Platte der Woche KW 06/2026
Internationaler geht es kaum: Der Bandname klingt amerikanisch (und erinnert an die Jackson-5-Heimatstadt Gary, Indiana), die Bandmitglieder stammen aus Frankreich und Großbritannien, und zu Hause ist das Quartett in Manchester und Berlin.
Schon mit ihrem vor drei Jahren erschienenen Debütalbum „I’ve Seen A Way“ hatte die Band mit ihrem mutigen Soundclash allenthalben offene Türen eingerannt. „Keine Noise-Band setzt das Gefühl brutaler Katharsis so gut in Musik um wie Mandy, Indiana. Durch den Einsatz von Techno und Post-Punk hat die Gruppe aus Manchester eine viszerale Neuinterpretation der Industrial-Musik geschaffen“, jubelten die US-Kollegen von Pitchfork damals, und auch auf „URGH“ tut die Band kompromisslos alles dafür, dass die Begeisterung auch in Zukunft nicht abklingen wird.
Sicher, für Puristen ist das, was Mandy, Indiana hier fabrizieren, nicht geeignet. Aber wer mit offenen Ohren dem Zeitgeist lauscht, darf sich gerne mitreißen lassen von einer Band, die ständig unvermittelt Haken schlägt und so ihren mal kantigen, mal hypnotischen Sound stets brodeln lässt.
Der heimliche Trumpf ist auch dieses Mal Sängerin Valentine Caulfield, die sich mit ihren bisweilen mantraartigen französischsprachigen Texten für Selbstbestimmung und Widerstandsfähigkeit auf dem Weg in eine bessere Welt einsetzt und sich dabei zwischen Abzählreim und Spottgedicht über dem wogenden Lärm ihrer Bandkollegen Scott Fair (Gitarre und Produktion), Simon Catling (Synths) und Alex Macdougall (Schlagzeug) so richtig austobt.
Damit sortieren sich Mandy, Indiana dort ein, wo die Musikhistorie zwischen der grande dame des Noiserock, Kim Gordon, und der Band der Stunde, Water From Your Eyes, noch ein Plätzchen freigelassen hat.
„URGH“ von Mandy, Indiana erscheint auf Sacred Bones/Cargo.



