Nothing wagen den vielbeschworenen Blick zurück nach vorn: Auf seinem ausgezeichneten neuen Album findet das aus Philadelphia stammende Shoegaze-Quintett um Mastermind Nicky Palermo Inspiration sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart und Zukunft.
So kreist „Never Come Never Morning“ um seinen gewalttätigen Vater, während er in „Essential Tremors“ seine genetisch bedingte neurologische Erkrankung thematisiert und an anderer Stelle auch Ausschweifungen und das Älterwerden ein Thema sind. Im Info zum Album heißt es, dass die Band Schmerz und Leid wie Sauerstoff atmet, und das glaubt man nach dem Hören der neuen Songs sofort.
Auch klanglich steht auf „A Short History Of Decay“ der Geist der Offenheit im Mittelpunkt, wenn Palermo und seine fast komplett neu formierte Band auf ihrem ersten Album seit fünf Jahren aus den bekannten Mustern früherer Platten ausbrechen und die Extreme ihres Soundspektrums mehr betonen. Nie klang die Band gewaltiger, nie aber auch so intim und introspektiv.
Die Breakbeats und der Industrial-Vibe von „Cannibal World“ mögen kein vollkommenes Neuland für Nothing sein, laden aber dennoch zu Vergleichen mit They Are Gutting A Body Of Water ein, während zartbesaitete Nummern wie „The Rain Don’t Care“ (mit dem Palermo auf den Spuren von Neil Halstead wandelt) oder „Purple Strings“ (mit zu Herzen gehenden Streichern und Harfenistin Mary Lattimore als Gast) Erinnerungen an die Anfänge von Nothing als Palermos DIY-Soloprojekt wecken. Es sind Lieder, die nahelegen, dass er abseits all der effektschwangeren Sounds auch all die Jahre später immer noch ein trauriger, einsamer Folkie ist.
Dass Palermo „A Short History Of Decay“ als „ein letztes Kapitel“ bezeichnet hat, bedeutet nicht unbedingt das Ende der Band, unterstreicht aber, dass sich mit dieser Platte zwölf Jahre nach dem inhaltlich ähnlich inspirierten Erstling „Guilty Of Everything“ ein Kreis schließt.
„A Short History Of Decay“ von Nothing erscheint auf Run For Cover/Cargo.




