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Chilly Dreampop
Es ist ja nicht zu fassen! Da findet die britisch/argentinische Songwriterin Malena Zavala sieben Jahre nach ihrem letzten Besuch in der Domstadt wieder einmal nach Köln – zudem mit einer neuen LP und einem neuen musikalischen Konzept im Gepäck – und da hat die Gewerkschaft nichts Besseres zu tun, als den öffentlichen Nahverkehr in Köln zum wiederholten Male innerhalb der letzten Wochen mit einem Warnstreik lahmzulegen. Die traurige Folge davon war dann der Umstand, dass sich gerade mal eine Handvoll von Fans im artheater verloren – von denen nicht wenige auch noch zum Verwandten- und Bekanntenkreis des Supportacts, der charmanten Kölner Songwriterin Faira gehörten.
Sophia Spies – wie Faira im richtigen Leben heißt – war Malena Zavala vom Veranstalter als Support-Act empfohlen worden, was sich als glückliche Fügung erwies, denn offensichtlich wertschätzten sich die beiden Musikerinnen bestens. Faira arbeitet zurzeit an einem größeren Projekt – nämlich einer EP-Trilogie namens „Skies, Waters, Whys“, die bislang aus den beiden Teilen „Skies, Waters“ und „Earth, Earth, Love“ besteht und die im Herbst dann mit dem dritten Teil „Nest“ (auf Deutsch) zu Ende geführt und auf einer Vinyl-Edition zusammengefasst werden soll. Davon hatten die Zuschauer im artheater aber erst mal nichts, weil Faira noch keine neuen Songs darbieten wollte.
Dafür gab es dann einen Querschnitt durch ihr bisheriges Oeuvre – inklusive ihres Signature-Songs „Hemispheres“, der bereits in der Phase vor dem EP-Projekt erschienen war. Sophia präsentierte das Set alleine mit Gitarre, Stimme und Effektpedal – und konzentrierte sich dabei darauf, das stets anspruchsvoll und ambitioniert strukturierte Material in einem eher konventionellen Folk-Setting zu präsentieren, wobei sie alleine die Effekte dazu verwendete, subtil auch auf ihre Indie-Rock-Roots aufmerksam zu machen. Im Vergleich zu früheren Solo-Shows schien Sophia das Ganze mit einer Art heiterer Gelassenheit zu präsentieren (was bei komplexer Musik wie der ihren gar nicht so einfach ist) – die sie darauf zurückführte, weniger nervös als früher gewesen zu sein.
Nicht nur die Fans, sondern auch Malena Zavala zeigten sich angetan von der fragilen Kunst Fairas – die letztlich auch sehr gut zu ihrer eigenen Darbietung passte. Aufgrund dessen, dass Malena das Projekt um ihr neues Album „If This Life Could Start Again“ (dem eine längere Phase der Sinnfindung vorangegangen war) ohne Label- und Promo-Unterstützung selbst realisiert hatte, präsentierte sie die neuen (wie auch die alten) Songs nicht wie bislang gewohnt mit Bandunterstützung, sondern solo. Auf dem Album arbeitete sie erstmals mit einem Produzenten (Luke Bowes) zusammen und veröffentlichte dieses (ebenfalls ohne Promotion) selbst auf ihrem eigenen Label Parana Records. Auch das mag mit ein Grund gewesen sein, warum nur Hardcore-Fans den Weg ins artheater gefunden hatten, denn im Vorfeld hatte es kaum Ankündigungen der Tour gegeben. Freilich: Eine etwaige Enttäuschung über diesen geringen Zuspruch ließ sich Malena nicht anmerken und machte gute Miene zum kleinen Kammerspiel.
Auf dem neuen Album hatte Malena ihr musikalisches Konzept zum wiederholten Male neu ausgerichtet (denn das strebe sie sowieso bei jedem Projekt an), und ihren sowieso schon originellen Mix aus Indie-Pop, Folk, argentinischer Folklore und Singer-Songwriter-Stuff noch um elektronische Elemente erweitert und digitale Effekte erweitert. Sie selbst bezeichnete den neuen Stil als „Chilly Dreampop“. Zunächst spielte sie einige Tracks des neuen Albums – und zwar aus einem bestimmten Grund: Das Album „If This Could Start Again“ wurde mit einer Band eingespielt, zu der neben Luke Bower auch die MusikerInnen Uma Blacker Bunnag, Alex Bas und Jessica Bartlett gehören, die teilweise auch an der Komposition der Songs beteiligt waren. Und diese Band hatte Malena dann zumindest auf ihrem Triggerpad dabei, sodass auch die eher groove-orientierte Umsetzung von Tracks wie „Veins Of The Parana“, dem Dreampop-Sound des Keyboard-lastigen „What You Need“ oder den New-Wave Sounds von „Lost In The Depths Of The Andes“ mit Anstand im Solo-Setting realisiert werden konnte. Dabei geriet die Sache aber auch dann nicht zur Folk-Veranstaltung, als Malena ältere Tracks wie „Pasos de La Luna“ oder „Broken By Two“ vom „Aliso“-Album „ohne Band“ vortrug, denn sie verwendete über weite Teile einen Digital-Effekt auf der elektrischen Gitarre, der etwaige Folk-Assoziationen von vorneherein ausschloss. Tatsächlich überwog dann auch der gewünschte Dreampop-Sound.
Als Performerin gehört Malena Zavala nicht zu den Künstlerinnen, die in der großen Geste, einer unterhaltsamen Show oder einer aufgesetzten Anbiederung ans Publikum ihr Heil suchen, sondern lässt eher ihr Songmaterial wirken und spielt ihre Songs (oft mit geschlossenen Augen) konzentriert, aber mit eher introvertierter Distanz – allerdings auch mit einer bemerkenswerten Eleganz. Zwischen den Tracks kommuniziert sie allerdings, worum es in den Stücken geht (etwa um flüchtige Liebesaffären oder erleuchtende Trips durch die Anden) und verweist dabei auch des Öfteren auf ihre Herkunft – als Tochter von Abkömmlingen eines indigenen Stammes aus dem Norden Argentiniens. Während sie auf ihren Alben „Aliso“ und dem neuen Werk auf Englisch agiert, so finden sich heutzutage auch immer wieder Songs auf Spanisch im Angebot – wie z.B. der bereits erwähnte Titeltrack der „Pasos de la Luna“-EP oder das ihrer Großmutter gewidmete „Naturaleza“ von ihrem zweiten Album „Ya Yarará“ – dessen psychedelischen Flow sie auch ohne hauptamtlichen Lead-Gitarristen ganz gut in den Griff bekam.
Bemerkenswerterweise hatte Malena ihre Setlist nicht etwa entsprechend des überschaubaren Zuspruchs eingekürzt (was sicherlich verständlich gewesen wäre), sondern gab mit den insgesamt 17 Tracks einen recht umfassenden Überblick über ihr gesamtes Oeuvre, das aus mittlerweile drei Longplayern, EPs und Live-Aufnahmen besteht. Für alle, die dieses seltene Schauspiel – und gute Konzert – verpasst haben (was ja die meisten sein dürften), sei angemerkt, dass Malena Zavala vorhat, im Herbst mit Band erneut in unseren Breiten zu touren.























