Mit seinem Debütalbum präsentiert sich der Leipziger Musikus überraschend als flamboyanter Dandy und musikalischer Querdenker. „Überraschend“ ist das deswegen, weil sich der junge Mann insbesondere mit seinen Live-Shows (mit denen er sich zu Recht schon lange als potentieller Bühnenstar empfahl) bislang immer recht kompromisslos gab und sich als druckvoller, aber nicht eben subtiler Postpunker empfahl, dem es eher um große Gesten und Rockstar-Power ging, als um strukturiertes Songwriting. Tatsächlich geht das Debütalbum nun weit über die bloßen Rock-Shock-Attitüde des Live-Musikers Keppel hinaus.
Nicht, dass Keppel hier plötzlich zum sensiblen Liedermacher mutierte – aber doch zumindest zu einem Musiker, der eben auch ein Herz für Melodien, (Power) Pop, Rave, Klassik- und Grunge-Rock und New Wave hat. Produziert hat das Ganze Lukas Korn – und der hat zum Beispiel auch mit Drangsal zusammengearbeitet. In dieser Richtung muss man dann (zumindest klanglich) ab nun auch Nils Keppel denken. Es wird dann spannend zu sehen sein, wie er diese neu gewonnene Vielfalt auf den sich anschließenden Live-Konzerten umsetzen wird, aber auf dem Tonträger kommt die neue klangliche Vielfalt wie ein heilsamer Schock daher. Auch ein Sänger ist Keppel nicht wirklich geworden – aber seinem Nimbus als agitativer Rockstar und Rampensau, dem er bislang Vortrieb geleistet hat, kommt der neue Stil durchaus entgegen – übrigens inklusive der balladesken Momente wie etwa im Titeltrack oder der abschließenden Psych-Elegie „Sonnenkind“ und der Big Music Opulenz von Songs wie „Feuer“ oder „Raus in die Welt“.
Was aber hat es mit dem Titel „Super Sonic Youth“ auf sich? Nun damit blickt Keppel, der sich auf dem Cover-Foto als Ersatz-Bowie präsentiert, auf seine eigene Jugend zurück, die im rastlosen Tun als Musiker zu schnell an ihm vorbei gezogen zu scheint – was aber letztlich erst ein Album wie dieses wohl ermöglicht hat. Die leicht nihilistische Tendenz seiner Lyrics nimmt man da gerne in Kauf, denn über irgendetwas müssen ja auch erwachsen gewordene Rebellen ja schließlich singen.
„Super Sonic Youth“ von Nils Keppel erscheint im Vertrieb von recordJet.




