgeheimnis für diese Projekt bestand dann darin, die Extreme zu betonen. Die Lautstärke, die Dynamik, das Tempo, die Songstrukturen, die Arrangements und nicht zuletzt die Melodien und der Gesang – alles sollte jeweils mit experimentellem Charme ausgelotet werden. Das Ergebnis ist dann eine Scheibe, die eben sehr unterschiedliche Arten von Songs enthält. Vom mit Surf-Twang durchsetzten Dreampop-Opener „Cross My Heart And Hope To Die“ über die stadientaugliche Selbstfindungs-Altrock-Ballade „Drag“, den Rockdrive von „Blister“, den hymnischen Power-Pop-Lovesong „Phoebe’s Song“, die Akustik-Nummer „Did You See Her“, dem sachten Janglepop „Every False Embrace, den souligen Psycho-Pop von „Chicago 2am“ bis zu der sich transzendent aufbäumenden und sachte ausklingenden, abschließenden Ballade „Waiting For The Cards To Fall“ lassen Yumi Zouma nichts unversucht, die musikalische Palette über den eigenen Tellerrand hinaus zu erweitern.
In den Songs verarbeitet die Band die verschiedenen Lebensentwürfe der Mitglieder – sei es, dass dann Themen wie Reise-Erfahrungen, mentale Gesundheit, Obsessionen, Beziehungskonstrukte oder Erinnerungen thematisiert werden. Christie Simpson – die Stimme des Ensembles – erklärt, dass es Yumi Zouma darum gegangen sei, die Sache etwas verrückter und extremer anzugehen und die Grenzen zu verschieben, um einerseits aus der Dreampop-Nische auszubrechen, die bislang die Basis des Quartetts bildete. Andererseits sollten die verschiedenen Aspekte betont werden, die vier Individuen, die auf vier verschiedenen Kontinenten leben und nur für gemeinsame musikalische Projekt zusammenkommen, zum gemeinsamen Erfolg beizutragen haben. Sicherlich lässt sich sagen, dass das Experiment gelungen ist. Wie es allerdings Bassist Josh Burgess und Gitarrist Charlie Ryder geschafft haben, das Album so zu produzieren, dass es trotz des eklektischen Stilmixes von Song zu Song nicht auseinanderfällt und als Album-Erlebnis funktioniert, bleibt ein wenig rätselhaft.
„No Love Lost To Kindness“ von Yumi Zouma erscheint auf Nettwerk.




