Seit 2015 überrascht der kanadische Musiker Lance Sampson a.k.a. Aquakultre auf der musikalischen Seite mit einem fast schon universellen Mix aus Soul, R’n’B, HipHop, Blues und Folk und einem ungeschönten Blick auf die eigene Geschichte und vor allen Dingen seiner Herkunft auf der inhaltlichen. Mit seinem neuen Album „1783“ weitet er sein künstlerisches Universum erheblich aus und inszeniert das Album als eine Art musikalischer Bildungsreise, die indes deutlich über das Aneinanderreihen von Songs hinausgeht. Das Album ist angelegt in der Art einer Musical-Produktion – inklusive von erklärenden Spoken-Word-Beiträgen und Field-Recordings und der Implementation von Gospel- und Harmonie-Chören der oft im Shout & Response-Stil vorgetragenen Beiträge was die musikalische Ausgestaltung betrifft.
In den Songs erzählt Sampson – mal als Crooner, mal als Rapper, mal als Rezitator – die Geschichte der Black Nova Scotians; einer Gruppe von ca. 3.000 ehemaliger Sklaven, die 1783 (nach der Beendigung des Unabhängigkeitskrieges) von New York nach der kanadischen Provinz Nova Scotia auswanderten und dort 1848 in der Nähe von Halifax die autonome Region Africville gründeten, aus der Sampson selbst stammt. In besonderer Hinsicht erwähnt er dabei seinen Vorfahren Daniel P. Sampson, der 1935 aufgrund eines Justizirrtums hingerichtet wurde und dessen Geschichte von Sampsons Großmutter Carolyn in Sound-Snippets erzählt wird. Zur Zeit strengt Sampson eine Gerichtsverhandlung ein, die den Fall posthum klären lassen soll, um das Ansehen seines Vorfahren reinzuwaschen.
Vom politischen und sozialen Hintergrund dieses bemerkenswerten Projektes ein mal abgesehen, bietet das Werk auf rein musikalischer Ebene viel Lohnenswertes. Schon alleine deswegen, weil Sampson auf eine überwiegend organische Umsetzung mit Live-Musikern setzt und elektronische Hilfsmittel nur in produktionstechnischer Hinsicht nutzt – sich vor allen Dingen aber der Moderne widersetzt und einen Old-School-Ansatz präferiert. Darum bietet dieses Album einen fast schon holistischen Überblick über die Spielarten klassische Black-Music. Da ist zum Beispiel der Inner-City-Blues von Stücken wie dem Opener „What You You Sayin“, der Shout & Response-Ansatz von „Bags Packed“, Spoken Word Jazz a la „….2 Construction Battalion“, die Gospel-Ballade „Holy“, Tribal-Blues wie bei „Gallows“, der Soul-Rap von „Make That Change“, die Gospel-Soul-Hymne „The Avenue“, die R’n’B-Ballade „Black Dog“, die orchestral unterlegte Folk-Nummer „I’ll Be Damned“ oder der psychedelische Rocksong „Matriarchs“ – die so ziemlich alle Aspekte handgemachter schwarzer Musik Beleuchten. Insbesondere auch, weil sich Sampson nicht einfach als Klangkünstler betätigt, sondern mit einer ganzen Reihe brillant ausformulierter Songs reüssiert, sollte da letztlich jeder etwas finden können.
„1783“ von Aquakultre erscheint auf Next Door Records.




