Der Mancunian Roger C. Whitaker gehört zu den schrulligen Systemsprengern, ohne die das Musikbusiness gewiss so viel ärmer wäre. Bekannt wurde der schratige Mann vor allen Dingen mit dem „Cosmic Prog Rave“-Projekt Henge. Alle zehn Jahre scheint ihn aber der Drang zu überkommen, ein Solo-Album zu veröffentlichen, um sich als Songwriter zu betätigen – so etwa 2016 mit dem Album „Man With The Anvil Hat“ und nun mit dem zweiten Solo-Werk „Songs For The Weary“. Präsentierte er sich auf dem ersten Album aber noch als entrückt/sensibler Akustiker, der gelegentlich aber noch mal im Prog-Sinne elektrisch hinlangen mochte, so ist „Songs For The Weary“ von einem doch etwas anderem Kaliber, denn hier entdeckte Whitaker den Zauber der Opulenz und unterlegte seine (nach wie vor entrückt/sensiblen) Akustiksongs mit schwelgerisch/plüschigen Orchester-Arrangements.
Wer alleine aufgrund dieser Grundlage „Father John Misty“ ruft, der liegt zwar nicht ganz, aber doch entscheidend daneben, denn mit Pop-Songs, wie sie der Opulenzmeister letztlich dann doch macht, hat Whitaker gar nicht so viel am Hut. Seine Welt ist die des verschrobenen Querdenkers, der in Sachen Noir-Soundtracks, Psychedelia, Weirdfolk und gar verdrehter Songbook-Ästhetik macht – und sich dabei als augenzwinkernder Crooner und Psychedeliker präsentiert. Verrückt ist Whitaker dabei aber keineswegs – nur ein kleines bisschen skurril.
Wenn man hier (wegen der Orchester-Arrangements) schon nach Referenzen sucht, dann sollte man nämlich Namen wie Jonathan Wilson, Rufus Wainwright, Robert Wyatt, Van Dyke Parks oder besonders Whitakers Vornamensvetter Matthew E. White nicht vergessen (und angesichts von Stücken wie der Overtüre oder dem Fake-Western-Track „Logan Stone“ dann noch um Ennio Morricone und Lee Hazlewood ergänzen).
Was diese Musiker nämlich verbindet, ist der Drang, sich mit einem gewissen Augenzwinkern kreativ wagemutig außerhalb von konformen Denkweisen zu bewegen und dabei zu teils wunderlichen, aber vor allen Dingen interessanten und opulenten musikalischen Lösungen mit cinematischer Grandezza zu finden. Und zu dieser Spezies gehört dann zweifelsohne auch Matthew C. Whitaker.
„Songs For The Weary“ von Matthew C. Whitaker erscheint im Eigenvertrieb.




