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Vier Lederjacken für ein Halleluja
Eine transparente und beleuchtete Gitarre, ein von innen illuminiertes Schlagzeug, Lederjacken, unter denen das Brusthaar hervorquillt, ein Magnum-Gedächtnis-Schnauzer und 90 Minuten durchgerockt. Es ist ein großer Spaß, den die schwedische Rockband Royal Republic im ausverkauften Capitol bereitet. Mit ihrem neuen Album „LoveCop“ im Gepäck feiern die vier Skandinavier ihren 16. Geburtstag, indem sie sich selbst ein Geburtstagständchen kredenzen – auf Deutsch und unterstützt durch die 1.400 Fans. Am Ende, als vom Band Glenn Freys „The Heat Is On“ erklingt, stehen die Musiker immer noch auf der Bühne, singen mit dem Publikum den Refrain. Alle feiern sich.
Die Kälte, die die Gäste von draußen in den Saal mitgebracht haben, vertreiben zunächst Alex Mofa Gang. Die wirken zunächst wie die Toten Hosen für Arme, entpuppen sich aber in der knappen Dreiviertelstunde ihrer Spielzeit als punkige Poprocker mit Mitgröl-Potential und Botschaft. Im „Mann von gestern“ appellieren sie an die Gleichstellungsbereitschaft der Menschen und später an die Fans, sich gegen Rassismus und Homophobie einzusetzen und für die Liebe zu hüpfen. Dann stellt sich Leadsänger Sascha Hörold inmitten des Publikums auf einen Drum-Koffer, den einige kräftige Fans in die Höhe stemmen – als Rampe, von der Hörold mit einem wagemutigen Salto zum Crowdsurfing hinunterspringt.
Nach einer halbstündigen Umbaupause entern Royal Republic die Bühne und knallen mit „My House“ und dem Titelsong des „LoveCop“-Albums gleich zwei knackig-prägnante Rock ’n’ Roller vor den Latz. Das Gitarrenintro von „LoveCop“ ist von „Money For Nothing“ (Dire Straits) geborgt. Egal. Schließlich bedienen sich die Schweden ohnehin gern mal bei Kollegen. Mäßig überzeugend gerät die Rock-Variante von „Stayin‘ Alive“ der Bee Gees, obwohl Adam Grahn mit dem Falsett keine Probleme hat, wie er auch im eigenen „Boots“ unterstreicht. Wunderbar dagegen der unkaputtbare Shocking Blue-Klassiker „Venus“ und herrlich trashig Metallicas „Battery“. Bassist Jonas Almén und er seien die Metal-Heads in der Band. In diese Richtung habe sich ihr Sound auch bewegen können, offenbart Grahn, um als Beweis den ähnlich gelagerten Heavy-Rock von „The End“ nachzuschieben.
„Stop Movin‘“ kommt mit einer Textzeile aus, Grahn dreht am imaginierten Steuerrad, der Bass blubbert, Per Andreasson trommelt ein kurzes Solo auf das leuchtende Schlagzeug, bis seine drei Mitstreiter im Chuck-Berry-Gedächtnis-Entengang am Drumset vorbeiwatscheln. Das Gaspedal bleibt überwiegend durchgedrückt, auch wenn der Konzertfavorit „Full Steam Spacemachine“ eine Ausdehnung erfährt, Zeit für ein paar Saitenkünste und ein bisschen Psychedelic-Touch. Und das countryeske „Boomerang“ gibt’s nur zu Grahns Akustikgitarre, die vier Schweden wie eine Boygroup in Reih und Glied nebeneinander. Vier Lederjacken für ein Halleluja.
Meist aber greift Grahn zu cooler geformten Gitarren, schwadroniert über die sexuelle Konnotation des Instruments und warnt vor den Gefahren, die von Gitarren ausgingen. Kurz stimmt er Matthias Reims Hyperschlager „Verdammt, ich lieb‘ dich“ an und wir wissen, was er meint. „Ain’t Got Time“ klingt nach BossHoss bei einer Square-Dance-Veranstaltung. Der Song ist aber ohnehin nur der Hintergrund für Grahns Ausflug an das Absperrgitter, wo ein weiblicher Fan mit ihm singt und auf die Kuhglocke haut. Das gerät alles etwas umständlich. Gut, dass Grahn vor den Zugaben wieder auf die Bühne klettert, um die breitbeinigen Rocker „Fireman & Dancer“ und ohne Unterbrechung „Tommy-Gun“ über die Bretter zu prügeln, die durchgehend mitgesungen werden. Dazu blinken die bunten LEDs des Blitz-Logos, Leuchtstäbe drehen sich und Scheinwerferlichter zucken.
Grahn, der Jacke entledigt, nun im Unterhemd, mit seinem Schnauzer und den Brusthaaren, lässt kurz an eine Inkarnation Freddy Mercurys denken. Stimmlich natürlich kein Vergleich, aber fürs Genre gibt er einen idealen Frontmann und Leadsänger. Hannes Irengård überlässt die große Show anderen, spielt seine Riffs auf den Punkt, die mitunter eine hübsche Franz Ferdinand-Note erhalten. Almén tauscht seinen Bass ab und zu gegen ein Umgänge-Keyboard ein, was die Klangfarben erweitert. Am Ende der letzten Zugabe „RATA-TATA“ erstarren die vier Musiker und verharren eine gefühlte Ewigkeit in ihren schockgefrorenen Posen, bis Grahn mit einem theatralischen Gitarrensolo samt Urschrei das Konzert auf die Zielgerade bringt. Ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend.
























