Einen erstaunlichen Bedeutungswandel hat der Begriff „LiedermacherIn“ im Laufe der letzten Jahre durchgemacht. In den 70er Jahren – als der Name aufkam – hatte er immer so ein Geschmäckle. Liedermacher waren damals Leute, die – meist mit hemdsärmeligem Müslitouch und oft mit politischer Motivation – moralinsaure Lagerfeuer-Romantik jenseits des etablierten Pop-Kulturbetriebes darboten. Heutzutage ist „Liedermacher“ einfach eine Bezeichnung für KünstlerInnen, die ihr Material auf Deutsch darbieten – und sich deswegen nicht als SongwriterInnen bezeichnen möchten, wie ihre englischsprachigen KollegInnen.
Dabei geht es dann um Künstlerinnen etwa wie die Österreicherin Rosa Hoelger, die mit ihrem Debüt-Album mit Band (genauer gesagt: mit der Rosa Hoelger Bande) ein Werk vorlegt, dass mit Müsli, Lagerfeuer und hemdsärmelig so gar nichts zu tun hat und auf breit gefächerte Weise auch gut los geht. Ein Genrebegriff ist „LiedermacherIn“ also offensichtlich heute nicht mehr. Das soll nicht heißen, dass sich auf der Scheibe nicht auch einige eher zurückhaltend inszenierte akustische Nummern wie „Gute Seele“. „Winter in Spechte“ oder die Walzer-Moritat „23 wow“ finden – aber im Grunde genommen ist „Fuer Immer Gummistiefel“ eine ziemlich coole und gelungene Indie-Pop-Scheibe mit Rock Flair geworden.
Tracks wie „Gummistiefel“, „Keine Probleme“, „Papa wach auf“, „Romantik zu Kitsch“ oder „Jackett + Jogginghose“ überraschen dabei mit interessanten Crossover-Effekten – etwa in Richtung Chamber-, Pop, Folk-Rock, oder Psychedelia (und kommen dabei auch ohne Wander-Klampfe aus.
Auch wenn Rosa ihre poetischen Ambitionen in den Vordergrund stellt, heißt das nicht, dass das dann im Folk-Modus passieren muss. Die brillant komponierte Selbstfindungs-Elegie „Gute Seele“ (in der sich Rosa über die unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Ratio und Seele in Bezug auf die Partnerwahl lustig macht) kommt in Form einer mit klassischen Streichern unterlegten Kook-Pop-Ballade daher. Die Piano-Elegie „Ein Gutes Ende (Kein Anfang)“ wird nicht etwa auf einem Flügel, sondern einem Fender-Rhodes E-Piano vorgetragen und das bereits erwähnte Empowerment-Manifest „23 Wow“ dreht zum Ende hin mächtig auf – und zwar mit Posaunen-Unterstützung.
Dass auf diesem Album gleichgesinnte KollegInnen wie Dota Kehr, Tobias Dellit und Lisa Harres gastieren macht Sinn und verrät etwas über das Mindset von Rosa Hoelger. Das macht das Album schlüssig, authentisch und überzeugt dann auch in künstlerischer Hinsicht.
„Fuer Immer Gummistiefel“ von Rosa Hoelger erscheint auf unserallereins.




