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Zwischen Post-Rock, Grunge, Dreampop, Psychedelia und Glam Rock entfalten Alaska Reid und Dylan Fraser alias Witch Post auf ihrer neuen EP „Butterfly“ ein ebenso vielschichtiges wie überraschend zugängliches Klangbild. Der Titel verweist dabei nicht zufällig auf eine Metamorphose: War das Projekt laut Alaska einst „strange and scary and lots of fun“ und klang wie eine stachelige Raupe, ist daraus nun ein musikalischer Schmetterling geworden – immer noch nah an der Übersteuerung, aber deutlich klarer, eingängiger und poppiger formuliert. Mehr über Witch Post in unseren zehn Fragen.
1. Was ist eure Definition von „guter Musik“?
Dylan: Ich mag einen Song, wenn ich ihn fühlen kann. Er muss nicht aus einem bestimmten Genre stammen, ich fühle es einfach, wenn es ein guter Song ist. Es kann sich wie eine Beschwörung anfühlen. Es ist toll, wenn es sich wie Magie anfühlt, und wenn es dich wieder verlässt, fragst du dich, wie man so etwas schreiben kann.
Alaska: Das, was Dylan sagt – ich möchte, dass ein Song mich zu einem Ort transportiert, den ich liebe oder zu einer Erinnerung. Wenn ich Musik höre, dann versuche ich, den Moment zu erweitern und mein Gehirn zu provozieren. Manchmal höre ich bestimmte Musik, um mich zu beruhigen. Oh, und ich liebe es, wenn der Song eine Geschichte erzählt – ich höre mir den dann genau wie ein Audiobook an, mit allen Plots und Details.
2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?
Dylan: Es gibt für uns als Band keinen einzelnen konkreten Referenzpunkt. Als Künstler nimmt man ständig Eindrücke von anderen Künstlern und der Welt um sich herum auf. Ich denke, unsere Aufgabe ist es, daraus etwas Eigenes zu schaffen. Genau danach streben wir immer.
Alaska: Auf der Produktions- und Mixing-Seite gab es definitiv ein paar klangliche Einflüsse: Die Pixies eigentlich für alles, dieses stark komprimierte Mixing aus frühen Oasis-Sachen, die weiten, texturalen Klanglandschaften von U2 und so weiter. Ich hatte auch einige Americana-lastige Referenzen wie Drive-By Truckers oder Fleetwood Mac im Kopf – gerade wenn sie viele Gesangs-Schichten oder auch akustische Gitarren einsetzen. Was das Songwriting angeht, war es aber ziemlich in sich gekehrt. Als Duo gibt es für uns noch so viel zu entdecken. Im Moment orientieren wir uns eher aneinander als an äußeren Einflüssen.
3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?
Dylan: Ihr solltet die EP kaufen, damit ich unbegrenzt Guinness trinken kann.
Alaska: Wenn du auf handgemachte Musik mit viel Herz stehst, könnte dir das gefallen. Klingt vielleicht kitschig, aber wir kommen aus einer ehrlichen Haltung und versuchen, Musik zu machen, die wir selbst hören wollen. Und ganz grundsätzlich: Musik zu kaufen und Künstler zu unterstützen ist immer eine gute Sache!
4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musikschaffende gekauft?
Dylan: Ich habe mir Recording-Equipment gekauft. Ich habe meinen ersten Deal genau zu Beginn von Covid unterschrieben und musste zurück in mein Kinderzimmer in Schottland. Ich musste einen Weg finden, weiter Musik zu machen.
Alaska: Ich war lange sehr Indie-mäßig unterwegs, deshalb habe ich eigentlich alles, was ich verdient habe, wieder in die Musik gesteckt – für Produktion, Mixing, Schlagzeuger oder auch jemanden, der meine Vocals und Gitarren aufnimmt. Das war auch noch bevor ich wusste, wie man richtige Recording-Software bedient. Aber eine lustigere Antwort für uns beide: Nachdem wir mit Witch Post etwas Geld verdient hatten, haben wir uns in Montana schicke Cowboy-Stiefel gekauft.
5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Musikschaffende werden wolltet?
Dylan: Klingt zwar klischeehaft, aber ich hatte schon als Kind dieses magnetische Gefühl, das mich zur Musik und zur Kunst hingezogen hat. Der Weg war bisher nicht einfach, aber da ist etwas in mir, das mich nicht aufgeben lässt.
Alaska: Wahrscheinlich die Autofahrten zur Schule mit meinem Vater oder meiner Mutter, wenn wir die CDs gehört haben, die sie gebrannt hatten – und die Geschichten darüber, wie sie sich in einem Rockclub in Ann Arbor, Michigan kennengelernt haben. Eine andere Erinnerung ist, wie mein Onkel mir eine alternative Gitarrenstimmung gezeigt hat. Er kannte meine Eltern aus diesem Club und hat später meine Tante kennengelernt. Ich erinnere mich noch genau, wie er mir coole Gitarrensachen gezeigt hat – und mir gesagt hat: „Spiel auf deine eigene Art.“
Abseits von Rock N Roll haben meine Eltern mich einfach automatisch zum Gesangsunterricht bei einer Lehrerin in Montana geschickt. Ich mochte sie sehr, und sie hat mir wirklich beigebracht zu singen. Bis ich vierzehn war, wollte ich Opernsängerin werden – während ich nebenbei versucht habe, diese seltsamen Sachen auf der Gitarre zu spielen.
6. Habt ihr immer noch Träume – oder lebt ihr den Traum bereits?
Dylan: Ich habe immer noch Träume. Musik ist ein großer Teil davon, aber es gibt auch andere kreative Dinge, die ich irgendwann machen möchte. Es ist gut, weiter zu träumen.
Alaska: Ich bin unglaublich glücklich, Musik machen zu dürfen. Aber ja – nach zehn Jahren habe ich meine Perspektive verändert. Ich habe jetzt auch persönliche Träume, zum Beispiel vielleicht ein bisschen Landwirtschaft im kleinen Stil, mehr Zeit in der Natur zu verbringen.
7. Was war eure größte Niederlage?
Dylan: Ich versuche, Dinge nicht als Niederlagen zu sehen, sondern als Zeichen, einen anderen Weg einzuschlagen. Manchmal landet man in einer Sackgasse – und der einzige Weg heraus ist, umzukehren und eine neue Richtung zu finden.
Alaska: Keine Ahnung. Ich kann gar nicht zählen, wie oft Leute in Bezug auf meine Musik Arschlöcher zu mir waren oder mich auf „Music-Industry“-Art manipuliert haben. Ehrlich gesagt: Wenn du die kreative Seite deiner Arbeit in den Vordergrund stellst, gibt es so etwas wie „Niederlage“ nicht. Du machst Fehler, lernst, entwickelst dich weiter – und machst weiter Musik.
8. Was macht euch derzeit als Musikschaffende am glücklichsten?
Dylan: Es ist die Musik mit Alaska. Diese Band. Und die Perspektive, die mir diese Band auf meine anderen Projekte und mein Leben gegeben hat. In den Jahren vor Witch Post habe ich mich etwas festgefahren gefühlt. Ich hatte noch Leidenschaft, aber wusste nicht, wie ich sie komplett freisetzen kann. Diese Band hat geholfen, den Schlüssel zu drehen.
Alaska: Ich bin stolz auf das, was wir veröffentlichen.
9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?
Dylan: Ich würde gern einen Namen nennen und ein bisschen provozieren, aber darauf gibt es keine klare Antwort. Musik und Kunst sind so subjektiv – was für den einen funktioniert, lässt den anderen kalt. Nur weil ich etwas nicht mag, heißt das nicht, dass es schlecht ist.
Alaska: Wenn jemand Musik schreibt, nur um auf Playlists zu landen oder gezielt dafür produziert – das ist komplett seelenlos…
10. Wer – tot oder lebendig – sollte auf eurer Gästeliste stehen?
Dylan: Elizabeth Fraser. Nicht nur, weil wir denselben Nachnamen haben, sondern auch, weil sie verdammt cool ist – und natürlich Schottin.
Alaska: Wenn ich mich auf Musiker beschränke: Bob Mould, Ella Fitzgerald, Loretta Lynn, Lee Hazlewood, Joni Mitchell, Burt Bacharach und J Mascis. Danach müsste ich aber noch eine zweite Party mit J. S. Bach und ein paar weiteren Favoriten schmeißen.
„Butterfly“ von Witch Post erscheint auf Partisan Records.




